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    Unterpleichfeld

    Per Annonce gefundener Bürgermeisterkandidat zieht zurück

    CSU-Ortsvorsitzender Robert Wild (links) und Markus Schäfer gaben erst im Juni bekannt, dass Schäfer für die CSU als Bürgermeister in Unterpleichfeld kandidieren würde. Nun hat er seine Kandidatur zurückgezogen. (Archivbild) Foto: Rainer Weis

    Es hätte so schön sein können: Die CSU in Unterpleichfeld suchte im Juni per Zeitungsannonce einen Bürgermeisterkandidaten. Mehrere Interessenten bewarben sich, darunter Markus Schäfer aus Estenfeld. Beide Seiten beschnupperten einander, und die Sache war geritzt. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 sollte Schäfer für die CSU in das Unterpleichfelder Rathaus einziehen. Nun haben Schäfer und die CSU ihre Zusammenarbeit plötzlich wieder beendet: "Wir bedauern das, wir wären gerne mit Markus Schäfer angetreten", sagt Robert Wild, Ortsvorsitzender der CSU in Unterpleichfeld. Schäfer habe aus "persönlichen Gründen" seine Bewerbung zurückgezogen.

    Im Vorfeld hatten Facebook-Posts von Schäfer, die der Redaktion als Screenshot vorliegen, für Diskussion in den sozialen Netzwerken gesorgt: Schäfer hatte sich darin zum Beispiel abfällig über die Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre Autismus-Diagnose geäußert. In einem anderen Post schrieb er zu Fotos der Zeppelintribüne in Nürnberg, von der im Dritten Reich Hitler regelmäßig Reden hielt und Paraden abnahm: "Greta, Führerin der 1000-jährigen Klimabewegung, sprich zu deinen Jüngern."

    Schäfer gibt keine Auskunft

    Robert Wild bestreitet, dass diese Posts etwas mit der plötzlichen Trennung von CSU und Schäfer zu tun hatten. Es habe keine Verwerfungen zwischen Schäfer und dem CSU-Ortsverband gegeben.

    Es gibt allerdings auch andere Stimmen, die einen klaren Zusammenhang zwischen Schäfers Facebook-Äußerungen und dem abrupten Ende seiner Kandidatur sehen.

    CSU-Kreisvorsitzender Thomas Eberth gibt auf die Frage, ob er von den fragwürdigen Beiträgen wusste, keine klare Antwort. "Wenn es diese Posts gab, ist das wirklich unglücklich", so Eberth auf Anfrage dieser Redaktion. "Als Ortsverband müsste man einen Bürgermeisterkandidaten dann sicherlich zur Seite nehmen und das Thema kritisch ansprechen." 

    Markus Schäfer selbst teilte der Redaktion mit, dass er für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung stehe.

    CSU will keine zweite Anzeige schalten

    War es ein Fehler, per Zeitungsannonce nach einem Kandidaten zu suchen? Nein, sagen sowohl Wild als auch Eberth. Man müsse eben ungewöhnliche Wege gehen, wenn man auf dem klassischen Weg nicht zum Erfolg komme, so Robert Wild. In Röttingen, sagt Eberth, habe die Methode zum Beispiel sehr gut funktioniert.

    Dass man sich noch ein weiteres Mal auf einen Kandidaten einlässt, der wie Schäfer vorher nicht Parteimitglied war, schließt Eberth nicht aus. Schäfer war lange für die UWG in Estenfeld tätig und bis Anfang 2019 zwei Jahre Mitglied in der SPD. Die UWG hatte ihn 2012 als Bürgermeristerkandidaten nominiert, 2013 aber die Unterstützung zurückgezogen. Schäfer hatte daraufhin seine Ämter als Ortsvorsitzender und Fraktionssprecher niedergelegt.

    Die CSU habe Schäfers politische Vergangenheit geprüft und ihn trotzdem als Kandidaten haben wollen: "Jemand von außerhalb kann eine Partei ja auch bereichern", so Eberth.

    Ein zweites Mal will die Unterpleichfelder CSU ihr Glück aber nicht mit einer Anzeige versuchen. Dafür reiche erstens die Zeit nicht mehr, erklärt Robert Wild, zweitens habe man das Potential jetzt abgefragt. Nach aktuellem Stand schickt die Unterpleichfelder CSU bei der Kommunalwahl 2020 also keinen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen.

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