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    Randersacker

    Nur 25 Jahre Grundsteuerausgleich

    Der Grenzgang "hohe Mark" mit Schlusspunkt im Alandsgrund und neuer Beurkundung 50 Jahre nachdem Randersacker Würzburg größer gemacht hat, mit (von links): Hermann Hehn, Franz Hartel, Paul Schmitt, Viktoria Marold, Roland Marold, Peter Janka, Peter Rost, Hubert Göbel und Heinz Röder. Foto: Antje Roscoe

    Teile des Hubland-Campus und das Gelände des neuen Uni-Sportzentrums, insgesamt 68 Hektar, hatte Randersacker für die Erweiterung der Universität an die Stadt Würzburg abgegeben. Altbürgermeister Franz Hartel nennt es 50 Jahre später – beim Grenzgang auf alten Spuren - einen großzügigen und wesentlichen Beitrag Randersackers für Bildung und Wissenschaft.

    "Beeidigte Häupter und ortskundige Männer" von Würzburg und Randersacker hatten anno 779 auf Geheiß Kaiser Karl des Großen die Grenze zwischen Randersacker und Würzburg gezogen. Das eigenständige Randersacker war mit der dazugehörigen Urkunde in seiner Existenz bestätigt und selbst der Weinbau bezeugt worden. Das Erinnerungsstück dazu schuf jetzt Altbürgermeister Franz Hartel, der von 1984 bis 1996 die Geschicke der Marktgemeinde verantwortete. Eingeladen hatte er als Vorsitzender der Singgemeinschaft "Weinsinger", indem er genau solche "Beeidigte" und "Ortskundige" einlud, die "hohe Mark" von Würzburg abzulaufen. Es galt, an die vor 1240 Jahren festgelegte Grenze zu erinnern und den Veränderungen von 1969 nachzuspüren. Vom Schönstattzentrum Marienhöhe als Randersackers heute nördlichstem Punkt zieht sich die Grenze durch den Alandsgrund bis zur Naturheilinsel am jenseitigen Ufer.

    Historische, jetzt unterirdische Grenzsteine aus dem 17. Jahrhundert als große Besonderheit am Wege - gleich neben der B13. Hermann Hehn, Vermessungsamt der Stadt Würzburg, erläuterte ihre Sicherung am Fundort in einem Straßenschacht. Foto: Antje Roscoe

    Begehbar und in ordentlichem Zustand ist der Grenzverlauf. Das bestätigt die neue Urkunde. Stellvertretender Bürgermeister Peter Rost kam ins Staunen, wie groß Randersacker einmal gewesen ist – als die nördlichste Grenze noch bei dem alten Grenzstein im Fadenkreuz von Unterem Hublandweg, Theodor-Boveri-Ring und der Gerbrunner Sieboldstraße lag. Der Grenzgang erinnerte nämlich gleichzeitig an die Veränderungen vor 50 Jahren.

    "Wunderschönes Baugelände da oben"

    68 Hektar Land hatte Randersacker 1969 für die Erweiterung der Julius-Maximilians-Universität an die Stadt Würzburg abgegeben. Da das Gelände für staatliche Zwecke bestimmt war, hatte es zum Ausgleich keinen Flächentausch gegeben, lediglich einen Grundsteuerausgleich über 25 Jahre. "Für die angrenzende Fläche des Marktes Randersacker an das Universitätsgelände wurde dem Markt die Wohnbebauung ausdrücklich zugesichert", heißt es in Hartels Erläuterung zum Grenzgang. Rost stufte es als "wunderschönes Baugelände da oben" ein. Damit hatte der Grenzgang nicht nur die Funktion, eine schöne alte Tradition aufrecht zu erhalten, sondern Dank der Erläuterungen auch die historischen Zusammenhänge und Rechte zu erinnern.

    Als prominente Zeugen für den Grenzgang auf historischen Spuren dienten neben dem einladenden Altbürgermeister der stellvertretende Bürgermeister von Randersacker Peter Rost und für die Stadt Würzburg aus der Fachabteilung Tiefbau, Geodaten und Vermessung, Hermann Hehn. Nachdem auch die Landkreisgrenze tangiert war, nahm Kreisrätin Viktoria Marold teil. Marktgemeinderat Roland Marold, Feldgeschworener Paul Schmitt, Hubert Göbel für den Weinbauverein und Peter Janka als Randersackers Archivverwalter waren beteiligt sowie der ehemalige Gemeinderat Heinz Röder.

    Kulturellen Mehrwert bekam der Grenzgang durch die Sangesfreude der Weinsinger. Es gab Erläuterungen zur Historie sowie von Hermann Hehn Gedichte über Grenzstein und Fluchtstab. Eher Augenzwinkernd stand zum Abschluss die Vermutung, dass die Namen der Teilnehmer auch in 1000 Jahren noch überliefert und bekannt sein würden, nachdem es sich um einen beurkundeten Grenzgang handelte. Aus dem Jahr 779 sind unter anderem die Randersackerer Namen Fredthant mit dem Fredthantschen Weingarten und Ranftger überliefert. Letzterer soll mit seinem "achar" der Namensgeber für "Ranftgersachar" geworden sein.

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