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    Würzburg

    ÖPNV in Würzburg: Soll mehr Geld in weitere Straßenbahnlinien fließen?

    Die Stadt Würzburg hat Rücklagen für den Ausbau von Straßenbahn-Baumaßnahmen gebildet. Viele Parteien begrüßen diese Strategie. Foto: Daniel Peter

    Die Beratungen des Stadtrats über den Haushalt 2020 werden an diesem Donnerstag starten. Schon vorab ist bekannt, welche Themenbereiche besonders berücksichtigt werden sollen. Dieses Jahr haben auch wieder Parteien die Möglichkeit, Anträge zu stellen. Über den Klimaschutz und vermeintlich verschwendete Gelder ging es im ersten Teil der "Wunschliste". Weitere wichtige Themenbereiche sind der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) und die Stadtentwicklung. Was fordern die Parteien?  

    Die Stadt hat für den Bau der Straßenbahnlinie 6 rund 17 Mio. Euro an Rücklagen. Sollte auch für andere ÖPNV-Maßnahmen Geld zurückgelegt werden?

    Wolfgang Roth, CSU-Fraktionsvorsitzender, und Joachim Spatz, Fraktionsvorsitzender FDP/Bürgerforum-Fraktion, sind sich in diesem Punkt einig: Eine Rücklagenbildung für Projekte mache dann Sinn, wenn eine konkrete Maßnahme in absehbarer Zeit zur Umsetzung kommt.

    Die SPD-Stadtratsfraktion ist der Meinung, die 17 Millionen Euro seien richtig angespart. In der Folge soll aus der Sicht der Partei aber schnellstmöglich die Straßenbahn nach Versbach und Lengfeld angegangen werden.

    Fraktionsvorsitzende Barbara Lehrieder (Bündnis90/Die Grünen) findet: "Weitere ÖPNV-Rücklagenbildungen wären für neue Straßenbahnwagen und eine weitere Linie in den Norden wünschenswert, aber aus dem Haushalt 2020 nicht zu leisten."

    Bei der Würzburger Liste gibt es kritische Töne vom Fraktionsvorsitzenden Jürgen Weber. Genau gelesen stehe im Haushaltsentwurf bezogen auf Rücklagen nur der Begriff Straßenbahnmaßnahmen. "Es ist dem Bürger Sand in die Augen gestreut, auch durch den Oberbürgermeister, wenn immer wieder behauptet wird, die Finanzierung der Straßenbahnlinie 6 sei gesichert", so Weber.

    Die ÖDP Fraktion hat für das Parkraummanagement und für die Park & Ride-Beschilderung Gelder beantragt. Andere ÖPNV Maßnahmen, zum Beispiel für einen Busspuren-Antrag der Partei, könnten mit den vorhandenen Mitteln umgesetzt werden, meint Fraktionsvorsitzender Raimund Binder.

    Die Linie 6 ist laut Josef Hofmann (FWG) ein außergewöhnlich wichtiges Projekt und mit einem dreistelligen Millionenbetrag auch entsprechend kostenintensiv. Es besitze unbedingte Priorität.

    Für Die Linke sind die Planungen für eine Straba nach Versbach und Lengfeld wichtig. "Hierfür sind Gelder notwendig, aktuell überschaubar, jedoch wird mittelfristig daraus auch ein Finanzbedarf erwachsen", so Sebastian Roth.

    "Rücklagen für ÖPNV-Maßnahmen sind erforderlich für die Planung einer Straßenbahn nach Versbach und konkrete Planungen von P&R Parkplätzen sowie für einen Umbau der Greinbergknotens zu einer ÖPNV-Drehscheibe mit Straßenbahnanschluss und Busverkehren", meint Wolfgang Baumann (ZfW).

    Welche Aspekte der Stadtentwicklung sollten stärker berücksichtigt werden?

    Der CSU-Stadtratsfraktion ist es unter anderem wichtig, dass dringende Fragen im Bereich der Stadtteile gelöst werden. Jeder Stadtteil solle über ein Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) analysiert und aufgewertet werden. Die ÖDP-Fraktion hat Mittel für ein sogenanntes Quartiersmanagement beantragt. Damit "die Stadtteile nicht vergessen werden", so Raimund Binder.

    "Der Ankauf und die Entwicklung der ehemaligen Faulenbergkaserne hat für die SPD-Stadtratsfraktion höchste Priorität. Bislang wurde diese Entwicklung verschlafen", meint Alexander Kolbow.  Auf dem Gelände soll zukünftig bezahlbarer Wohnraum, Gewerbe und Kultur seinen Platz finden.

    Um die 50 Menschen demonstrierten Mitte Oktober gegen die Wohnungsnot in Würzburg. Für bezahlbaren Wohnraum möchten sich auch mehrere Parteien einsetzen. Foto: Daniel Peter

    Der Ausbau barrierefreier Haltestellen muss laut Barbara Lehrieder (Bündnis90/Die Grünen) wesentlich beschleunigt werden. "Auch der Gehweg am Stadtstrand soll barrierefrei umgebaut werden", teilt sie mit.

    Joachim Spatz (FDP/Bürgerforum) spricht in der Hinsicht das Smart-City-Konzept an. Die städtischen Mittel, die für die Teilnahme am Bundesförderprogramm geplant waren, sollten für die eigene Weiterbearbeitung zur Verfügung stehen.

    Die FWG sieht unter anderem ebenfalls im bezahlbaren Wohnraum und in der Begrünung, dort wo möglich und sinnvoll, Schwerpunkte. Zudem sollten schlüssige Konzepte für das Park & Ride im Einklang mit dem ÖPNV geschaffen werden. Für die Begrünung der Stadt und Verbesserung des ÖPNV will sich auch Wolfgang Baumann (ZfW) einsetzen.

    Sebastian Roth (Die Linke) möchte, dass die städtische Tochter "Stadtbau" günstig Grundstücke erhält, um bezahlbaren Wohnraum für Würzburg schaffen zu können. "Daneben werden wir Gelder für die Planung von Busspuren und für Kulturzonen benötigen", so Roth. Unter anderem fordert er die Errichtung von zwei Openairbühnen im Ringpark.

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