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    Würzburg

    Nebelduschen: Warum das Würzburger Wasser Probleme macht

    Bei einigen Veranstaltungen werden Sprühnebelduschen bereits eingesetzt. Hier ein Bild von einem Public Viewing in Bayreuth.  Foto: David Ebener, dpa

    "Der feine Wassernebel verbessert die Lebensqualität der Bürger an heißen Tagen", warb  Sabine Wolfinger am Mittwoch im Ratssaal um Zustimmung für ihren Vorschlag. Wie berichtet, hat die CSU-Stadträtin beantragt, dass die Stadt fünf öffentliche Wassernebelduschen in der Innenstadt aufstellen soll. Denn dafür bräuchte es keinen großen Aufwand und in anderen Städten wie München oder Amsterdam gebe es die Duschen bereits.

    Die Kollegen im Ferienausschuss des Stadtrats bewerteten die Idee unterschiedlich. Am Ende stimmte eine knappe Mehrheit, neun von 16 Stadträten, dafür, dass die Verwaltung die Aufstellung der Duschen weiter untersucht.

    Strikt gegen die Nebelduschen ist SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Kolbow: "In einer Stadt mit so wenig Niederschlag wie Würzburg, Wasser in die Luft zu spritzen, ist ökologisch der völlig falsche Ansatz." Um das Mikroklima in der Innenstadt zu verbessern sollte man auf weitere Wasserflächen setzen. Ähnlich sah das ÖDP-Stadträtin Christiane Kernen. Sie verwies auf mögliche Keime im Wassernebel und meinte: "Brunnen sind zum Abkühlen sinnvoller."

    Viele Keime im Wassernebel 

    Dagegen sagten sowohl Patrick Friedl (Grüne) als auch Joachim Spatz (FDP), dass man sich der Idee prinzipiell nicht verschließen wolle. "Die Verwaltung soll den Vorschlag weiter untersuchen, dann können wir weiter sehen", erklärte Spatz.  

    Die Stadtverwaltung sieht einige Probleme bei der Aufstellung öffentlicher Nebelduschen. In der schriftlichen Stellungnahme der Verwaltung zum CSU-Antrag wird auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verwiesen, laut der Erreger wie Salmonellen oder Legionellen bei der Benutzung dieser öffentlichen Nebelduschen in die Atemwege gelangen und Lungenentzündungen auslösen können.

    Weil bereits nach wenigen Stunden bei Temperaturen über 20 Grad Celsius in den Leitungen die Keimbelastung des stehenden Wassers gefährlich hoch wird, müsste dieses durch teure und wartungsintensive Maßnahmen desinfiziert werden. Aus diesem Grund sprechen sich auch die Trinkwasser-Experten der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH (WVV) gegen die Duschen aus.  

    Das harte Würzburger Wasser würde die Düsen verstopfen

    Noch problematischer ist aus Sicht der Verwaltung aber der hohe Kalkgehalt des Würzburger Wassers. Damit die feinen Düsen nicht sofort verstopfen, müsste man das Duschwasser entkalken – dafür gibt es laut Stadt keine einfachen und flexiblen Lösungen. "Die Verwaltung rät – nach aktuellem Kenntnisstand – aus gesundheitlichen und technischen Gesichtspunkten von einer Nutzung von Nebelduschen in Würzburg ab", heißt es in der Stellungnahme. Trotzdem empfiehlt auch die Verwaltung den Antrag weiterzuverfolgen und im nächsten Jahr erneut zu prüfen. Denn in Wien laufen gerade Modellversuche zu öffentlichen Duschen, die weiterführende Erkenntnisse liefern könnten. 

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