• aktualisiert:

    Würzburg

    Numerus Clausus: Wie an der Uni Würzburg ausgelesen wird

    Blick auf die Neue Uni am Sanderring in Würzburg. An die 28 000 Studierende sind zum Wintersemester 2019/20 an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) eingeschrieben. Manchen bleibt der Zugang zur Uni allerdings versperrt. Foto: Fotomontage/Patty Varasano

    Wer an der Universität studieren möchte, scheitert nicht selten schon davor: Für manchen Studiengang sind die Plätze limitiert, auch in Würzburg. Landläufig spricht man vom Numerus Clausus (NC) und meint den Abitur-Notenschnitt. Wobei es für eine Zulassungsbeschränkung weitere Kriterien gibt und die Notenunterschiede der Hochschulen groß sind.

    Zu diesem Ergebnis kommt die Online-Jobsuchmaschine Adzuna in einem Vergleich unter den 40 größten Unis in Deutschland. Bitter dabei für die Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU): Sie landet auf dem Negativ-Platz zwei mit einem NC-Durchschnitt von 2,30. Angeblich sei die NC-Beschränkung nur an der Bochumer Ruhr-Universität (1,62) noch strenger.

    "Da werden Äpfel und Birnen zusammengeworfen." 
    Thomas Frisch, Uni Würzburg, zum umstrittenen NC-Ranking

    Alles Humbug, heißt es dazu aus der Würzburger Uni. Der angestellte Vergleich sei unseriös, "weil Äpfel und Birnen zusammengeworfen werden", sagt Thomas Frisch, Leiter der Studierendenkanzlei und Fachmann für die Zulassungsbeschränkungen. Diese werden weder willkürlich noch starr festgesetzt. Den NC bestimmen Angebot und Nachfrage: Je höher die Nachfrage im Verhältnis zu den verfügbaren Studienplätzen, desto strenger der NC. Besonders hart und bundesweit geregelt ist die Auslese für Medizin und Zahnmedizin

    Adzuna hat für das Ranking ausschließlich die geforderten Abiturnoten bei örtlichen Studiengängen herangezogen, diese aufsummiert und durch die Anzahl dieser zulassungsbeschränkten Studiengänge geteilt. Doch über alle Studiengänge hinweg einen Durchschnittswert der Noten zu bilden, hat laut Uni-Vizepräsidentin Ulrike Holzgrabe keinerlei Aussagewert. Relevant sei immer nur der Vergleich einzelner Fächer.

    In Würzburg ist jeder zehnte Studiengang zulassungsbeschränkt

    So wurden beispielsweise in der Biochemie (Bachelor) und Lebensmittelchemie (Bachelor) in diesem Wintersemester erstmals alle Bewerber zugelassen – auch jene mit deutlich schlechteren Noten als der im Ranking ermittelte Durchschnitts-NC von 2,3.  Für die Psychologie (Bachelor) lag die Auswahlgrenze dagegen bei 1,5 und bei der Biomedizin bei 1,4. 

    Ein Student im Lichthof der Neuen Uni in Würzburg. Nicht alle können wegen einer Zulassungsbeschränkung das Fach ihrer Wahl studieren. Foto: Patty Varasano

    An der JMU sind zum Wintersemester 25 von rund 250 Studiengängen zulassungsbeschränkt. Laut Adzuna sind es beispielsweise in Leipzig 70, in Köln 137. Uni-Experte Frisch kritisiert, dass auch die Studienangebote der im Ranking gelisteten Universitäten "nur sehr bedingt" vergleichbar seien. 

    Ist ein Studiengang zulassungsbeschränkt, geht es nicht allein um die Abiturnote. Auch andere Faktoren zählen bislang noch – eine Wartezeit, berufliche Qualifikation oder ein abgeleisteter Dienst. Das Verfahren ist kompliziert und im ständigen Fluss. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den medizinischen Studiengängen stehen aktuell wieder Änderungen bevor – auch für die sonstigen Fächer.

    "Hier geht es auch um Sicherheitsaspekte."
    Uni-Vizepräsidentin Ulrike Holzgrabe zur Limitierung von Laborplätzen

    Einmal jährlich müssen die Hochschulen ihre Zulassungsbeschränkungen beim bayerischen Wissenschaftsministerium beantragen – und sauber begründen. Wie viele Studierende aufgenommen werden, hängt unter anderem vom verfügbaren Lehrpersonal und den Räumlichkeiten ab. Diese Voraussetzungen variieren je nach Fakultät stark. Während volle Hörsäle in Jura- oder Wirtschaftsvorlesungen weniger ein Problem sind, fehlen in der Pharmazie oder Chemie schnell Laborplätze. Kein Wunder also, dass vor allem in diesen experimentellen Fächern an der Uni Würzburg begrenzt werden muss. "Hier geht es auch um Sicherheitsaspekte", sagt Uni-Vize Holzgrabe.

    Eine große Nachfrage verbucht die JMU weiterhin bei der Sonderpädagogik mit NCs zwischen 1,7 und 2,6 je nach Fachrichtung. Der Run auf diese Studienplätze ist groß, weil in Bayern Sonderpädagogik bis dato nur in München und Würzburg zu studieren ist. Entlastung soll mit der Uni Regensburg nun ein dritter Standort schaffen.  

    Regelmäßige Klagen vor dem Verwaltungsgericht

    Wird einem Studierenden der Zugang zur Uni verwehrt, führt der Weg oftmals an das Verwaltungsgericht. So versucht man, einen Studienplatz einzuklagen. Auch die Julius-Maximilians-Universität wird mit Hilfe spezialisierter Anwälte regelmäßig verklagt. "In über 99 Prozent der Fälle gewinnen wir", erklärt Experte Frisch. Entscheidend ist eine ordnungsgemäße Kapazitätsberechnung. Diese muss die Uni vier Wochen nach Vorlesungsbeginn dem Verwaltungsgericht vorlegen.

    Sie haben ihren Studienplatz an Würzburgs Uni gefunden: Junge Erwachsene vor der Neuen Uni am Sanderring. Andere bleiben am Numerus Clausus hängen. Foto: Daniel Peter

    "Die Studenten stimmen 'mit den Füßen' ab", sagt JMU-Vize Holzgrabe. "Sie bestimmen, wo ein Studiengang voll wird. Das ist von der Uni gar nicht zu lenken." Holzgrabe ist Professorin für Pharmazie und sieht hier einen großen Nachwuchsbedarf – allein schon, weil viele Apotheker ins Rentenalter kommen. Allerdings fehlt es, trotz verstärkter Finanzierung durch private Firmen, an Kapazität und Geld, um mehr Pharmazeuten auszubilden. So bleibt es beim NC in allen Bundesländern.

    In Jura, Wirtschaft und Politikwissenschaft kein NC mehr

    Indes hat in anderen Fächern der Druck durch die Studierenden etwas nachgelassen und der NC konnte an der Uni Würzburg wieder abgeschafft werden – in Jura, Wirtschaft, Politikwissenschaft oder: der Biologie als Bachelor-Studium. Hier hat man einen verpflichtenden Test zur Selbsteinschätzung eingeführt. Studierende sollen herausfinden, ob die akademische Biologie wirklich ihren Vorstellungen entspricht. Dieses "weiche" Verfahren – ohne direkte Konsequenzen für die Zulassung – hat sich bewährt. Es soll auf andere Studiengänge ausgedehnt werden und könnte auch hier den "harten" Numerus Clausus ersetzen.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Anmelden