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    GREUßENHEIM

    Ökolgischer Landbau im Dialog

    Über 450 Biobauern, Studierende und landwirtschaftlich interessierte Besucher folgten der Einladung von Bioland und der Maschinenfabrik Schmotzer aus Bad Windsheim nach Greußenheim.

    Zum dritten Feld- und Hacktag hatten Bioland, der bedeutendste Verband für ökologischen Landbau in Deutschland, sowie die Maschinenfabrik Schmotzer auf den Bioland Hof von Pierre Ramnik in Greußenheim eingeladen.

    Sehr viele Besucher

    „Der Feldtag unterstreicht das große Interesse am ökologischen Landbau“, betonte Pierre Ramnick (43) bei der Eröffnung. Er zeigte sich von der großen Besucherzahl beeindruckt. „Der Ökologische Landbau braucht viel Erfahrung, Fachwissen, gute Partner und einen fließenden Erfahrungsaustausch.“ Der Gastgeber hat im Jahr 2004 zusammen mit seinem Vater Norbert den Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt und bewirtschaftet heute 350 Hektar mit viel Herzblut für den ökologischen Landbau.

    Wie viele Teilnehmer des Feldtages kämpft er sich durch die Überraschungen, die ein ökologischer Ackerbau ab und zu parat hält, und deren nötige Lösungen sich nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln lassen. Insbesondere der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche Düngemittel sei eine Herausforderung und nur mit vielen verschiedenen Maßnahmen und Arbeitsschritten, die teilweise über viele Jahre ineinandergreifen, zu lösen.

    Wirtschaften nach Bioland-Richtlinien

    Bioland ist der bedeutendste Verband für ökologischen Landbau in Deutschland. Über 6000 Landwirte, Gärtner und Winzer wirtschaften nach den Bioland-Richtlinien. Seit 47 Jahren entwickeln die Bioland-Mitglieder eine ökologisch, ökonomisch und sozial verträgliche Alternative zur konventionellen Landwirtschaft. Die Basis bilden die „Sieben-Bioland-Prinzipien“ für die Landwirtschaft der Zukunft: Im Kreislauf wirtschaften, Bodenfruchtbarkeit fördern, Tiere artgerecht halten, wertvolle Lebensmittel erzeugen, biologische Vielfalt fördern, natürliche Lebensgrundlagen bewahren, Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern.

    Zuverlässige Partner nötig

    Durch den Verzicht von chemisch-synthetischem Stickstoffdünger, Pestizide und Hormone braucht der Biobauer einen zuverlässigen Partner zur mechanischen Unkrautbekämpfung rund um die Nutzpflanze. Die Maschinenfabrik Schmotzer aus Bad Windsheim engagiert sich seit vier Jahrzehnten in der mechanischen Unkrautregulierung im Ackerbau, vermehrt zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Biobetriebe.

    Mit Ferdinand Wahl, Geschäftsführer Maschinenfabrik Schmotzer und Manfred Weller, Bioland Berater teilten zwei Urgesteine im Bereich Hacktechnik und biologischen Landbau ihre Erfahrung und Begeisterung mit den Teilnehmern.

    Ferdinand Wahl - Hacken ist Trumpf

    Ferdinand Wahl ist überzeugt: Hacken beseitigt nicht nur chemiefrei Unkraut, sondern fördert auch das Wurzelwachstum der Nutzpflanze durch Bodenbelüftung und Mineralisation. Mit der Kamerasteuerung erfährt die Hackmaschine eine neue Schlagkraft, die notwendig ist, um im oft knappen wetterbedingten Zeitfenster effektiv das Unkraut zu bekämpfen und mit verbesserter Technik in dreifacher Arbeitsgeschwindigkeit den Boden zu bearbeiten.

    Rede und Antwort auf dem Feld

    Manfred Weller von Bioland stand mit seinem Team nicht nur im Rahmen seines Vortrages, sondern auch auf dem Feld mit seinem Erfahrungsschatz Rede und Antwort. Beherrschendes Thema auch hier die mechanische Unkrautregulierung.

    Weller ging auch auf die Unterschiede der Bodenbiologie im konventionellen und biologischen Landbau ein. Mit Hilfe natürlicher Faktoren wie eine ausgewogene und sinnvolle Fruchtfolge und mechanische Unkrautbekämpfung oder Untersaat könne bodenschonend und vor allem ohne Chemie erfolgreich und unkrautfrei geerntet werden. „Letztlich“, berichtet Weller, „gibt es ja mittlerweile schon Unkräuter wie der Ackerfuchsschwanz, die Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel aufgebaut haben und somit chemisch gar nicht mehr bekämpft werden können.

    Moderne Technik als Partner des Ökologischen Landbau.

    Michael Mayr hatte in seinem Vortrag seinen Schwerpunkt auf die Okio Kamera gelegt. Als Entwickler von Schmotzer erläuterte er die Vorteile dieser Technik. „Die Kamera“, so Mayer, „sieht die Reihe auch bei flächiger Begrünung, was bisherige Kamerasysteme nicht erreichen, da diese nur nach Farbe braun und grün unterscheiden können.“ Wie Mayer betonte, erkennt Okio die Nutzpflanze an ihrer Farbe und der Blattform. Nagelneu hat Entwickler Mayr den Neigungssensor und den Aushubsensor zur Entlastung des Fahrers am Seitenhang den Teilnehmern vorgestellt.

    Faszination ökologischer Landbau

    Nicht nur die Veranstalter zeigten sich zufrieden - auch Marina Auchter (23) aus Aalen (Baden Württemberg) war begeistert. Auchter studiert an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und kann sich gut vorstellen, den Betrieb ihrer Eltern zu übernehmen. Zusammen mit ihrem Vater hat sie sich entschlossen, den Betrieb von Konventioneller Landwirtschaft auf Ökologischen Landbau umzustellen. „Bei uns geht es relativ einfach“, erzählt Auchter begeistert. Der Betrieb habe Milchkühe und überwiegend Grünland. Ökologischer Landbau und Konventioneller Landbau sind Schwerpunkte in Triesdorf.

    Auch Sonja Held (22) aus Ulm war Teilnehmerin der Exkursion aus Triesdorf und mit ihren 34 Kommilitonen zum Feldtag angereist. Sie ist in die Landwirtschaft hineingewachsen und sieht hier auch ihre Zukunft. Ihre Eltern bewirtschaften einen Schweinemastbetrieb. „Mein Vater hat erst vor sieben Jahren einen neuen Schweinemaststall gebaut.“ Hier haben ihre Eltern sehr viel investiert, berichtet Held. Für die Umstellung des Betriebes müssten ihre Eltern die vorhandenen Ställe nach den Richtlinien mit Freilauf für die Tiere umbauen. „Eine Umstrukturierung des Betriebes nach so kurzer Zeit würden wir finanziell nicht überleben.“ Trotzdem ist Sonja Held davon überzeugt, dass es im Dialog funktionieren wird – „die konventionelle Landwirtschaft ist nicht so schlecht wie sie gemacht wird.“

    Begeistert waren auch die Besucher aus dem Burgenland und aus Ober-Österreich sowie Vertreter der Zuckerrübenforschungsanstalt Zöllighofen in der Schweiz.

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