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    Veitshöchheim

    Narren in Sorge: Wann ist ein Verein gemeinnützig?

    Sind Vereine im Umgang mit dem Steuerrecht zu leichtsinnig? Ja, findet Bernhard Schlereth, Ehrenpräsident vom Fastnacht-Verband Franken, und nennt Beispiele.
    Fastnacht als Tradition: Jetzt aber sind Verantwortliche des Bund Deutscher Karneval besorgt über Pläne des Finanzministeriums, reinen Männer- oder Frauenvereinen die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Unser Bild zeigt die Parade der KaGe Elferrat Würzburg am 11. November anlässlich der Vorstellung des neuen Prinzenpaares. Foto: Thomas Obermeier

    Die deutschen Karnevalisten bangen um die Gemeinnützigkeit närrischer Vereine. Der Präsident vom Bund Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, zeigte sich in einer Erklärung "besorgt" über Pläne von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit samt Steuervorteilen zu entziehen. "Damit sind aus Sicht des BDK die Tradition und die Bräuche, die sich seit Jahrhunderten entwickelt haben, in Gefahr", hieß es in der im saarländischen Bexbach veröffentlichten Erklärung des Verbandes. Der BDK vertritt deutschlandweit gut 5300 Vereine mit mehr als 2,6 Millionen Mitgliedern.

    Verband fordert "Runden Tisch"

    Wenn nur noch Vereine, die sowohl Frauen als auch Männern die Mitgliedschaft ermöglichen, gemeinnützig sein könnten, "dann wären beispielsweise auch traditionelle Frauenvereine und Traditionskorps in der Existenz gefährdet", warnten die Karnevalisten. Der Entzug der Gemeinnützigkeit bedeute "erhebliche Nachteile" bei staatlicher Förderung und Besteuerung.

    "Das ehrenamtliche Engagement darf nicht durch Unachtsamkeit und immer weitere bürokratische Hürden und Auflagen beschädigt werden", mahnte der BDK. Der Verband forderte einen "Runden Tisch" von Vereinen und Finanzverwaltung über Reformen des Gemeinnützigkeitsrechts.

    "Viele Vereine kennen sich einfach zu wenig in Sachen Gemeinnützigkeit aus."
    Bernhard Schlereth, Ehrenpräsident vom Fastnacht-Verband Franken

    Einen ersten Austausch zu diesem Thema wird es bereits am kommenden Wochenende in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) geben, wenn sich das BDK-Präsidium zu einer Sitzung trifft. Er werde das Thema auf die Tagesordnung bringen, sagte Bernhard Schlereth, Vizepräsident des BDK und Ehrenpräsident des Fastnacht-Verband Franken. Schlereth hält das Thema für spannend und findet es zu einfach, nur mit dem ehrenamtlichen Engagement zu argumentieren: "Viele Vereine kennen sich einfach zu wenig in Sachen Gemeinnützigkeit aus." Das Steuerrecht biete für Vereine viele "Haken und Ösen", sagt Schlereth.

    "Ein gemeinnütziger Verein hat das Ziel, das Wohl der Gemeinschaft zu fördern", sagt Michael Dittmann vom Verein "Deutsches Ehrenamt". Dort werden nach eigenen Angaben mehrere tausend Vereine in Satzungs- oder Finanzfragen beraten. Um die Gemeinnützigkeit zu erlangen, müsse "die Tür zur Vereinsmitgliedschaft jedem offen stehen, der Mitglied werden will".

    Steuerliche Unterschiede zwischen Prunktsitzung und Faschingsball

    Dafür erhalte der Verein steuerliche Vorteile: So seien bestimmte Einnahmen des Vereins körperschafts- und gewerbesteuerfrei, für andere bestimmte Leistungen gelte ein ermäßigter Umsatzsteuersatz und der Verein dürfe Spendenbescheinigungen ausstellen. 

    Er hält die Debatte um die Gemeinnützigkeit von Vereinen für wichtig: Bernhard Schlereth, Ehrenpräsident des Fastnacht-Verband Franken Foto: Daniel Peter

    Schlereth nennt ein Beispiel aus der Fastnacht: "Eine Prunksitzung ist eine anerkannte Brauchtumsveranstaltung. Dafür werden nur sieben Prozent Umsatzstellung fällig." Veranstalte ein Klub allerdings einen reinen Faschingsball, "muss er 19 Prozent abführen". Viele Vereine seien im Umgang mit dem Steuerrecht leichtsinnig, auch in der Region habe es schon Fälle gegeben, in denen Vereine tausende Euros nachzahlen mussten.

    Männer- oder Frauengesellschaft? In Franken kein Problem

    Marco Anderlik, Präsident des Fastnacht-Verband Franken, betrachtet die von Finanzminister Scholz angestoßene Diskussion gelassen, weil es die Kultur der reinen Männer- oder Frauengesellschaften in der Region Franken kaum gebe. Schlereth hält die Debatte gar für notwendig. Er findet, dass sich Vereine zeitgemäß zeigen und öffnen sollten, "und dabei dennoch altes Brauchtum erhalten können". Er nennt ein Beispiel: In den meisten Männergesangvereinen ist eine Mitgliedschaft auch für Frauen möglich, "das heißt aber ja nicht, dass die Frauen dann im Männerchor mitsingen". 

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