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    Ochsenfurt

    Noch immer müht sich die Stadt mit den Unwetterschäden ab

    Erhard Schenkyr aus Tückelhausen war vom Hochwasser 2016 stark betroffen. Sein Keller wurde überflutet. Foto: Erhard Schenkyr

    Den trockenen Sommer dürften die Ochsenfurter noch im Kopf haben, doch Erhard Schenkyr denkt meistens an das Gegenteil. Er fürchtet Starkregenereignisse wie das im Mai 2016 oder im Jahr 2000. Beide Male wurden sein Haus und sein Grundstück in Tückelhausen stark in Mitleidenschaft gezogen, die finanziellen Auswirkungen spürt er noch heute. Eigentlich hatte Schenkyr erwartet, dass die Stadt Ochsenfurt Maßnahmen ergreifen würde, um sein Grundstück gegen künftige Überflutungen zu wappnen. "Alle sind sie nach dem Unwetter durch meinen Garten getrampelt und haben gesagt: Es muss was passieren", sagt Schenkyr und meint damit örtliche Kommunalpolitiker.

    Vom Hang hinter Erhard Schenkyrs Haus flossen die Wassermassen auf sein Grundstück. Foto: Claudia Schuhmann

    Geschehen ist bisher nur wenig. Schenkyr möchte diese Untätigkeit nicht hinnehmen, doch seitens der Stadt wird argumentiert, es könnten in diesem Bereich mangels eigener Flächen keine Maßnahmen ergriffen werden. "Man ist allein gelassen", sagt der Tückelhäuser frustriert. 1988 baute Erhard Schenkyr sein Haus in der St.-Georg-Straße. Später erzählten ihm Nachbarn, dass an dieser Stelle immer wieder mal größere Regenfluten den Hang hinab kämen.

    "Trotzdem wurde das Gebiet als Baugrund ausgewiesen", ärgert sich Schenkyr. Im Frühjahr 2000 erwischte es ihn zum ersten Mal: Regen und Schlamm flossen in seinen Keller. Auf dem Schaden blieb er sitzen, denn damals besaß er noch keine Elementarschadenversicherung. Obwohl er dieses Versäumnis nachholte, hat er auch den Starkregen vom Mai 2016 nicht unbeschadet überstanden. Die Versicherung ersetzte nicht den kompletten Schaden, 20 000 Euro blieben an ihm hängen.

    "Es tat einen Schlag, als das Wasser die Haustür im Untergeschoss eindrückte."
    Erhard Schenkyr, Hausbesitzer aus Tückelhausen

    Ein Blick auf die Fotos von damals macht deutlich, weshalb eine so hohe Summe zusammenkam. Das Büro im Keller war von Schlamm und Wasser überflutet. "Es tat einen Schlag, als das Wasser die Haustür im Untergeschoss eindrückte", erinnert sich der 63-Jährige. Einrichtung, technische Geräte, der Trockenestrich: alles dahin. Wochenlang liefen nach dem Unwetter die Trockner im Haus, auch der Garten wurde verwüstet. Schenkyr wünscht auf der Ackerfläche hinter seinem Haus ein Rückhaltebecken, und er möchte, dass der dort verlaufende Graben von der Stadt regelmäßig gereinigt wird.

    Erhard Schenkyer verlangt von der Stadt Ochsenfurt einen besseren Hochwasserschutz. Foto: Claudia Schuhmann

    Mehr als mit dem benachbarten Grundstückseigentümer von Schenkyr sprechen könne er nicht, sagt auf Nachfrage Bürgermeister Peter Juks. Das will er aber auch tun. Er weiß, dass die Lage des Grundstücks wegen der Überflutungsproblematik heikel ist. Zum damaligen Zeitpunkt seien die Anforderungen bei der Ausweisung als Baugrund aber weniger streng gewesen als heute.

    Juks verweist auf eine ähnliche Sachlage in Darstadt, wo 2016 ebenfalls ein Haus überflutet worden war. Der Eigentümer habe in Absprache mit der Stadt selbst Maßnahmen ergriffen, um das Wasser von seinem Grundstück fernzuhalten. Auch Schenkyr müsse in Eigeninitiative tätig werden, sagt Juks.

    Letzte Unwetterschäden sind noch immer nicht beseitigt

    Das Unwetter vom Mai 2016 beschäftigt die Stadt noch immer. Juks rechnet damit, dass sich die Behebung der letzten Schäden bis Sommer 2019 hinziehen wird. Die wenige Tage nach dem Unwetter gemachte grobe Schätzung von rund einer Million Euro Schäden auf öffentlichem Grund hat sich als zutreffend erwiesen: Etwa 800 000 Euro musste die Stadt ausgeben. So wurden in Hopferstadt, Erlach, Zeubelried, Tückelhausen, Ochsenfurt, Hohestadt sowie in der Klamm in Goßmannsdorf die Gräben geputzt.

    Das Archivfoto zeigt die Aufräumarbeiten am Bollwerk in Ochsenfurt nach dem Unwetter vom Mai 2016. Foto: Gerhard Meißner

    In der Klamm entstand zudem für rund 100 000 Euro ein Rückhaltebecken. Des weiteren wurden unter anderem die Regenrückhaltebecken im gesamten Stadtgebiet  ausgebaggert, die Durchlässe und Sinkkästen gereinigt und etliche Straßen wiederhergestellt. Im Sommer sollen noch die Darstadter Straße hergerichtet, in Goßmannsdorf und Kaltenhof die Gräben geputzt und das Regenrückhaltebecken oberhalb der Klinge instand gesetzt werden. Teils führte der Bauhof die Arbeiten aus, teils mussten Fremdfirmen eingesetzt werden. Ohne Schuldzuweisungen vornehmen zu wollen, so Juks, müsse festgehalten werden, dass einige der Rückhaltebecken nicht gut gepflegt gewesen seien.

    Ein weiteres Thema ist der Lohweg in Hohestadt

    Über den Lohweg fließt immer wieder Wasser ins Hohestadter Wohnegbiet (hier ein Foto aus dem Jahr 2014). Foto: Reinhard Ott

    Neben diesen Maßnahmen gibt es zwei weitere neuralgische Punkte im Stadtgebiet, die in Bezug auf die Entwässerung angegangen werden müssen: den Lohweg in Hohestadt und den Bärentalgraben. Für beide Maßnahmen ist nicht die Stadt direkt, sondern das städtische Kommunalunternehmen (KSO) zuständig, erklärt Juks. 

    Die CSU-Fraktion im Ochsenfurter Stadtrat hatte zwei Mal beantragt, über die nächsten Planungsschritte für den Lohweg  in öffentlicher Sitzung informiert zu werden, bislang vergeblich. Das Wohngebiet in Hohestadt leidet immer wieder unter vom Lohweg kommendem Wasser. Seit Jahren stehe das Thema beim KSO auf der Tagesordnung, im Wirtschaftsplan des KSO seien dafür 390 000 Euro eingestellt, so Juks. 2012 sei auch bereits ein Ingenieurbüro beauftragt worden. Allerdings laufe in Hohestadt eine schwierige Flurneuordnung, die erst in den kommenden Wochen zu Ende gehen wird. Erst wenn das Verfahren abgeschlossen ist, stehe der Verlauf der Wege endgültig fest. Und auch erst dann sei es sinnvoll, Gräben und Rohre zu planen. 

    Auch im Bärentalgraben gibt es ein Problem

    Dass, wie von der CSU-Fraktion bemängelt, keine Informationen über die Planungen an die Stadtratsmitglieder geflossen seien, weist Juks zurück. Es sei den Stadträten jederzeit möglich, sich über die Vertreter ihrer Fraktion im Verwaltungsrat des KSO Informationen zu beschaffen. Nichtsdestotrotz steht das Thema "Sachstandsbericht Lohweg" nun auf der Tagesordnung der Bauausschusssitzung am 15. November.

    Die Problematik um den Bärentalgraben kann derzeit ebenfalls noch nicht gelöst werden. Das Wasser, das über den alten Trimm-Dich-Pfad Richtung Südzucker fließt, nimmt nämlich den Weg durch die Bahnunterführung, die allerdings auch von vielen Fußgängern genutzt wird. Offiziell, erklärt Juks, handele es sich bei dieser Unterführung um die Entwässerung, nicht um einen Durchlass für Personen. Um im Falle einer Überflutung niemanden zu gefährden, müsste die Unterführung eigentlich gesperrt werden. Damit würde allerdings für Fußgänger aus dem Bärental der Weg Richtung Marktbreiter Straße sehr umständlich. Wie eine Lösung aussehen könnte, weiß der Bürgermeister noch nicht, denn die Verbindung über die Bahnlinie hinweg gestaltet sich Juks zufolge "milde ausgedrückt schwierig" und daher teuer.

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