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    Würzburg

    Patrick Friedl (Grüne): Der ewige Klimaschützer

    Patrick Friedl schafft in Würzburg die Sensation: Er ist der erste Grüne in Unterfranken, der ein Direktmandat bei einer Landtagswahl gewinnt. Was ist das für ein Typ?
    Große Freude bei der Wahlparty der Grünen kurz nach der ersten Wahlprognose der Landtagswahl in Bayern am Sonntag (14.10.18) in der Waldschänke Dornheim auf der Talavera. Im Bild: Patrick Friedl. Foto: Patty Varasano
    Große Freude bei der Wahlparty der Grünen kurz nach der ersten Wahlprognose der Landtagswahl in Bayern am Sonntag (14.10.18) in der Waldschänke Dornheim auf der Talavera. Im Bild: Patrick Friedl. Foto: Patty Varasano

    Klimaschutz, Klimaschutz, Klimaschutz. Patrick Friedl kennt nur dieses Thema. Damit ist der Grüne aus Würzburg am Sonntagabend direkt in den Landtag eingezogen. Eine historische Sensation ist das, weil Friedl der stets vorherrschenden CSU in Würzburg das Direktmandat abnimmt. Eigentlich ein Grund des Triumphs. Aber Friedl bleibt sachlich. Statt über seine persönlichen Emotionen, spricht er auch am Tag nach der Wahl erst einmal ausführlich über sein Lieblingsthema

    Der ewige Kandidat

    Patrick Friedl, 48 Jahre alt und auffällige Frisur, hat es schon oft bei Wahlen versucht. 1998 kandidiert er zum ersten Mal für den Bundestag, 2002 erneut, 2005 tritt er wieder an, 2009 ein letzter, vergeblicher Versuch. 2013 nominieren ihn die Würzburger Grünen als Direktkandidaten für den Landtag. Friedl ist chancenlos, kommt auf 16,1 Prozent der Erststimmen. Oliver Jörg, der CSU-Stammhalter, liegt mehr als 20 Prozentpunkte vor ihm. 2018 wendet sich das Blatt, wenn auch knapp. Friedl ist endlich in einem Parlament angekommen. Und er hat dazu beigetragen, dass Bayern nicht in die Hand einer einzigen politischen Kraft gehört. "Das war mir schon immer ein Anliegen", sagt er  am Tag nach der Wahl und wird dabei zum ersten Mal emotional. "Für mich ist das schon bewegend, dass ich dazu beitragen kann." 

    Friedl wächst in Rothenburg ob der Tauber in einer eher sozial-liberalen Familie auf. Die Eltern sind beide politisch aktiv, sitzen im Stadtrat. Er selbst ist in seiner Jugend noch nicht politisch aktiv, war aber immer auf dem Sprung. "Grün war ich schon immer", sagt er. Zuhause triezt er die Familie mit Mülltrennung. 1994 zieht er nach Würzburg, seine Frau studiert hier. Ein Freund bringt ihn schließlich dazu, dass er sich bei den Grünen einmischt. Friedl erinnert sich noch gut an seinen ersten Antrag: "Ich war noch nicht Mitglied, da wollte ich schon, dass im Parteiprogramm Bürger steht, statt Mitbürger. Durchgesetzt habe ich mich aber nicht." 1996 tritt er in die Partei ein - und macht schnell Karriere. 2008 wird er in den Würzburger Stadtrat gewählt. 

    Loyal, leise und leidenschaftlich

    Friedl hat Jura studiert, arbeitete zunächst als Anwalt in Würzburg. Ein Jahr war er als Rechtsanwalt tätig. Dann wechselte er in eine Beratungsstelle. Er liebt die leisen Töne, die ruhigen Auseinandersetzungen. Gemeinsam und harmonisch - das ist sein Weg. Widerständig zu sein, widerstrebt ihm. 

    Als ein ruhiger Typ tritt er auch im Würzburger Stadtrat auf. Er gilt als loyal, lässt auch mal andere glänzen. Geschätzt wird er für seine Kompetenz. Mit seinem Fachwissen überzeugt er viele - und schafft es sogar einmal, den Würzburger Oberbürgermeister einzuschüchtern, so dass dieser seinen Stadtbaurat zum Streitgespräch in die Würzburger Redaktion schickt, statt - wie eigentlich vereinbart  - selbst zu diskutieren.

    Durchbruch in der Lokalpolitik

    Das ist gerade ein Jahr her. Damals ging es um einen Park am Stadttheater.Friedl gilt als der Kopf des Würzburger Bündnisses dafür. Dagegen stand die Idee des Oberbürgermeisters und anderer, die Fläche zu begrünen, teils zu bebauen und eine Tiefgarage hinzusetzen. Es kam zu einem Bürgerbegehren auf der einen, zu einem Ratsbegehren auf der anderen Seite. Friedl und seine Mitstreiter setzen sich durch. Deutlich. 

    Dieser Erfolg in der Würzburger Lokalpolitik, nüchtern gesehen eigentlich nur ein Bausteinchen zur weiteren Stadtentwicklung, werten viele als Friedls eigentlichen Durchbruch. Denn hier zeigt der Grüne einprägsam wie nahe er bei den Bürgern ist - und wie weit weg eigentlich die anderen sind.  Friedl hat ein Gespür dafür, wie er mit ökologischen Themen eine breite Bevölkerung erreichen kann. Nicht ideologisch, aber mit einer ideologischen Grundüberzeugung. Dabei stellt er sich nicht selbst in den Vordergrund, sondern hält sich eher schüchtern zurück.   

    Was Claudia Roth von Patrick Friedl lernt

    Das ist es auch, was Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und ehemalige Parteivorsitzende der Grünen, so an Friedl schätzt. "Er arbeitet immer für die Sache", sagt sie. "Er brennt und streitet für seine Themen, ist ehrlich, fleißig und kompetent." Freilich hört sie nicht auf, von Friedl zu schwärmen. Erst kürzlich sei sie mit ihm über das Landesgartenschaugelände gestreift und habe dabei sehr viel über Klimaschutz gehört und erfahren, welche Bedeutung Bäumen dabei zukommt. "Und dabei habe ich viel dazu gelernt."  

    Und dann gibt es noch eine Seite an Patrick Friedl. Die des liebevollen Vaters. Claudia Roth ist entzückt, wie er mit seiner Tochter umgeht.  Als das Mädchen ein Jahr alt war, ging der damals 43-Jährige in Teilelternzeit, schränkte seine Arbeit für den grünen Abgeordneten Hans-Josef Fell und beim Evangelischen Beratungszentrum ein. "Wenn Patrick sagt, er ist auch ein bisschen Hausmann, dann ist er das wirklich", weiß Claudia Roth. In Szene setzt Friedl seine Familie aber nicht. Er ist keiner, der Homestorys zulässt. Er ist jemand, der so komplizierte Sätze sagt, wie: "Ich bin als Ich politisch aktiv" - und würde am liebsten gleich wieder über Klimaschutz reden. 

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