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    Ochsenfurt

    Ochsenfurt: Kandidaten zeigen in der Wahlarena klare Kante

    Bei der Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten wurde angeregt gestritten - unter anderem über die Zukunft Ochsenfurts und über den Führungsstil im Rathaus.
    Die drei Bewerber um das Ochsenfurter Bürgermeisteramt vor ihrem Auftritt in der Main-Post-Wahlarena. Im Bild von links Moderator Thomas Fritz, Rosa Behon (CSU), Peter Juks (UWG), Joachim Eck (SPD) und Moderatorin Claudia Schuhmann.
    Die drei Bewerber um das Ochsenfurter Bürgermeisteramt vor ihrem Auftritt in der Main-Post-Wahlarena. Im Bild von links Moderator Thomas Fritz, Rosa Behon (CSU), Peter Juks (UWG), Joachim Eck (SPD) und Moderatorin Claudia Schuhmann. Foto: Fabian Gebert

    Es ging mächtig zur Sache in der Main-Post-Wahlarena der Ochsenfurter Bürgermeisterkandidaten. Die Bebauung des Oberen Dümmersbergs und der Führungsstil im Rathaus waren die Themen, bei denen sich Amtsinhaber Peter Juks (UWG) und seine Herausforderer Rosa Behon (CSU) und Joachim Eck (SPD) besonders heftig in den Haaren lagen. Keine leichte Aufgabe für die beiden Main-Post-Redakteure Claudia Schuhmann und Thomas Fritz, die den Abend moderierten; um so mehr die Garantie für einen lebhaften und informativen Schlagabtausch vor rund 350 Besuchern in der nahezu voll besetzten TVO-Halle.

    Dass Juks sie und den SPD-Fraktionssprecher im vergangenen Herbst bei einer Versammlung von Anliegern am Dümmersberger Pfad nicht dabei haben wollte, hat Rosa Behon dem Bürgermeister bis heute nicht verziehen. Es ging um Gespräche über ein geplantes kleines Baugebiet zwischen Kniebreche und Friedhof.

    Trennung zwischen Stadtrat und Verwaltung

    Dass es Aufgabe von Bürgermeister und Verwaltung sei, mit den Eigentümern zu verhandeln, stellte Juks klar. Hier seien die Aufgaben klar getrennt: Der Stadtrat fasst die Beschlüsse, der Bürgermeister setzt um. Wenn Stadträte immer wieder ins operative Geschäft eingreifen, behindere das nur. Erwartungsgemäß teilen Behon und Eck diese Auffassung nicht. Man müsse Stadträten die Möglichkeit geben, sich aus erster Hand zu informieren, sagt SPD-Kandidat Eck.

    Die Erfolge seiner ersten Amtszeit darzustellen, war das Bestreben von Peter Juks. 
    Die Erfolge seiner ersten Amtszeit darzustellen, war das Bestreben von Peter Juks.  Foto: Fabian Gebert

    Das Baugebiet am Dümmersberger Pfad ist eines von mehreren kleinen Baugebieten, die in kommender Zeit auch in allen Ortsteilen entstehen sollen. Der große Wurf - Wohnraum für bis zu 1400 Bürger - ist jenseits der Hangkante am Oberen Dümmersberg geplant. Für dessen Erschließung hält Peter Juks ein Paket zusammen mit der Erweiterung des Gewerbegebiets Hohestadt und dem Bau einer südlichen Erschließungsstraße für unabdingbar.

    Rosa Behon und Joachim Eck kritisieren, dass der neue Stadtteil dadurch isoliert von der Altstadt entstünde - eine Trabantenstadt. Stattdessen sollte der Dümmersberg zunächst nur über die Lehmsteige erschlossen werden. "Die Südspange ist verzichtbar", sagt Eck, "sollte sie einmal nötig werden, kann man immer noch drüber nachdenken."

    "Die Südspange ist verzichtbar; sollte sie einmal nötig werden, kann man immer noch drüber nachdenken."
    Joachim Eck (SPD)

    Peter Juks widerspricht. Am Oberen Dümmersberg solle abschnittsweise Wohnraum für die kommenden zwei Generationen geschaffen werden, und zwar gemäß dem Grundsatzbeschluss des Stadtrats, von der Hangkante beginnend. "Wenn es die CSU anders sieht, hätte sie bei der Grundsatzentscheidung nein sagen müssen", so Juks.

    "Es ist eine Gratwanderung zwischen Innenentwicklung und Baulandausweisung", sagt Juks weiter.  Trotzdem sind sich seine Herausforderer einig, dass für die Altstadt zu wenig getan werde. Die Stadt brauche eine eigene Beratungsstelle, die Hausbesitzer und Kaufinteressenten auch über Fördermöglichkeiten informiert, sagt Behon. Eck schlägt vor, eigens dafür einen Mitarbeiter im Bauamt einzustellen.

    Rosa Behon (CSU) griff Peter Juks wegen dessen Nebentätigkeit in seinem Zimmereibetrieb an.
    Rosa Behon (CSU) griff Peter Juks wegen dessen Nebentätigkeit in seinem Zimmereibetrieb an. Foto: Fabian Gebert

    Die Belebung der Altstadt ist ein Thema, das schon Generationen von Stadträten beschäftigt hat. Ochsenfurt sei da vom gleichen Strukturwandel ergriffen, wie viele andere Kleinstädte, so Peter Juks. "Wir müssen den Wunsch begraben, dass wir wieder ein großes Modegeschäft oder großflächigen Einzelhandel in die Altstadt bekommen", sagt er. Stattdessen sieht er den Tourismus weiterhin als wichtigste Stütze für die Bewältigung dieses Strukturwandels.

    "Wir müssen den Wunsch begraben, dass wir wieder ein großes Modegeschäft oder großflächigen Einzelhandel in die Altstadt bekommen."
    Peter Juks (UWG)

    Dass man dabei mehr auf die hohe Zahl von Radtouristen setzen sollte, meint Joachim Eck. An deren bevorzugtem Einfallstor am Radweg von Marktbreit kommend, fehle es noch immer an Hinweisen auf die Altstadt. Anlass für Moderatorin Claudia Schuhmann, die schon lange diskutierte Gestaltung des Mainufers anzumahnen.

    Peter Juks hält entgegen, dass in den vergangenen Jahren der westliche und südliche Stadtgraben umgestaltet worden sei. Nach dem Ende der Bauarbeiten an der Neuen Mainbrücke und - nach zähen  Verhandlungen - dem Erwerb der Mainländebahn-Trasse, sei nun die Mainseite an der Reihe. Die Etablierung des Brückenschoppens an der Alten Mainbrücke sei immerhin ein erfolgreicher erster Schritt. Für Rosa Behon folgen den hehren Zielen zu wenig Taten. "Wir machen viele Pläne, aber an der Umsetzung hapert es", sagt sie, "es wäre besser, einen Schritt nach dem anderen zu machen."

    Im persönlichen Gespräch auf dem Sofa outete sich Joachim Eck als geborener Optimist.
    Im persönlichen Gespräch auf dem Sofa outete sich Joachim Eck als geborener Optimist. Foto: Fabian Gebert

    Einig sind sich die Kandidaten in der Unterstützung für die Hotel- und Hallenpläne von Investor Joachim Beck am Flockenwerk. "Ich stehe voll hinter dem Vorhaben" sagt Rosa Behon. "Die ganze Altstadt wird von dieser Entwicklungsachse profitieren", ist Peter Juks überzeugt. Und Joachim Eck hofft auf die Möglichkeit, im Sanierungsgebiet Weststadt weitere Gebäude zu Wohnungen zu entwickeln.

    "Wir machen viele Pläne, aber an der Umsetzung hapert es; es wäre besser, einen Schritt nach dem anderen zu machen."
    Rosa Behon (CSU)

    Von der Zukunft der städtischen Finanzen über die Entwicklung der Ortsteile bis zu Maßnahmen gegen den Klimawandel bleibt kaum ein kommunalpolitisches Thema unberührt. Abwechslung ins mehr als dreistündige Polit-Menü bringt das Bilderrätsel, bei der die drei Bewerber in Dalli-Klick-Manier die Ortsteile erraten mussten, und die Zwiegespräche in der Couch-Runde.

    Dort erfährt Moderatorin Claudia Schuhmann von Peter Juks, dass er nach seinem Zusammenbruch in der Adventszeit und einer Operation an der Herzklappe wieder vollständig genesen sei. "Das hatte nichts mit Stress und Belastung zu tun, sondern mit einem kleinen Loch in der Herzklappe." Joachim Eck outet sich als geborener Optimist und Teamplayer mit Führungserfahrung, dem es besonders wichtig ist, sich in die Perspektive seines Gegenübers zu versetzen. 

    Die Nebentätigkeit des Bürgermeisters

    Rosa Behon bekennt Moderator Thomas Fritz, wie sehr es sie freuen würde, als erste Bürgermeisterin in die Stadtgeschichte einzugehen, nachdem sie als Stellvertreterin erfahren hat, wie spannend und fordernd zugleich das Amt sei. "Darum verstehe ich nicht, dass Bürgermeister Juks neben seinem Amt auch noch seine Firma führen kann", ergänzt sie und lässt damit zu vorgerückter Stunde das Publikum aufhorchen.

    Als Ex-UWG-Stadtrat Heiner von Zobel bei der abschließenden Publikumsdiskussion die Frage an Rosa Behon richtet, wie ein selbständiger Unternehmer sonst kommunalpolitisch Verantwortung übernehmen soll, rückt die vom Stadtrat genehmigte Nebentätigkeit des Bürgermeisters in seinem Zimmereibetrieb in den Mittelpunkt. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister habe Peter Juks beteuert, sich aus seiner Firma zurückzuziehen und sich zu hundert Prozent dem Amt als Bürgermeister zu widmen. Es sei eine Frage der Ehrlichkeit, zu diesen Aussagen zu stehen, so Behon.

    Juks nimmt den Fehdehandschuh auf und stellt klar, dass er sein Arbeitspensum als Bürgermeister von manchmal über 80 Wochenstunden gerne bewältige. "Ich bin der Meinung, ich mache meinen Job zu hundert Prozent", so Juks. Für die Zimmerei, die von einem Meister und seiner Ehefrau geleitet werde, und deren Mitarbeiter fühle er sich trotzdem mitverantwortlich. "Aber dann wurde der ehrliche Weg, nämlich die Nebentätigkeit anzuzeigen, bestraft."

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