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    BÖTTIGHEIM

    Paradoxer Naturschutz an Böttigheimer Trockenhängen

    Seltene Pflanzen wie der weiße Diptam sind im Naturschutzgebiet Böttigheimer Trockenhänge zu finden. Foto: Wilma Wolf

    Wer das Naturschutzgebiet Trockenhänge bei Böttigheim (Lkr. Würzburg) besucht, der kann sich über Orchideen freuen, die er zuvor vielleicht nur aus botanischen Büchern kannte. In dem Gebiet von gut 150 Hektar leben und wachsen einige der seltensten Tier- und Pflanzenarten der Region. Ein einmaliges Ausflugziel für Wanderer und Naturfreunde – wäre da nicht die Tatsache, dass diese Hänge regelmäßig von Schafherden abgegrast werden. Von der Blütenpracht bleibt danach wenig übrig. „Übrig bleibt ein trauriges Nichts!“, schreibt ein Main-Post-Leser. Dass das im Sinne des Umweltschutzes sein soll, können manche Besucher nur schwer glauben.

    Hubert Marquart vom zuständigen Landratsamt Würzburg erklärt, warum diese Form der Beweidung für die Orchideen besonders gut ist: „So wird die Landschaft offen gehalten“, sagt er. Jede bunte Wiese müsse im Grunde einmal im Jahr gemäht werden. Sonst laufe man Gefahr, dass die Fläche von Büschen überwachsen oder durch Gräser „verfilzt“ werde. Nach dem „Mähen“ durch die Schafherden könnten die seltenen Pflanzenarten dann wieder besser wachsen. Auch bei den seltenen Orchideenarten handele es sich um mehrjährige Pflanzen, die im nächsten Jahr wieder genauso blühen würden.

    Beweidung mit langfristigem Ergebnis

    Daher würden alle Teilgebiete des Naturschutzgebietes im Laufe des Jahres beweidet, so Marquart. Allerdings nicht alle zum gleichen Zeitpunkt. „Teilflächen, in denen besonders seltene Orchideenarten wachsen, werden zum Beispiel ganz bewusst erst später im Jahr beweidet“, sagt er. Grundsätzlich aber finde die Beweidung eher im Frühjahr statt. „Die Schafe fressen natürlich auch lieber grünes als trockenes, braunes Gras“, sagt Marquart.

    Die Verwunderung einiger Besucher kann Marquart verstehen. Die Effekte dieses Vorgehens dürfe man eben nicht kurzfristig, sondern stattdessen mit Weitblick über das ganze Jahr betrachten. Dass die Magerrasen-Flächen zeitweise kahl aussehen, trage eben dazu bei, dass die Biodiversität langfristig erhalten bleibe. „Meine Empfehlung lautet daher: Ruhig mehrmals im Jahr vorbeischauen und am besten eine Führung durch das Naturschutzgebiet mitmachen“, sagt er. Es gebe schließlich immer einige Teilbereiche, die noch nicht abgeweidet wurden oder in denen die Pflanzen schon wieder neu austrieben. Der Verein „Natur- und Landschaftsführer Mainfranken e.V.“ bietet regelmäßig Touren durch die Böttigheimer Trockenhänge und andere Naturschutzgebiete in der Region an. Mehr Informationen unter www.naturerlebnis-mainfranken.de.

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