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    Estenfeld

    Pfarrwiese Estenfeld: Warum Obstbäume nicht erhalten bleiben

    Seit zweieinhalb Jahren ist die Umgestaltung der Pfarrwiese zwischen Pfarrheim und dem alten Friedhof Thema in Estenfeld. Doch kurz vor dem Ziel wird in Estenfeld eine Diskussion eröffnet, die eigentlich an den Beginn gehört hätte. Foto: Guido Chuleck

    Seit zweieinhalb Jahren ist die Umgestaltung der Pfarrwiese zwischen Pfarrheim und dem alten Friedhof ein Thema in Estenfeld. Die Wiese, auf der ein Parkplatz entstehen soll, gilt als ein Impulsprojekt im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK). Doch kurz vor der Umsetzung des Projektes entstand eine Diskussion um das Vorhaben: Es geht um den Erhalt der neun Obstbäume auf dem Areal. Die Bäume sollen dem Parkplatz weichen. Ein Bürgerantrag zum Erhalt der Bäume schlug hohe Wellen bis hin zu einer Anfrage der Landtagsabgeordneten Kerstin Celina (Grüne) an die Staatsregierung.

    Der Wunsch vieler Bürger: verbesserte Parksituation

    Vergangene Woche sah sich Bürgermeisterin Rosi Schraud veranlasst, zu einer Informationsveranstaltung ins Pfarrheim einzuladen, um die Bürger auf den aktuellen Stand zu bringen. Diese Umgestaltung der Pfarrwiese ist laut Schraud eine erste Maßnahme im langjährigen Prozess der Städtebauförderung. Dem war ein ISEK-Verfahren vorausgegangen, in dem der Gemeinderat zusammen mit den Bürgern ein Konzept zur Entwicklung des Innenortes auf den Weg gebracht hat. Es sei der Wunsch vieler Bürger gewesen, die Parksituation im Altort zu verbessern, insbesondere am alten Friedhof, so die Bürgermeisterin.

    Im Pfarrheim informierte Bürgermeisterin Rosi Schraud über die Umgestaltung der Pfarrwiese. Foto: Guido Chuleck

    "Dazu gab es Bürgerworkshops und Bürgerbegehungen, und das Büro Schlicht/Lamprecht hat viele Varianten für das Areal erstellt", sagte die Bürgermeisterin vor dem mit 30 Zuhörern spärlich besetzten Forum. Den Wunsch des Gemeinderates und der Bürger, die Bäume zu erhalten, haben die Stadtplaner nicht umsetzen können. "Lassen wir die Bäume stehen, kann man dort nur parken, aber nicht aussteigen", sagte die Architektin Evi Mohr. Auch ein mögliches Tieferlegen des Parkplatzes sei wegen des Wurzelwerks der Obstbäume, für deren Pflege und Obsternte sich übrigens niemand im Ort mehr zuständig fühlt, nicht möglich gewesen.

    Mit dem Abholzen der Bäume haben sich die Räte schwer getan

    Mit der Entscheidung für das Abholzen der Bäume haben sich die Räte in ungezählten Sitzungen sehr schwer getan. Den Ausschlag gab die auch für die Anwohner unbefriedigende Parksituation am Pfarrheim, dem Pfarramt und dem alten Friedhof. Um wenigstens halbwegs Ersatz für die Bäume zu bekommen, werden dort Laubbäume gepflanzt. Auf Obstbäume müssen die Estenfelder aber nicht verzichten, sagte die Bürgermeisterin. "Im Zug des noch zu schaffenden Bürgerparks werden dort eine ganze Reihe Obstbäume gepflanzt, vielleicht als Naschgarten", versprach sie. Und: Es soll auf der Pfarrwiese nicht nur ein Stellplatz (gut 500 Quadratmeter), sondern ein kleiner Ort der Begegnung mit Sitzbänken und einer fußläufigen Verbindung in den Altort entstehen.

    Bürgermeisterin hätte sich Diskussion früher gwünscht

    Die beiden Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen Estenfeld, Thomas Herr und Tobias Schmachtel, warteten mit Argumenten zum Erhalt der Bäume auf. Neben einigen Themen rund um die Bäume und den Parkplatz sprachen die beiden den Klimawandel und die weltweit steigende Produktion von CO2 an. Mit Blick auf die erhoffte Steigerung von Elektroautos im Straßenverkehr ging ihr Appell in die Richtung, sich für diese Zeit zu wappnen.

    "Ich bin in allen Punkten bei Ihnen", entgegnete Schraud, "aber die Bürger wollen jetzt eine Verbesserung und nicht erst in zehn Jahren, wenn vielleicht mehr Elektroautos fahren." Sie begrüßte ausdrücklich die durchaus auch kritischen Beiträge, "allerdings hätte ich mir eine solche Diskussion früher gewünscht, zu Beginn der ganzen Maßnahme, und nicht jetzt, wenn es einfach zu spät ist."

    "Die Bürger wollen jetzt eine Verbesserung und nicht erst in zehn Jahren, wenn vielleicht mehr Elektroautos fahren."
    Rosi Schraud, Bürgermeisterin Estenfeld

    Denn es seien nicht nur Verträge unterzeichnet worden und der Förderbescheid ergangen, sondern der Rat habe auch die Vergabe der Arbeiten (Kosten: 380 000 Euro) beschlossen. Anders als eine Privatperson, hatte die Bürgermeisterin auch in früheren Ratssitzungen gesagt, könne die öffentliche Hand einen erteilten Auftrag nicht einfach so zurückziehen. "Dann fordern die Firmen Regress, und wir haben Probleme sowohl von der Regierung eine Förderung zu bekommen als auch Firmen zu finden, die dann noch für uns arbeiten wollen."

    Initiatoren des Bürgerantrags nennen Klimawandel als Grund

    Die Verantwortlichen des Bürgerantrages zum Erhalt der Pfarrwiese, Hansdieter Krüger und Bernd Parusel, waren bei der Info-Veranstaltung nicht anwesend. Krüger und Parusel setzen sich für den Erhalt der Bäume aus Gründen eines "rasant fortschreitenden Klimawandels mit Wassernotstand in Unterfranken" ein. "Neuanpflanzungen von Bäumen gehen größtenteils ein", heißt es in einem an die Redaktion gerichteten Schreiben. Die aktuelle Verschärfung der Klimasituation sei auch der Grund, weshalb sie ihren Bürgerantrag erst jetzt, also lange nach ISEK-Verfahren und Bürgerbeteiligung, gestellt hätten.  

    Der Bürgerantrag hatte dem Gemeinderat in seiner Sitzung im September vorgelegen. Weil der Antrag Formfehler hatte, hätte der Rat ihn nicht behandeln müssen, tat es dann aber doch. Allerdings hielt der Rat an der Beschlusslage – also dem geplanten Bau des Parkplatzes – fest. Krüger und Parusel monieren in ihrem Schreiben an die Redaktion, dass sie von der Gemeinde die schriftliche Auskunft bekommen hätten, der Antrag sei "formlos" einzureichen. Tatsächlich hatte ein Mitarbeiter der  Gemeinde diese Auskunft erteilt. "Die Gemeinde muss zwar nicht darüber informieren, wie ein Bürgerantrag einzureichen ist, aber wenn sie es tut, sollte das dann auch stimmen", räumt Bürgermeisterin Schraud gegenüber der Redaktion ein. Die falsche Auskunft bedauere sie. Wie Rosi Schraud gegenüber dieser Redaktion sagte, solle der Parkplatzbau noch in diesem Jahr beginnen. 

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