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    WÜRZBURG

    Paul Damjakob wird 75: Orgelmusik ist sein Leben

    An der Orgel in seiner Wohnung: Paul Damjakob feiert am 23. Dezember seinen 75. Geburtstag.
    An der Orgel in seiner Wohnung: Paul Damjakob feiert am 23. Dezember seinen 75. Geburtstag. Foto: Privat

    In Paul Damjakobs Wohnzimmer haben bereits viele gesessen: Bischöfe, Ordensschwestern, die Familie, Leute von der Presse und sogar Kardinäle. Am Dienstag, 23. Dezember, seinem 75. Geburtstag, wird es dort wohl wieder sehr voll werden. Die Gäste werden dann auf den Stühlen Platz nehmen, auf dem Sofa mit dem weißen Überwurf oder auf einem der Sessel. Und Damjakob? Das Geburtstagskind sitzt mit Sicherheit auf der Orgelbank vor seiner Hausorgel und gibt eines seiner selbstkomponierten Werke zum Besten. „Dann bin ich am Glücklichsten. Wenn ich das machen darf, was ich am meisten liebe: Orgel spielen“, sagt er dem Pressedienst des Bischöflichen Ordinariats.

    Vor seinem großen Jubeltag sitzt Damjakob in seinem Büro am Computer und sortiert Bilder aus, die er an seinem Geburtstag gerne zeigen würde. Er möchte eine Bilderpräsentation erstellen. Jedes Bild wird noch mit einem Kommentar in Reimform versehen. Nur in die richtige Reihenfolge wollen die Bilder sich nicht bringen lassen. „90 Prozent des Programms verstehe ich ja. Es sind die übrigen zehn Prozent, die einem den letzten Nerv kosten“, schimpft er. Mit vereinten Kräften sind eineinhalb Stunden später alle Bilder dort, wo sie sein sollen. Durch die Bilder erfährt man so einiges über Damjakob. Zu jedem Foto gibt es eine Geschichte zu erzählen. Es gibt Bilder, die Damjakob vor seiner Modelleisenbahn zeigen und in geselliger Runde am Küchentisch. Und immer wieder das gleiche Motiv: Er an der Orgel, seine Besucher um ihn herum, der Musik lauschend. Die Orgelmusik ist die Konstante in seinem Leben. Sie hat ihn sein ganzes Leben begleitet. Bereits mit vier Jahren sei er ganz fasziniert gewesen von diesem Instrument. Der Gedanke, es irgendwann selbst zu spielen, habe sich über die Jahre festgesetzt, erzählt Damjakob.

    Geboren wurde Damjakob 1939 in Heerlen in den Niederlanden. „Es war Krieg. Wir mussten als deutsche Familie aus dem Land raus.“ Die Familie flüchtete nach Verl in Westfalen. „Da ging es ums Überleben.“ An Hobbys sei nicht zu denken gewesen. Aber die Nachbarn hatten ein Klavier, auf dem er herumklimpern durfte. „Als ich aufs Gymnasium kam, hatten die dort eine Orgel mit 24 Registern.“ Die Lehrer seien auf ihn aufmerksam geworden und hätten ihn gefördert. Da entstand der Traum, später eine große Domorgel zu spielen. Mit 16 Jahren brach Damjakob die Schule ab und ging nach Regensburg, um dort an der Kirchenmusikschule bei Ferdinand Haberl zu studieren. „Es war paradiesisch, dort konnte ich den ganzen Tag lang Orgel spielen.“ Mit 18 Jahren trat er in Nürnberg-Sankt Kunigund parallel zum Studium seine erste Organistenstelle an. Dann wechselte er nach Berlin an die Staatliche Hochschule für Musik und lernte bei Joseph Ahrens. In dieser Zeit bekam er das Schreiben des Würzburger Domkapitels mit der Einladung zum Probespiel für die Stelle des Domorganisten. Vier Wochen später öffnete er in Berlin den alles entscheidenden Brief mit der Zusage. Das war im November 1961. Ein halbes Jahr später trat er seinen Dienst an. Er blieb 43 Jahre lang. Eine bewegende Zeit: Neben seinem Wirken als Domorganist brachte Damjakob in diesen Jahren über 25 Tonträger heraus, komponierte eine Fülle von Werken und leistete einen beachtlichen Beitrag dazu, dass die Würzburger Dommusik über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Als eine der schönsten Erfahrungen seines Lebens bezeichnet er das Mitgestalten der neuen Domorgel, die 1969 feierlich eingeweiht wurde – mit seiner ersten großen, selbstkomponierten Messe.

    Damjakob erzählt seine Lebensgeschichte wie ein spannendes Märchen. Er gestikuliert mit den Armen, die Augen hält er geschlossen, als könne er sich dadurch besser erinnern. Beim Erzählen springt er von seiner Biographie zum Ukrainekonflikt, von der Farbe seines Hemdes zum Aufbau der geliebten Hausorgel. Den roten Faden verliert er dabei nicht. Denn im Endeffekt dreht sich alles in seinem Leben um Musik. Kein Wunder also, dass er auch eine Musikerin geheiratet hat. Seine mittlerweile verstorbene Frau, die Pianistin und Sopranistin Roswitha Damjakob-Albert, lernte er in Würzburg kennen. „Ein Grund mehr, diese Stadt zu lieben“, sagt er.

    Und noch immer habe er dieser Stadt etwas zu geben, erzählt Damjakob. Regelmäßig wird er als Vertreter für Organisten zum Beispiel in der Marienkapelle und Stift Haug eingesetzt. „Ich habe gar nicht das Gefühl, pensioniert zu sein.“ Denn noch immer bestimme Orgelmusik seinen Tag. Es sei wunderbar, jetzt endlich Zeit zu haben, alle seine Ideen aufs Blatt zu bringen. „Ich bin dankbar, beschäftigt und in Domnähe – was will man mehr.“

    Auf seinen Geburtstag freut er sich. Der 23. Dezember sei eigentlich ein perfektes Datum, sagt Damjakob. „Es gibt keine Konkurrenz zu den Festtagen und gleichzeitig kann ich die Vorfreude, die jeder auf Weihnachten hat, mitnutzen.“ So würden seine Feiern immer besonders schön werden. Seinen 50. Geburtstag hat Damjakob noch in besonderer Erinnerung. Denn ein Tag zuvor hatten Helmut Kohl und Hans Modrow unmittelbar am Brandenburger Tor eine Grenzübergangsstelle eröffnet. Ein symbolträchtiger Moment.

    Damjakob hat es noch genau vor Augen, wie Kohl das erste Mal seit der Teilung Deutschlands durch das Brandenburger Tor schritt. Unter dem Eindruck der deutschen Wiedervereinigung entstand auch eines seiner Lieblingswerke. Damjakob erzählt, dass die Idee dazu eigentlich vom damaligen Speyerer Bischof Dr. Anton Schlembach gekommen sei, der zu ihm gesagt habe: „So wie ich Sie kenne, haben Sie sich doch schon längst etwas zur Wiedervereinigung überlegt.“ Gleichzeitig habe der Bischof sofort Ideen gehabt, was Damjakob denn komponieren könnte. Und so entstand der Choralsatz über „Nun danket alle Gott“, in dessen Tenorstimme gleichzeitig die Melodie der deutschen Nationalhymne erklingt. Im seinem Büro, ein paar Mausklicke am Computer später, erklingt das Werk, das Damjakob „Quodlibet“ nennt, weil jeder den Text singen dürfe, den er will. Er selbst sitzt vor dem Bildschirm, dirigiert das unsichtbare Orchester und singt abwechselnd das Kirchenlied und die Nationalhymne zur Audioaufnahme hinzu. „Quodlibet“ folgen diverse andere Youtube-Videos seiner Orgelmusik. Jedes Werk erinnert ihn an ein weiteres, dass er noch gerne zeigen würde. „Achtung jetzt kommt der Knaller“, kündigt Damjakob plötzlich an. Aber anstatt eines neuen Orgelstücks weist er auf seine Homepage, bei der man durch Mausklick die Hintergrundfarbe ändern kann. Darüber freut er sich sogar noch mehr als über seinen anstehenden Geburtstag.

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