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    Heidingsfeld

    OB-Wahl: Dagmar Dewald will die Verkehrswende für Würzburg

    Weniger Autos, mehr Denkmalschutz wünscht sich Dagmar Dewald für Würzburg. Was die OB-Kandidatin der ÖDP sonst noch anpacken will, erzählt sie unterwegs in Heidingsfeld.
    Dagmar Dewald kandidiert für die ÖDP als Oberbürgermeisterin. Mit Reporterin Carolin Schulte sprach sie in Heidingsfeld über ihre Pläne für die Stadt. Das Foto entstand am Speierloch.  Foto: Patty Varasano

    Gegen die Fachhochschule am Alandsgrund, für einen Autobahntunnel unter dem Heuchelhofberg, für die Begrünung des Faulhaberplatzes – Dagmar Dewald hat schon für viele Bürgerinitiativen gekämpft. Nun kämpft sie für die ÖDP um das Amt der Oberbürgermeisterin der Stadt Würzburg. Was will sie in der Stadt verändern, sollte sie gewählt werden? Das erklärt sie auf einem Spaziergang durch den Stadtteil Heidingsfeld.

    Das Los hat für sie entschieden: Jeder der sieben OB-Kandidaten hat von der Redaktion einen Stadtteil zugelost bekommen. Treffpunkt ist immer am Rathaus, denn da wollen die Kandidaten hin. Von dort fahren Kandidat und Redakteur gemeinsam mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Stadtteil.

    365-Euro-Ticket soll unbedingt kommen

    Dewald fährt mit dem Klapprad am Vierröhrenbrunnen vor – denn das braucht zusammengefaltet in der Straßenbahn kein eigenes Ticket. Mit dem Rad im Gepäck ist die 54-Jährige schon durch halb Europa gereist, erzählt sie. "Meine Familie fährt seit Jahr und Tag nur mit dem Zug in den Sommerurlaub an die Nordsee", sagt Dewald. Ein Auto hat die Familie zwar, aber das werde nur im Notfall verwendet.

    Dagmar Dewald hat eine Monatskarte für die Würzburger Straßenbahn. Das Klapprad fährt kostenlos mit. Foto: Patty Varasano

    Im Alltag sei sie mit der Straßenbahn oder dem Rad unterwegs. Für die Tour durch "Hätzfeld" ist sie mit Handschuhen, Schal und warmer Mütze ausgestattet, denn es ist ein kalter Tag Anfang Januar, gut zweieinhalb Monate vor der Kommunalwahl.

    2,80 Euro kostet eine Einzelfahrt mit der Straba - "Das ist zu teuer, ganz klar", sagt Dewald. Ein 365-Euro-Ticket steht daher oben auf der Liste mit Dingen, die sie angehen will, sollte sie zur Würzburger Oberbürgermeisterin gewählt werden. Zur Finanzierung hat sie allerdings noch kein klares Konzept.

    Autos nehmen zu viel Platz ein

    "Die Straßenbahn ist ein großer Entwicklungsmotor für die Stadtteile." Den Bau der Linie 6 will sie daher vorantreiben, auch wenn die direkt vor ihrer Haustür im Frauenland fahren würde. Wichtig ist ihr die Reaktivierung des Bahnhaltepunkts am Ostbahnhof in Heidingsfeld und in Zukunft eine Linie 7 nach Versbach. Sogar eine Seilbahn über den Main kann sie sich vorstellen, oder ein Schnellboot als Wassertaxi für die Randgemeinden: "Wir müssen alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, um so viele Autos wie möglich aus der Stadt zu lenken."

    Heidingsfeld ist für Dewald ein Heimspiel, denn dort hat sie viele Jahre mit ihrer Familie gelebt. Mit der Straba ist das "Städtle" gut zu erreichen, nach knapp einer Viertelstunde Fahrt hält die Bahn an der Haltestelle Reuterstraße. Dewald steuert direkt auf den kleinen Platz vor dem Nikolaustor zu.

    Hier waren Dagmar Dewald und die Main-Post-Reporterin unterwegs:

    "Man muss sich mal vorstellen, wie schön dieser Platz aussehen würde, ohne die vielen parkenden Autos." Sie sieht Potential für ein Stadtteilzentrum, einen Ort, an dem Leute im Sommer gemeinsam draußen sitzen, vor der Kulisse des historischen Nikolaustors. "Wir haben uns daran gewöhnt, wie viel Platz Autos einnehmen, dabei ersticken wir mittlerweile beinahe", so Dewald. Sie will weniger Parkplätze, dafür mehr Zuhause-Gefühl.

    Würzburger sollen sich mit ihrem Stadtteil identifizieren

    Ebenso am gerade fertiggestellten Heidingsfelder Rathausplatz: "Mir ist es wichtig, in den Stadtteilen ein Gefühl von Identifikation zu schaffen", sagt Dewald. Am Rathaus habe man mit dem abgesenkten Bordstein und dem durchgehenden Pflaster das Platzgefühl geschaffen, das dem Altort sonst gefehlt habe, so Dewald. Die Heidingsfelder waren nicht nur begeistert: Der Platz sei zu grau, zu viel Fläche versiegelt, es fehlten Bäume und Pflanzen. "Das stimmt", räumt Dewald ein, "da muss noch mehr passieren."

    Am 2. Januar steht auf dem Heidingsfelder Rathausplatz noch der Weihnachtsbaum – sonst gibt es dort aber wenig Grünes. Foto: Patty Varasano

    Zum "Zuhause-Gefühl" im Stadtteil gehören für Dewald auch Läden in der Nachbarschaft, wie etwa der kleine Kupsch am Heidingsfelder Rathausplatz, oder Spielplätze, wie der Grönert-Spielplatz. "Es ist wichtig, dass wir uns in digitalen Zeiten auch noch persönlich treffen an Orten wie diesem."

    Sie sei in die Politik gegangen, weil ihr gefiel, wie sich die ÖDP für Familien einsetzt. Als Oberbürgermeisterin wolle sie, die selbst Mutter von vier Kindern ist, den beschlossenen Investitionsplan für die Schulen abarbeiten und die freien Träger von Kindertagesstätten stärken. 

    Dagmar Dewald im Gespräch mit Reporterin Carolin Schulte auf dem Grönert-Spielplatz. Foto: Patty Varasano

    Passen Denkmalschutz und Politik für die Zukunft zusammen?

    Leidenschaftlich wird Dewald beim Thema Denkmalschutz: "Niemand mag gesichtslose Bauten, es sind die Altorte, in denen die Menschen ihre Wurzeln spüren." In Heidingsfeld findet sie viel Schützenswertes wie die alte Stadtmauer, das Speierloch, den Zehnthof oder das Nikolaustor. "Um sich historische Gebäude anzuschauen, fahren manchen Menschen in den Urlaub. Wir haben die vor der Haustür."

    Dort, wo die Stadt in den 70er-Jahren für den Autoverkehr umgebaut wurde, will sie alte Strukturen wieder aufbauen. Dass Wähler ihr Engagement für den Denkmalschutz missverstehen könnten, sie eventuell für jemanden halten, der nicht an die Zukunft denkt – die Sorge hat sie nicht. "Wir wollen jetzt hier gut leben und die Weichen für eine Zukunft in der Stadt stellen", sagt Dewald. Erhalten sei nachhaltiger als abreißen. "Rückwärtsgewandt ist die Autopolitik, die wir im Moment machen."

    Außerhalb der Politik beschäftigt sie sich zur Zeit auch viel mit der Vergangenheit: Nach ihrem Abschluss in Theologie und Philosophie im vergangenen Jahr hat Dewald gerade ein zweites Masterstudium begonnen mit dem Titel "Mittelalter und Frühe Neuzeit". 2014 hat sie angefangen zu studieren: "Ich wollte mich weiterentwickeln, während ich mit den Kindern zu Hause war – und gleichzeitig flexibel und für meine Kinder ansprechbar sein", erklärt sie ihre Motivation.

    Dewalds Wahlprogramm auf einem Bierdeckel zusammengefasst: "Mit den Bürgern gemeinsam Würzburgs Zukunft nachhaltig gestalten." Foto: Thomas Fritz

    Oberbürgermeister ist nicht der "Bestimmer"

    Was können Wähler von einer Oberbürgermeisterin Dagmar Dewald erwarten? "Mir ist es wichtig, alle Stimmen zu einem Thema zu hören – vor allem von den Menschen, die sich sonst zurückhalten." Bürgerbeteiligung steht im Wahlprogramm der Partei an erster Stelle.

    Was es bedeutet, eine Leitungsfunktion zu haben, wisse sie aus ihrem Engagement in der Partei, als Sprecherin von Bürgerinitiativen und Ehrenämtern an den Schulen ihrer Kinder. Gute Führung bedeute auch, an einem Entschluss, den man gemeinschaftlich gefasst habe, dran zu bleiben und die Umsetzungen voranzutreiben. "Man ist als OB ja nicht plötzlich der alleinige Bestimmer", sagt sie.

    Dagmar Dewald
    Die ÖDP-Kandidatin Dagmar Dewald ist 54 Jahre alt, Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 14 und 23 und lebt mit ihrer Familie im Frauenland. Bei der katholischen Tagespost arbeitete sie bis zur Geburt ihres ersten Kindes als Journalistin. Während sie Vollzeit als Mutter tätig war, übernahm sie Ehrenämter in Schulen und Kindergärten, setzte sich für verschiedene Bürgerinitiativen ein und arbeitete als freie Journalistin und Lektorin. 2014 nahm sie ein Studium in Philosophie und Theologie auf, das sie 2019 abschloss. Aktuell studiert sie im Masterstudiengang "Mittelalter und Frühe Neuzeit". In der ÖDP ist sie seit 2007.
    Warum Dagmar Dewald in Heidingsfeld war? In der Würzburger Redaktion hat das Los entschieden, welchen Stadtteil die sieben OB-Kandidaten besuchen, um dort über ihre Pläne für die Stadt zu sprechen. Startpunkt ist immer das Rathaus, denn dort möchten die Kandidaten hin. Von dort aus fahren der Politiker und ein Reporter gemeinsam mit öffentlichen Verkehrsmitteln los.

    Welchen Ort in Würzburg Dagmar Dewald besonders gern mag, erfahren Sie im Video:

    Hier lesen Sie die Porträts der anderen OB-Kandidaten:

    In einer früheren Version hieß die Überschrift "Dagmar Dewald träumt von einem autofreien Würzburg". Tatsächlich möchte Dewald sich für weniger Autos in der Stadt einsetzen. All diejenigen, die auf ein Auto angewiesen sind, etwa Senioren oder Eltern mit Kindern, sollen weiter mit dem Auto in die Stadt fahren können, so die ÖDP-Kandidatin. Dass sie von einem "autofreien" Würzburg träume, hat Dewald so nicht gesagt. Wir entschuldigen uns für den falschen Eindruck, der durch diese Überschrift entstanden ist.

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