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    Obereisenheim

    Obereisenheim: Wie es zur Feuertaufe vor 150 Jahren kam

    Die Kinder von Georg Ender lieben Geschichten. Und diese wahre Geschichte, die der Vater den beiden nun erzählte, blieb bei ihnen ganz besonders in Erinnerung.
    Vater Georg Ender erzählt seinen Kindern Rosa und Toni, was genau vor 150 Jahren von diesem Fenster aus passierte und stellte diese Szene mit ihnen nach.
    Vater Georg Ender erzählt seinen Kindern Rosa und Toni, was genau vor 150 Jahren von diesem Fenster aus passierte und stellte diese Szene mit ihnen nach. Foto: Rainer Weis

    Georg Ender, Vater von Toni und Rosa, hatte zum Jahresende für seine Kinder ein eigenes Kinderzimmer eingerichtet und seitdem erzählt er ihnen jeden Abend eine Geschichte. Doch als jüngst der zehnjährige Toni über die Dächer hinweg einen Blick nach draußen warf, wollte er von seinem Papa wissen, wer wo in welchem Haus wohnt. Und wie durch einen Zufall ergab es sich, dass Ender wenige Stunden zuvor beim Kramen in alten Feuerwehrunterlagen, die er zum Erstellen einer Chronik durchsucht hatte, seinen Kinder eine besondere Geschichte erzählen konnte.

    Denn in den Originalaufzeichnungen aus dem Jahre 1869 hatte er gelesen, dass die hiesige Feuerwehr in diesem Jahr gegründet wurde, nachdem die Gemeinde vom königlichen Bezirksamt hierzu aufgefordert worden war. Eine Anzahl Männer wurden anschließend von der Wichtigkeit einer geordneten Feuerwehr und der Möglichkeit einer solchen Wehr genügend überzeugt. Am 3. Oktober 1869 hatten sich 42 Personen hierfür interessiert und am 17. Oktober wurde die Wahl des "Verwaltungsrats" vorgenommen: Vorstand und Schriftführer Candor Treuheit, Hauptmann Tobias Jung, Cassier und Adjutant Christoph Dietrich, Zeugwart Andreas Lauer, Führer der Steiger Friedrich Riegler, Führer der Retter Johann Schille und Führer der kleinen Spritze Friedrich Stinzing.

    Löscharbeiten aus dem heutigen Kinderzimmer

    Weiter erzählte Vater Georg, dass mit Wende- und Marschübungen "mit regem Eifer" die ersten Übungen betrieben wurden. Gleichzeitig habe sich innerhalb der Feuerwehr ein Liederkranz von rund 30 Mitgliedern gebildet, der noch heute besteht und ein eigenes Vereinsleben führt.     

    Mit einem Blick nach draußen auf die gegenüberliegende Scheune zeigend erzählte er, dass die Feuerwehr am 6. Januar 1870 nachts um 22.30 Uhr ihre erste örtliche Feuertaufe hatte, denn die Scheune brannte lichterloh. Bei dieser Aktion wurden sowohl von der Straße, als auch aus dem heutigen Kinderzimmer die Löscharbeiten durchgeführt. Dazu hatten die Männer unter Führung von Friedrich Stinzing die "kleine Spritze" in den zweiten Stock des Reich'schen Wohnhauses - Reich ist der Mädchenname der Mutter- transportiert, um von hier aus die Feuersbrunst zu bekämpfen und angrenzende Gebäude zu schützen.

    Faszinierte Kinder 

    So gelang es ihnen, den Brand schnell zu löschen. Was ihnen und der ganzen Wehr viel Lob und Anerkennung nicht nur im Ort, sondern ringsum einbrachte. Davon waren die beiden Kinder Toni und Rosa so fasziniert, dass sie immer weitere Geschichten anforderten.

    "Meine Kinder hatten schon immer eine ausgeprägte Affinität zur Feuerwehr. Denn zum einen bin ich aktiv in der Wehr tätig und außerdem bin ich auch noch Schriftführer im Feuerwehrverein", sagt Georg Ender. Dass jetzt zudem noch die Geschichte mit dem 1870er Brand hinzukommt, habe die Sache bei ihnen nur noch bekräftigt. "Außerdem freuen sie sich schon auf das Feuerwehrfest am 16. und 17. Mai mit Festumzug, an den meine Kinder vielleicht Täfelchen mit den Ortsnamen tragen dürfen."

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