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    Würzburg

    Nobelpreis für Greta? Das sagen zwei unterfränkische Jugendliche

    Greta Thunberg könnte am Freitag den Friedensnobelpreis gewinnen. Nicht alle finden das gut. Foto: Kena Betancur, afp

    Paula Nitzl und Rena Schimmer sind beide jung, weiblich und politisch engagiert. Eine von ihnen bei Fridays for Future, die andere in der Jungen Union. Zu der Frage, ob die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg für ihr Engagement im Klimaschutz den Friedensnobelpreis erhalten sollte, haben sie sehr unterschiedliche Meinungen. 

    Pro Friedensnobelpreis für Greta: Warum der Krieg sich vom Klimawandel ernährt

    Greta Thunberg ist – nach Donald Trump – die wahrscheinlich polarisierendste Person unserer Zeit. Ein 16-jähriges Mädchen, Initiatorin einer weltweiten Jugend- und Klimabewegung und jetzt auch noch Nominierte für den Friedensnobelpreis! Jetzt mögen sich viele Menschen die Frage stellen: Klimaschutz und Frieden? Was hat das denn miteinander zu tun? Die Antwort ist einfach: viel. Neben der Tatsache, dass "Fridays for Future" über Grenzen hinweg Menschen verbindet und für Austausch und Dialog sorgt, gefährdet der Klimawandel den Frieden. Er ist weltweit eine Ursache für Konflikte um Nahrung.

    Klimawandelbedingte Naturkatastrophen wie Dürren oder Überschwemmungen sorgen für Ernteausfälle. Und auch der Rückgang der Fischereierträge ist bedingt durch die Erderwärmung. Fehlende Niederschläge und das Schmelzen der Gletscher sorgen für Trinkwasserknappheit. Und selbst damit ist es noch nicht genug. Wegen des ansteigenden Meereswasserspiegels steht nicht nur Lebensraum in ohnehin schon gefährdeten Ländern, wie zum Beispiel Bangladesch, auf dem Spiel. Auch innerhalb der EU sind nach Forschermeinungen bis 2100 Länder wie die Niederlande wortwörtlich dem Untergang geweiht. Es werden voraussichtlich – nur innerhalb der EU – 25 Millionen Menschen von Umsiedlungsmaßnahmen betroffen sein - unvorstellbar, wie das Ganze dann weltweit aussieht.

    Paula Nitzl (17) aus Thüngersheim überbrückt die Zeit zwischen Abitur und Freiwilligem Sozialen Jahr mit politischem Engagement bei Fridays for Future. Foto: Paula Nitzl

    Es entsteht folglich neben der Nahrungs- und Trinkwasserknappheit auch noch eine Lebensraumknappheit. Das wird selbstverständlich zu Konflikten führen, die nicht mit Strafzöllen oder Diplomatie lösbar sind, sondern mit Gewalt gelöst werden. Eine Studie der Stanford University zeigt, dass sich bei einer Erwärmung der Durchschnittstemperatur um 4 Grad Celsius das Konfliktrisiko um 26 Prozent erhöhen wird. Es existiert also eine unmittelbare Abhängigkeit des Friedens vom Klimaschutz, denn der menschengemachte Klimawandel fördert bewaffnete Konflikte. Deshalb macht es durchaus Sinn, Greta Thunberg als Initiatorin einer Jugend-, Klima- und Friedensbewegung den Friedensnobelpreis zu verleihen.

    Kontra Friedensnobelpreis für Greta: Greta Thunberg spaltet die Gesellschaft, statt Konflikte zu lösen

    Jedes Jahr gibt es viele Kandidatinnen und Kandidaten für den Friedensnobelpreis. Alfred Nobel, der schwedische Erfinder des Nobelpreises, setzt als Maßstab für die Vergabe des Friedensnobelpreises bestimmt Vorgaben. So soll der Preis an denjenigen vergeben werden, der sich für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere eingesetzt sowie zur Förderung von Friedenskongressen beigetragen hat.

    Meiner Meinung nach kann ich Greta Thunberg unter keinem dieser Aspekte einordnen. Zwar setzt sie sich für das sehr wichtige Thema des Klimaschutzes in der Gesellschaft ein, hat die Gesellschaft wachgerüttelt und eine Bewusstseinsveränderung geschaffen, das will ich auch gar nicht verneinen und befürworte das auch. Allerdings geht das für mich an der Idee des Friedensnobelpreises vorbei. Diesen Preis haben Menschen und Organisationen bekommen, die fundamentale geschichtliche Ereignisse begleitet und verändert haben, die für die Zusammenführung von Völkern gesorgt, ihr Leben aufs Spiel gesetzt und Menschenrechte durchgesetzt haben.

    Die Würzburgerin Rena Schimmer (20) ist Studentin und neu gewählte Kreisvorsitzende der Jungen Union Würzburg-Stadt.  Foto: Rena Schimmer

    Mir wird dabei nicht klar, warum jemand diesen Preis bekommen sollte, der das theoretisch Mögliche fordert, ohne dabei Rücksicht auf das praktisch sowie sozial und wirtschaftlich Umsetzbare zu nehmen. Jemand, der mit Schifffahrten den Schein von Klimaneutralität erweckt, während die Reisebilanz am Ende weitaus klimaschädlicher gewesen ist. Jemand, der die Gesellschaft spaltet, "how dare you" in die Kamera ruft und in New York weit über das Ziel und über ein respektvolles Miteinander hinausschießt. Jemand, der sich nicht klar von Gruppierungen wie Extinction Rebellion distanziert, die öffentlich Sätze wie "wenn sie nicht handeln, dann werden wir sie stürzen (…). Manche könnten in diesem Prozess sterben" (R. Hallam) ausrufen.


    Dabei geht es doch gerade bei diesem Preis darum, dass man Konfliktsituationen friedlich löst und auf ein gemeinsames weltfriedliches Ergebnis konstruktiv hinarbeitet.

     
     
     

    Rena Schimmer; Paula Nitzl

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