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    TAUBERRETTERSHEIM

    Öchsner-Villa: Schlusspunkt unter leidige Affäre

    In exponierter Lage über einem bestehenden Siedlungsgebiet wurde die umstrittene Villa im ehemaligen Landschaftsschutzge... Foto: GERHARD MEISSNER

    Knapp drei Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche, die im Jahr 2000 aus dem Landschaftsschutzgebiet „Täler der Tauber, Gollach, Steinach und umgebende Wälder“ herausgenommen wurden, sollen ihren alten Schutzstatus zurück erhalten.

    Nicht mit Ruhm bekleckert

    Das beschloss der Umweltausschuss des Kreistags in seiner jüngsten nichtöffentlichen Sitzung und folgte damit einem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Der Kreistag will damit den Schlusspunkt hinter eine Affäre setzen, in der sich weder das Kreisbauamt noch Tauberrettersheims Bürgermeister Hermann Öchsner mit Ruhm bekleckert haben.

    Gegen die Empfehlung der Unteren Naturschutzbehörde und des Bund Naturschutz hatte der Kreistag vor 17 Jahren eine 3,8 Hektar große Fläche aus dem rund 2000 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet herausgelöst worden, weil es Pläne eines Investors gab, am Hang des Taubertals eine Seniorenresidenz zu errichten.

    Im Gegenzug wurden zwar 4,05 Hektar an anderer Stelle neu ins Schutzgebiet einbezogen. Trotzdem sorgte die Entscheidung schon damals für kontroverse Diskussionen, weil etliche Tauberrettersheimer hinter dem Angebot eine Luftnummer vermuteten und zudem ein Großteil der Fläche dem Bürgermeister Hermann Öchsner gehörte.

    Keine Seniorenresidenz

    Am Ende überwog aber die Aussicht auf Arbeitsplätze und betuchte Steuerzahler in der kleinen Taubergemeinde die Vorbehalte der Naturschützer. Dann aber ließ der Investor seine Pläne tatsächlich fallen. Aus der noblen Seniorenresidenz wurde nichts. Die Fläche wurde trotzdem nicht wieder ins Schutzgebiet einbezogen.

    Das Thema geriet in Vergessenheit, bis die Tochter des Bürgermeisters im Jahr 2013 den Bau eines Wohnhauses im toskanischen Stil auf dem exponierten Gelände über dem Taubertal beantragte. Weil dies außerhalb von Baugebieten nur für privilegierte Bauvorhaben – etwa landwirtschaftliche Gebäude – möglich ist, machte sie der Bauverwaltung am Landratsamt glaubhaft, dass sie Pferde auf dem Grundstück halten wolle. Unter der Maßgabe, dass neben der Villa ein Pferdestall errichtet wird, wurde der Bauantrag schließlich genehmigt.

    Nicht für Pferde geeignet

    Pferde grasen dort bis heute nicht, obwohl die Villa längst bezogen ist. Und auch das Nebengebäude taugt nach Ansicht eines Amtstierarztes eher für die Unterbringung motorisierter Pferdestärken als für leibhaftige Rösser.

    Inwieweit die geplante Pferdehaltung nur eine Finte war, um an ein Baugrundstück in attraktiver Lage zu kommen, konnte auch das juristische Nachspiel nicht klären, das im Februar dieses Jahres in einem Prozess vor dem Würzburger Amtsgericht gegipfelt war.

    Das Landratsamt hatte zuvor einen Bußgeld von insgesamt 5000 Euro ausgesprochen, gegen das die beiden Bauherren vor den Kadi gezogen waren. Am Ende reduzierte der Richter das Bußgeld auf 500 Euro und stellte auch der Genehmigungspraxis des Kreisbauamts ein schlechtes Zeugnis aus.

    Flächen zurück ins Schutzgebiet

    Die Fraktion der Grünen hatte wenig später beantragt, wenigstens die noch nicht bebauten Flächen wieder ins Schutzgebiet einzubeziehen. Inzwischen hat aber auch die Gemeinde Tauberrettersheim vollendete Tatsachen geschaffen und einen Streifen am Nordrand des früheren Landschaftsschutzgebietes zu Bauland gewidmet.

    Der Bebauungsplan „Bildacker“ ist rechtskräftig, wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt. Auf dem rund 250 Meter langen und 25 Meter breiten Areal ist Platz für sieben Wohnhäuser.

    Keine Baugebiete

    Übrig bleiben 2,96 Hektar, die nun wieder Teil des Schutzgebiets werden sollen. Die Flächen dürfen wie bisher landwirtschaftlich genutzt werden. Die Errichtung von Gebäuden bleibt allerdings untersagt. Und auch eine Ausweisung von Baugebieten sei im Landschaftsschutzgebiet nicht zulässig, so die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt auf Anfrage der Redaktion.

    Inzwischen hat sich auch der Naturschutzbeirat des Landkreises mit dem Thema befasst und gefordert, das Landschaftsbild zu erhalten und auch künftig keine weitere Bebauung hangaufwärts zuzulassen.

    In der Siedlungsentwicklung behindert

    Die Gemeinde fühlt sich dadurch in ihrer künftigen Siedlungsentwicklung behindert. Weil sich der Ort im Überschwemmungsgebiet der Tauber nicht weiter ausdehnen kann, sei eine weitere Entwicklung nur auf den Flächen möglich, die jetzt wieder unter Schutz gestellt werden.

    Grünen-Fraktionschef Christoph Trautner sieht sich in der Entscheidung des Umweltausschusses bestätigt. „Wir sind froh, dass der Antrag durchgegangen ist“, sagt er. „Die Landschaft im Taubertal ist ein Schmuckstück, das man erhalten sollte, davon profitieren auch die Tauberrettersheimer.“

    Warum nichtöffentlich?

    Ein Rätsel sei ihn allerdings, warum die Ausschussberatung in nichtöffentlicher Sitzung stattgefunden habe. Das wird sich ändern, wenn das Umweltamt die überarbeitete Schutzgebietsverordnung vorgelegt hat. Darüber nämlich muss der gesamte Kreistag in öffentlicher Sitzung entscheiden.

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