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    Würzburg

    Nachts im Buchladen: Kaffee, wenig Schlaf und viele Bücher

    Eine Nacht in der Buchhandlung verbringen - für viele ein Kindheitstraum. Für 30 Besucher der „Langen Nacht des Lesens“ im Würzburger Hugendubel wurde er nun wahr.
    Lesung mit anschließender Übernachtung: Nach dem Vortrag von Autor Sebastian Hilpert zu seinem Buch 'Überleben'durften 30 Zuhörer die ganze Nacht in der Buchhandlung bleiben.
    Lesung mit anschließender Übernachtung: Nach dem Vortrag von Autor Sebastian Hilpert zu seinem Buch "Überleben"durften 30 Zuhörer die ganze Nacht in der Buchhandlung bleiben. Foto: Thomas Obermeier

    Eine Nacht in einer Buchhandlung verbringen: Was für viele ein Kindheitstraum ist, wurde für 30 Personen in der Nacht zum Samstag wahr. Im Anschluss an den Vortrag von Autor Sebastian Hilpert zu seinem Buch „Überleben“ durften sie bis um 6 Uhr morgens im Hugendubel in der Würzburger Innenstadt übernachten. Nur wenige nutzten die Zeit zum Schlafen.

    Sebastian Hilpert über sein Leben als Wildhüter in Namibia

    20.30 Uhr: Eine halbe Stunde nach Ladenschluss öffnen sich die Türen der Buchhandlung Hugendubel erneut, um die Besucher der „Langen Nacht des Lesens“ hereinzulassen. Etwa 60 Zuhörer sind für Hilperts Vortrag zu seinem Buch über die Abenteuer als Wildhüter und Volontär im Süden Afrikas gekommen. Doch nur 30 von ihnen dürfen nach 23 Uhr die Nacht in der Buchhandlung verbringen.

    Tiergeräusche ertönen. Ein Löwe brüllt - und läutet so Hilperts Diavortrag „Überleben“ ein. In den nächsten 90 Minuten wird Hilpert beschreiben, wie er sich auf einer Wild-Auffangstation um Löwen, Leoparden und bissige Erdmännchen gekümmert hat. Aber auch, wie er als ehemaliger Soldat aufgrund von Depressionen überhaupt in Namibia gelandet ist. „Ich wollte raus aus dem festgefahrenen Alltag“, sagt Hilpert.

    Fotograf und Tierschützer Sebastian Hilpert las aus seinem Buch 'Überleben'.
    Fotograf und Tierschützer Sebastian Hilpert las aus seinem Buch "Überleben". Foto: Thomas Obermeier

    Nicht wegrennen: Wie man sich im Kontakt mit Wildtieren verhalten sollte

    Insgesamt ein Jahr verbrachte Hilpert zwischen 2015 und 2018 im südlichen Afrika. Zunächst als Volontär in einer Auffangstation in der namibischen Kalahari-Wüste, wo er schnell die wichtigste Regel im Umgang mit Raubtieren lernte. „Only food runs - nur Essen läuft weg“, betont Hilpert. „Doch den Fluchtinstinkt muss man verdrängen, denn Löwen können bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell rennen.“ Vor allem Leoparden haben es Hilpert angetan, teilt er mit ihnen doch eine Abneigung gegen Paviane. „Die verhalten sich wie extrem freche, kluge Kleinkinder“, fasst er zusammen.

    Hilpert erzählt, wie er schließlich in einer Nashorn-Auffangstation in Südafrika landete, wo die größte Bedrohung diesmal nicht Raubkatzen, sondern Wilderer auf der Jagd nach dem wertvollen Horn der Nashörner waren. Seine Geschichten untermalt er mit zahlreichen Landschafts- und Tier-Fotos, aber auch mit Videos, die ihn auf Patrouille als Wildhüter zeigen. Immer wieder macht er dabei klar, dass seine Erfahrungen nicht nur abenteuerlich, sondern auch gefährlich waren. „Spitzmaulnashörner sind aggressiv. Die trampeln erstmal über etwas drüber und schauen dann, was es war“, erzählt Hilpert.

    „Ich will in mehrere Bücher reinlesen. Letztes Mal haben wir dann auch ungefähr fünf Stück gekauft.“
    Leon Seubert, zum zweiten Mal bei der „Langen Nacht des Lesens“

    Wiederholungstäter bei der Lesenacht

    Dennoch fällt Hilperts Fazit eindeutig aus: „Ich bin froh, diese Erfahrungen gemacht zu haben und möchte Euch eines mitgeben: Findet heraus, was Ihr gerne ausprobieren würdet.“ Nach einer Fragerunde können sich die Zuhörer ihre Exemplare von „Überleben“ signieren lassen oder noch ein bisschen in der Buchhandlung stöbern.

    23 Uhr: Begleitet von einer Melodie ertönt die höfliche Aufforderung, den Buchladen nun zu verlassen. Jetzt sind nur noch die knapp 30 Besucher da, die Karten für die Übernachtung ergattern konnten. „Die Übernachtungsaktion ist sehr beliebt“, sagt Filialleiter Kai Uwe Hampel. „Einige Leute sind bereits zum zweiten oder dritten Mal da. Wir begrenzen die Aktion trotzdem auf 30 Leute, damit sie etwas Besonderes bleibt.“ Auch der Zellinger Leon Seubert hat mit seiner Mutter schon vor zwei Jahren im Hugendubel übernachtet. „Ich finde es echt cool, dass man ganz entspannt lesen kann,“ erklärt er. „Ich will in mehrere Bücher reinlesen. Letztes Mal haben wir dann auch ungefähr fünf Stück gekauft.“

    Buchempfehlungen um 4 Uhr morgens

    1.30 Uhr: Langsam ist es im Hugendubel ruhiger geworden, nur aus wenigen Ecken ist gedämpftes Tuscheln zu hören. Vereinzelt haben die Besucher die Buchhandlung auch schon wieder verlassen, während es sich andere mit Decken und Kissen bequem gemacht haben. Dennoch stehen immer wieder Leute vor den Regalen, um sich weiteren Lesevorrat zu holen oder versorgen sich mit den bereitgestellten Brötchen und Getränken. Auch für Kaffee ist gesorgt. Die Nacht ist schließlich lang.

    4.15 Uhr: Wer möchte, kann sich auch gegen 4 Uhr morgens noch Buchempfehlungen bei Filialleiter Hampel holen. Mittlerweile sind jedoch einige der Besucher vom Schlaf übermannt worden. Christina Böhm und Kristina Ihlefeldt führen hingegen angeregt Gespräche in der Sprachabteilung. „Wir haben eigentlich die ganze Zeit geredet. Gelesen noch nicht so viel“, sagt Böhm lachend. „Aber es ist echt eine interessante Erfahrung.“

    6 Uhr: Obwohl es in der Innenstadt noch stockdunkel ist, erwacht die Buchhandlung langsam zum Leben, es wird geputzt, und die neuen Bücher für den Tag werden eingeräumt. Nach Croissants und Kaffee entlässt Hampel schließlich die ersten Besucher, um einige Bücher und eine besondere Erfahrung reicher, aus der Buchhandlung in den frühen Morgen.

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