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    OCHSENFURT

    Naturschützer ärgern sich über gefällte Bäume

    Nur wenig Freude an ihrer Sonntagswanderung hatte am 4. März Britta Huber. Die grüne Stadträtin aus Ochsenfurt war im Thierbachtal unterwegs und musste feststellen, dass dort etliche Bäume gefällt worden waren. Zu viele, meint Britta Huber. So viele, dass die empfindliche Natur in dem als Biotop kartierten Bereich Schaden nehmen wird. Das sei eine notwendige Verkehrssicherungsmaßnahme gewesen, sagt hingegen Ochsenfurts Bürgermeister Peter Juks.

    Iris Eisenmann-Tappe, in Goßmannsdorf wohnhafte Botanikerin, hat sich die Situation im Thierbachtal ebenfalls angesehen und schlägt Alarm. Alle haben noch den Kahlschlag an der Straße zwischen Goßmannsdorf und Darstadt im Kopf, der 2015 das Landratsamt auf den Plan gerufen hatte. Damals war gegen Bürgermeister Peter Juks ein Bußgeld verhängt worden, doch das Amtsgericht Würzburg hatte das Verfahren eingestellt.

    Der schattige Talgrund zwischen der Ochsenfurter Westsiedlung und Acholshausen beherberge eine ganz besondere Frühblüher-Flora mit seltenen Pflanzen wie Aronstab, Märzenbecher, Adonisröschen und weißem Eisenhut, erklärt Iris Eisenmann-Tappe beim Ortstermin. Bonatiker von der Universität kämen regelmäßig zu Exkursionen hierher. Ohne die schattenspendenden Bäume aber seien die empfindlichen Pflanzen nun dem Tode geweiht, sagt Eisenmann-Tappe und fragt: „Wer kontrolliert die Männer an der Kettensäge?“

    Unsensibler Umgang mit der Natur

    Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt jedenfalls nicht, denn die habe von der Aktion gar nichts gewusst, behauptet die Botanikerin. Das habe man ihr bei ihrem Anruf in der Behörde mitgeteilt. Den Naturschützern geht es allerdings in erster Linie gar nicht um die rechtliche Bewertung der Maßnahme, sondern ganz allgemein um die künftige Vorgehensweise bei Verkehrssicherungsmaßnahmen.

    So unsensibel wie jetzt im Thierbachtal dürfe mit den wertvollen Naturflächen in Ochsenfurt nicht mehr umgegangen werden, fordert Iris Eisenmann-Tappe. Dass im Thierbachtal einige Bäume gefällt worden seien, das sei im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht der Kommune schon in Ordnung, sagt Armin Amrehn, der in seiner Funktion als Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz Würzburg am Ortstermin teilnimmt. Allerdings sei das Ausmaß der Rodung übertrieben. Und es sei nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die zu fällenden Bäume ausgewählt worden seien.

    Instabile Bäume wurden ausgewählt

    Das aber weiß Siegfried Uhl, Leiter des städtischen Bauhofs: Es seien Bäume ausgewählt worden, die einen instabilen Eindruck gemacht hätten, sagt er. Eingedenkt der erwähnten Rodungen im Jahr 2015 seien die städtischen Mitarbeiter ganz besonders vorsichtig zu Werke gegangen, um auch bloß keine Vorschriften zu verletzen. Einen Biologen habe die Stadt zwar nicht zu Rate gezogen, wohl aber den Gärtner-Vorarbeiter und den Revierförster. Beide hätten sich die Bäume angesehen. Allerdings hätten nicht sie allein die Auswahl getroffen, sondern verschiedene Beteiligte gemeinsam.

    „Bei so einer großen Maßnahme wird übergreifend gearbeitet“, erklärt Uhl. Er kann verstehen, dass deren Auswirkungen auf manche Bürger erschreckend wirken. Wenn ein Harvester, ein Holzvollernter, zugange sei, dann sehe das zunächst wüst aus. Dennoch sei die Aktion notwendig gewesen und habe durch den Einsatz des Harvesters stark beschleunigt werden können.

    Eschensterben war der Grund

    Ausgangspunkt für die ganze Maßnahme sei das in letzter Zeit um sich greifende Eschensterben gewesen, das auch Bäume am Thierbach entlang der Staatsstraße 2270 betroffen habe. Die kranken und daher die Verkehrssicherheit gefährdenden Bäume sollten entfernt werden.

    Das bestätigt auf Anfrage der Redaktion die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt. Bereits im Sommer 2017 hätten sich die Behörde und die Stadt Ochsenfurt über die sich im Absterben befindlichen Eschen entlang der Staatsstraße 2270 abgestimmt. Zwischen dem 19. und 27. Februar habe diese Verkehrssicherungsmaßnahme nun stattgefunden. Die darüber hinausgehenden Maßnahmen habe die Stadt in Eigenverantwortung ohne Beteiligung der Unteren Naturschutzbehörde durchgeführt.

    Eine Verpflichtung der Gemeinde

    „Da wir ja den Harvester ohnehin schon gemietet hatten, wollten wir gleich Nägel mit Köpfen machen“, erklärt Siegfried Uhl. Das heißt, auch am Gaubahnradweg wollte die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Was sie laut Landratsamt sogar muss. „Die Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, an Gemeindestraßen und öffentlich gewidmeten Wegen Gefahrenquellen nach Möglichkeit auszuschließen“, heißt es in der Stellungnahme des Landratsamts.

    Eine ausdrückliche Genehmigung der Naturschutzbehörde sei für solche Maßnahmen nicht nötig – auch dann nicht, wenn sich die Flächen beispielsweise in einem Landschaftsschutzgebiet oder einem geschützten Biotop befänden. Die Untere Naturschutzbehörde geht auch nicht davon aus, dass eine nachhaltige Schädigung der Pflanzen im Unterwuchs von Bäumen oder Gehölzen eingetreten sei.

    Künftig einen Ökologen hinzuziehen

    Iris Eisenmann-Tappe hätte sich trotzdem die Mitwirkung eines Experten gewünscht, um auch die Belange der empfindlichen Pflanzen zu berücksichtigen. Die Stadt könne doch auf freiwilliger Basis einen Experten für Ökologie hinzuziehen, wenn wieder Verkehrssicherungsmaßnahmen stattfänden, sagt Eisenmann-Tappe.

    Mit den wertvollen Naturflächen in Ochsenfurt müsse die Stadt sorgsamer umgehen. Dazu könne die Abstimmung mit einem Ökologen beitragen. Im Fall des Thierbachtals etwa hätte auch der eine oder andere alte Baum liegen bleiben und als Totholz noch einen bedeutenden Lebensraum abgeben können.

    Nicht nur die Stadt hat gerodet

    Bauhofleiter Siegfried Uhl weist darauf hin, dass im Thierbachtal nicht allein die Stadt Ochsenfurt zugange war. Die Stadt habe nur etwa bis zu acht Metern links und rechts des Gaubahnradwegs Bäume entfernt. Im Bachgrund selbst habe seines Wissens das Energieversorgungsunternehmen Bäume gefällt, um eine dort verlaufende Stromleitung freizuhalten.

    Die Pressestelle der N-Ergie in Nürnberg bestätigt das auf Anfrage dieser Redaktion. In diesem Bereich verlaufe eine Mittelspannungsleitung nach Stalldorf, die im Rahmen der Trassenpflege etwa alle vier bis fünf Jahre von Bewuchs freigehalten werde, so die Auskunft der Pressestelle. Die Maßnahme sei bei der Unteren Naturschutzbehörde angemeldet gewesen.

    Versehentlich auf Privatgrund tätig

    Nicht verschweigen möchte Peter Juks, dass bei der Maßnahme versehentlich auch Bäume auf Privatgrund gefällt worden sind. Das sei den unübersichtlichen Eigentumsverhältnissen entlang des Thierbachs geschuldet, sagt Peter Juks. Bei den Eigentümern habe die Stadt sich entschuldigt.

    „Wer kontrolliert die Männer an der Kettensäge?“
    Iris Eisenmann-Tappe, Botanikerin

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