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    Würzburg

    Neubau in Würzburg: Zentrum will psychischen Erkrankungen vorbeugen

    Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter psychischen Störungen. Sie zu verhindern, ist Ziel eines neuen Zentrums in Würzburg. Es soll aber auch Betroffene beraten.
    So soll es Ende 2021 auf dem Würzburger Uni-Campus Nord stehen: das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit. Foto: Skizze: Staatliches Bauamt Würzburg

    Psychische Erkrankungen sind in Deutschland auf dem Vormarsch und bei Erwachsenen immer häufiger der Grund für Krankschreibungen. Aber auch Kinder und Jugendliche leiden unter psychischen Störungen wie Angsterkrankungen, Depression, ADHS oder Sucht. Psychische Auffälligkeiten zeigt laut einer Studie des Robert-Koch-Institutes jeder fünfte Junge und jedes siebte Mädchen. "In Bayern ist sogar jedes vierte Kind betroffen", sagt Marcel Romanos, Direktor der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik in Würzburg.

    Präventionsprogramme entwickeln und in die Fläche bringen

    Er leitet zusammen mit Paul Pauli, Lehrstuhlinhaber für Biologische, Klinische Psychologie und Psychotherapie, das neu gegründete Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit (DZPP). Dort sollen künftig Programme entwickelt werden, die frühzeitig ansetzen, um psychische Erkrankungen gar nicht entstehen zu lassen. Mit Schulen, Vereinen und Familien will man dafür zusammenarbeiten.

    Die Pläne sind ehrgeizig. Man versteht sich als Keimzelle für Präventionsmaßnahmen, die – sobald die Wirksamkeit geprüft ist – bundesweit angewandt werden sollen. Romanos zufolge sollen langfristig "Millionen" Kinder, Jugendliche und Erwachsene davon profitieren – und letztlich die Gesellschaft als Ganzes. Außerdem will das DZPP im Falle psychischer Erkrankungen Betroffene, Familienangehörige, Schulen und andere Einrichtungen beraten, als "Scharnier" zwischen Forschung und Versorgung.

    Zeigten vor der Presse ein Modell für das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit (DZPP): Uni-Präsident Alfred Forchel (Mitte) mit den beiden Leitern Marcel Romanos (rechts) und Paul Pauli. Foto: Kristian Lozina/Uni-Pressestelle

    Getragen wird das neue Präventionszentrum von den Uni-Fakultäten für Medizin und Humanwissenschaften, verschiedenste Disziplinen sind beteiligt: von der Psychiatrie über die Allgemeinmedizin und Pädiatrie bis zur Geburtshilfe und zur Sonderpädagogik. Dafür wird am Hubland-Campus Nord ein eigener dreigeschossiger Neubau mit zunächst 25 Arbeitsplätzen errichtet, der bei Bedarf erweitert werden kann.

    Neubau für das Zentrum am Campus Nord der Universität

    Ende 2020 soll laut Uni mit dem Bau begonnen werden, ein Jahr später soll er stehen. Der Würzburger Förderverein "Menschenskinder", ebenfalls unter der Führung von Marcel Romanos, hat dafür eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld stammt aus der Aktion "Sternstunden" des Bayerischen Rundfunks. Die frühere Landtagspräsidentin Barbara Stamm ist Schirmherrin des neuen Präventionszentrums. 

    Mit ihm will die Julius-Maximilians-Universität bundesweit Vorreiter sein und hofft nicht zuletzt, damit Teil des Deutschen Zentrums für psychische Gesundheit zu werden. Es wurde vor einem guten Jahr vom Bundesforschungsministerium auf den Weg gebracht, die Ausschreibung läuft.

    Bereits gute Erfahrungen mit Präventionsprogrammen

    Bei einer Pressekonferenz machten die verantwortlichen Experten deutlich, dass psychische Erkrankungen nicht isoliert zu betrachten sind. Hintergründe können Paul Pauli zufolge Verlusterlebnisse, Traumatisierungen oder Krankheiten sein. So habe man festgestellt, dass viele herzkranke Patienten Ängste und Depressionen entwickeln – was wiederum ihre Genesung verschlechtere. Mit einer Studie habe man belegt, dass durch Vorbeugemaßnahmen solche Ängste zu verringern sind.

    "Prävention ist auch deutlich kostengünstiger als eine aufwändige Behandlung", so Pauli. Romanos verweist auf bereits laufende Programme wie  etwa zur Emotionsregulation. Es soll Kinder vor Selbstverletzungen und emotionalen Störungen schützen.

    Nicht nur Romanos hält Angststörungen für "wesentliche Motoren" psychischer Erkrankungen. Unter Leitung von Jürgen Deckert, Prodekan der Medizinischen Fakultät, und Paul Pauli wird am Würzburger Zentrum für Angsterkrankungen schon heute interdisziplinär, national und sogar international zusammengearbeitet. Man habe, so hieß es vor der Presse, auch deshalb gute Voraussetzungen für die Präventionsforschung.

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