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    Erlabrunn

    Peta stellt Strafanzeige nach Vogeltötungen

    Eine Nilgans mit ihrem Nachwuchs. Typisch für die Art ist der braune Fleck ums Auge. Foto: Karl Schönherr

    Nach den Vogeltötungen an den Erlabrunner Badeseen Anfang August hat jetzt die Tierrechtsorganisation Peta Strafanzeige gegen den Jagdpächter und den Verantwortlichen des Zweckverbandes Erholungs- und Wandergebiet Würzburg erstattet.

    "Nicht einfach alles abknallen, was vor die Flinte kommt!"

    Selbst wenn die Europäische Union in ihrer Verordnung Nr. 1143/2014 vorsehe, dass "nach der Einbringung einer invasiven gebietsfremden Art Maßnahmen zur frühzeitigen Erkennung und sofortigen Beseitigung unabdingbar" seien, erklärt  Peta-Jurist Krishna Singh (Berlin): "Man darf nicht einfach alles abknallen, was einem vor die Flinte kommt!"

    Nicht ohne vernünftigen Grund töten

    Laut Tierschutzgesetz sei es strafbar, Wirbeltiere ohne "vernünftigen Grund" zu töten, so Singh. Das gelte nicht nur für Deutschland, sondern genauso für die EU. Und auch für invasive - also von außen eingebrachte - Arten sei das Tierschutzgesetz von Belang. Allein die Verschmutzung durch Kot, der die Badegäste störe, sei kein "vernünftiger" Grund. Auch seien Erkrankungen von Menschen durch den Gänsekot bisher nicht bekannt. Insofern hätte der Zweckverband einen Auftrag zum Töten der Vögel nicht erteilen dürfen.

    Nilgans im Verzeichnis zum jagdbaren Wild

    Bei einer Ansitzjagd hatte der Jagdpächter in der Nacht zum 1. August sechs von geschätzten 100 Nilgänsen abgeschossen, was dann vor allem auch in den sozialen Netzwerken sehr rege diskutiert wurde. Der Jagdpächter räumt dieser Redaktion gegenüber die Tötung der Nilgänse ein. Sie seien im Verzeichnis zum "jagdbaren Wild" aufgelistet und könnten seit 1. August geschossen werden. "Das Ganze" - gemeint ist die Strafanzeige - sei "lächerlich". Vom Zweckverband ist derzeit wegen Urlaubs keine Stellungnahme zu bekommen.

    Peta kritisiert, dass Jungtiere der getöteten Nilgänse zum Zeitpunkt der Tat "gerade einmal fünf Wochen alt" gewesen sein sollen. Außerdem seien zwei Blässhühner getötet worden, die erst ab September bejagt werden dürften, so die Fachreferentin für Wildtiere bei Peta Nadja Michler (Stuttgart).

    Polizei Würzburg-Land ermittelt

    Für die Staatsanwaltschaft Würzburg bestätigt Boris Raufeisen die Anzeige durch Peta.  "Wegen eines möglichen Vergehens nach dem Tierschutzgesetz wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Derzeit ist die Polizei Würzburg-Land mit der Durchführung der erforderlichen Ermittlungen beauftragt." Mit einem Ergebnis rechne er nicht vor Ende Oktober dieses Jahres. 

    Peta-Jurist Singh erläutert, "in der Kernfrage" gehe es hier darum, was als "vernünftiger Grund" gewertet wird. Auch merkt er an, dass die Nilgans schon seit Jahren hierzulande bekannt ist. Da stelle sich die Frage, ob man noch von "invasiv", also neu eingebracht, sprechen kann. Im Wildtierportal Bayern des bayerischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist die Rede von der Beheimatung der Nilgans seit dem Jahr 2009. Bisher gebe es keine wissenschaftlichen Belege dafür, "dass die konkurrenzfähige Art andere Arten von ihren Brutplätzen verdrängt." Allerdings sei sie "unter den Neubürgern diejenige Vogelart, die die schnellste Bestandszunahme innerhalb der letzten Jahrzehnte erzielte."

    Peta: Attraktive Ausweichplätze schaffen

    Die Jagd sei aber nicht dazu geeignet, "die Tiere dauerhaft von dem Gebiet fernzuhalten", so Peta. Viel sinnvoller sei es, die betroffenen Flächen für die Gänse unattraktiv zu gestalten und gleichzeitig attraktive Ausweichflächen als Rückzugsorte für die Tiere zu schaffen.

    Hinweis: Peta - "People for the Ethical Treatment of Animals" ist nach eigenen Angaben Deutschlands größte Tierrechtsorganisation. Sie finanziert sich aus Spenden.

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