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    ÖPNV: Was Würzburger Stadträte von Innsbruck lernen können

    Exkursion nach Tirol: OB Christian Schuchardt (4. v. l.) und die Würzburger Delegation wurden nach der Fahrt mit einer Innsbrucker Seilbahn von Schneefall überrascht.  Foto: Thomas Schmitt

    Ins schöne Tirol waren Oberbürgermeister Christian Schuchardt und rund 25 Würzburger Stadträte aller Fraktionen am vergangenen Wochenende gereist. An der durch die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH (WVV) organisierten Exkursion nahmen auch WVV-Geschäftsführer Thomas Schäfer und Stadtkämmerer Robert Scheller teil. Die Fahrt nach Innsbruck war allerdings kein Betriebsausflug, vielmehr wartete auf die Reisegruppe aus Franken ein Arbeitsprogramm. Das Ziel: von Innsbruckern lernen, wie sich der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verbessern lässt. 

    Die Stadträte informierten sich direkt nach der Ankunft bei den Tiroler Verkehrsbetrieben über die regionale Nahverkehrsgestaltung. Am Samstag besichtigten sie Straßenbahnneubaustrecken und Seilbahnen. Zudem diskutierten sie über Radverkehrslösungen und Parkraummanagement. Diese Redaktion befragte die Stadträte, welche Erkenntnisse sie aus Innsbruck mitnehmen.

    In Innsbruck gibt es ein günstiges Jahresticket

    „Innsbrucks Verkehrskonzept gilt besonders hinsichtlich der Tarifgestaltung als vorbildlich“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Matthias Pilz. Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe bieten so zum Beispiel ein Jahresticket für 370 Euro an. Auch in Würzburg läuft dazu die Debatte. Laut Koalitionsvertrag möchte die Landesregierung 365-Euro-Tickets in Würzburg und anderen bayrischen Großstädten einführen.  Jutta Henzler, SPD-Fraktion, meint, die „Jahreskarten sind ein Gewinn für Innsbruck“ und sieht „in Würzburg Handlungsbedarf“.

    „Wir fordern nach wie vor einen umlagefinanzierten fahrscheinlosen Nahverkehr.“
    Stadtrat Sebastian Roth (Linke) 

    Für Sebastian Roth (Linke) stellt das 365 Euro-Ticket nur eine Zwischenlösung dar: „Wir fordern nach wie vor einen umlagefinanzierten fahrscheinlosen Nahverkehr.“ Doch aktuell gebe es nicht einmal das 365-Euro-Ticket. „Wir haben bisher noch nichts Konkretes von der Landesregierung gehört und nehmen Söders Wahlversprechen beim Wort“, so Sebastian Roth.

    Wolfgang Roth, Vorsitzender der CSU-Fraktion verspricht: „Wir wollen noch in diese Wahlperiode einen Meilenstein setzen“. Die CSU wolle sich „in den nächsten Wochen mit der Umsetzung des 365-Euro-Tickets befassen“.

    „Aus Innsbruck nehme ich mit, dass wir uns um die Tarifgestaltung Gedanken machen müssen und eine Straßenbahn in den Würzburger Norden bauen sollten“, erzählt Matthias Pilz. Die Straßenbahntrasse soll über die Lindleinsmühle nach Versbach verlaufen. Linken-Stadtrat Roth möchte Druck aufbauen: „Die mutige Entscheidung in Innsbruck, viel Geld in die Straßenbahn zu investieren, hat sich ausgezahlt. Wir müssen die Straßenbahnlinie nach Versbach weiter verfolgen.“

    Einzelhändler in Innsbruck gegen Parkplätze

    In Tirol gab es für die Besucher aus Würzburg auch Überraschungen. „Wir haben in Innsbruck die interessante Erfahrung gemacht, dass Einzelhändler einen Abbau von Oberflächenparkplätzen gefordert haben“, erzählt ÖDP-Fraktionsvorsitzender Raimund Binder. In Würzburg hingegen befürchtet der Einzelhandelsverband einen Umsatzrückgang, wenn Innenstadtparkplätze abgebaut werden. Das Parken in Innsbruck ist deutlich teurer als in Würzburg, größtenteils sind die Parkhäuser in privater Hand.

    „Die Innsbrucker kochen auch nur mit Wasser“, sagt Joachim Spatz (FDP/Bürgerforum). Allerdings seien die Genehmigungsverfahren in Österreich deutlich kürzer. „Darüber sollten wir vielleicht mal nachdenken“, fordert Fraktionsvorsitzender Spatz.

    Seilbahnen in Würzburg?

    In der Folge der Innsbruck-Reise dürfte nun auch wieder ein Seilbahnbau in Würzburg ein Thema sein. „Innsbruck hat sich durch die Seilbahn verschuldet“, sagt Stadträtin Jutta Henzler (SPD). In Innsbruck wird diese Woche über die Amtsenthebung von Vizebürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer abgestimmt. Sie soll für die Kostenexplosion beim Bau der Patscherkofelbahn verantwortlich sein. Das Seilbahnprojekt kostete bereits 60 Millionen Euro, nur 41 Millionen waren veranschlagt.

    CSU-Fraktionschef Wolfgang Roth hofft dagegen weiter auf Seilbahnen in Würzburg. „Da die Betriebskosten einer Seilbahn günstig sind, sollten wir Seilbahnkonzepte weiterverfolgen.“

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