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    Reichenberg

    Ortsschild versetzt: Notwendig oder "Schildbürgerstreich"?

    Ärgernis für die Anwohner: Das Reichenberger Ortsschild wurde um etwa 50 Meter in Richtung Ort versetzt. Foto: Konrad Lochner

    Die Anwohner sind sauer: Das Ortsschild von Reichenberg, aus Kist kommend, wurde etwa 50 Meter in Richtung Ortsmitte versetzt. Das sei nicht nachvollziehbar, schreiben Konrad und Apolonia Lochner in einem Brief an diese Redaktion. Damit hätten Autofahrer in Richtung Kist schon viel früher die Möglichkeit, aufs Gaspedal zu drücken. "Die hierbei erzeugten Lärmpegel und Abgase, verbunden mit Feinstaub, gehen zu Lasten der Anwohner im Guttenberger Grund gleich nebenan", heißt es in dem Brief.

    Insbesondere der durch die Motorbremsen von Lkws erzeugte und "bis an die Unerträglichkeit gehende Lärm und die hierbei erzeugten Abgase" seien eine Zumutung und stellten eine hohe Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. "An einen erholsamen und gemütlichen Aufenthalt auf den Terrassen ist nicht zu denken", so Konrad Lochner.

    Ohne Versetzen der Ortstafel kein Tempolimit

    Veranlasst wurde die Versetzung des Ortsschildes von der Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt Würzburg. Hintergrund ist laut Fachbereichsleiter Norbert Hart eine Geschwindigkeitsbegrenzung im Guttenberger Forst. Verantwortliche der Gemeinden Kist und Reichenberg hätten mehrfach wegen einer Geschwindigkeitsbegrenzung angefragt.

    Um eine Lösung zu finden, die der Straßenverkehrsordnung (StVO) gerecht wird, habe sich die Unfallkommission des Landkreises Würzburg intensiv mit dem Thema beschäftigt, sagt Hart. Dabei sei aufgefallen, dass es auf der Strecke schon mehrere Wildunfälle gegeben habe, und dass die "Ortstafel von Reichenberg zu weit weg von der Ortschaft" stünde. Laut StVO muss diese dort stehen, wo die Bebauung beginnt. Das tat sie aber nicht.

    Deshalb, und wegen des geforderten Tempolimits, habe man das Schild Richtung Reichenberg versetzt. Jetzt haben Fahrer eine eingeschränkte Sicht auf das Schild, das auf 100 Meter nicht einsehbar sein darf. Nur dann sei gerechtfertigt, die Geschwindigkeit an dieser Stelle zu reduzieren. Fazit: Ohne das Versetzen der Ortstafel hätte es kein Tempolimit gegeben.

    Geplagte Reichenberger

    Für Anwohner Lochner bleibt das Ganze dennoch ein großes Ärgernis: Das Versetzen der Ortstafel erinnere an einen Schildbürgerstreich, moniert er. Ohnehin seien die Reichenberger, die in der Guttenberger Straße wohnen, von den "Blechlawinen", die bei Stau auf der A3 durch den Ort rollen, genug geplagt. Denn nach wie vor "donnerten" dann schwere Lkws durch die Straße, ohne die Verbotsschilder zu beachten. Polizeikontrollen fänden so gut wie nie statt. "Es ist besonders ärgerlich, dass dieses Drama noch bis Ende 2021 andauern wird", schreibt Lochner. Erst dann soll der Ausbau der A3 bei Heidingsfeld abgeschlossen sein.

    Reichenbergs Bürgermeister Stefan Hemmerich versteht das Versetzen des Ortsschildes ebenfalls nicht. "Ich wüsste nicht, außer dem Gesetz zu 1000 Prozent Genüge zu tun, warum das sein musste", erklärt er auf Anfrage der Redaktion. Rechtskonform sei das Ganze, aber eigentlich unnötig und nicht logisch nachvollziehbar, meint Hemmerich.

    Bürgermeister findet die Entscheidung unglücklich

    Auch im Gemeinderat sei man sich einig gewesen: Ein Tempolimit auf 70 km/h außerhalb des Ortes soll kommen, aber das Ortsschild soll dort stehen bleiben, wo es auch die letzten Jahre stand. Das habe man auch der Straßenverkehrsbehörde beim Landratsamt mitgeteilt. Allerdings ohne Wirkung.

    Die Maßnahme wurde "über unseren Kopf hinweg durchgeführt, was auch in Ordnung ist, da die Gemeinde nicht zuständig ist", so Hemmerich weiter. Unglücklich sei die Entscheidung dennoch. Deshalb wolle man auf jeden Fall noch mal beim Landratsamt intervenieren.

    Doch der Fachbereichsleiter der Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt Würzburg, Norbert Hart, hält am Versetzen der Ortstafel fest: "Es ist rechtskonform, ich werde das nicht rückgängig machen."

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