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    SONDERHOFEN

    Neue Klänge für die alte Orgel

    Ein Sammelsurium an Werkzeugen und Gerätschaften, kleine und große Pfeifen liegen und stehen auf der Empore herum und der Orgelkasten ist teilweise ausgeräumt. Dass ist das Bild, das sich derzeit in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer bietet.

    Hier sind seit einigen Monaten Orgelbaumeister Martin Karle (Zellingen) und dessen Mitarbeiter Gunther Münch damit beschäftigt die Orgel zu restaurieren. Am Samstag, dem 24. März um 18,30 Uhr findet die feierliche Einweihung und Inbetriebnahme der erneuerten Orgel statt. Bei der Festlichkeit spielt Martin Mahlmeister eine Orgelmeditation zur Karwoche.

    Während die Fachleute dabei sind die neuen Register zu stimmen, wobei sich auch Organist Kurt Müller ein Bild von den künftigen Klangfarben macht, erläutert der Orgelbaumeister die Erneuerungsarbeiten an dem Instrument.

    Bei der kompletten Renovierung mit dem Austausch aller Verbrauchsmaterialien werden zwölf weitere Pfeifen eingebaut und das Register auf eine Achtfuß-Basis gestellt. Die Kosten für die Restaurierung liegen laut Martin Karle bei circa 37 000 Euro.

    Der Orgelbaumeister ist ebenso wie Gunther Münch bestens vertraut mit der Orgel, die sie bereits vor 30 Jahren restauriert haben. „Es ist eine gute Orgel“ hält Karle mit seinem Lob nicht zurück.

    Die mit Kosten von 14 000 Reichsmark (RM) angeschaffte Orgel, die am 17. November 1940 eingeweiht wurde, stammt aus der Münchner Orgelanstalt Willibald Siemann (1864-1932). „Der war bekannt dafür, sehr gute Instrumente zu bauen“, sagt Karle über Willibald Siemann. Der zu seiner Zeit besonders in Bayern hochgeschätzte Orgelbauer hat vermutlich sein Handwerk bei seinem Schwager Martin Binder erlernt. Im Jahre 1900 gründete er in München seine eigene Firma die unter dem Namen Orgelbauanstalt Willibald Siemann München bis 1909 bestanden hat.

    Nach dem Tod von Martin Binder vereinigte Siemann beide Betriebe zunächst unter dem Namen „Martin Binder & Sohn Inhaber Willibald Siemann.“ Als alleiniger Inhaber der Werkstätten in München und Regensburg führte Siemann beide Werklisten mit neuer Zählung. Nach dem Tod von Willibald Siemann führte dessen Schwiegersohn Georg Prell die Firma weiter.

    Bevor 1944 die Münchner Werkstatt in der Steinheilstraße 7 durch einen Bombenangriff zerstört wurde, wurden von den Orgelbaumeistern Binder und Siemann zwischen den Jahren 1875 und 1944 etwa 525 Orgeln gebaut.

    Unter den vorwiegend für bayerische kleinere und größere Kirchen geschaffenen Orgeln, ist das für die Sonderhöfer gefertigte 500. Instrument fast so etwas wie ein Jubiläumsstück. Davon gibt das Firmenschild Zeugnis, das mit dem Aufdruck „Willi Siemann & CO Orgelbauanstalt München-Regensburg Opus 500 - 1940„ noch heute so neu aussieht wie vor über 77 Jahren.

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