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    Würzburg

    Planung der umstrittenen SuedLink-Trasse stockt in Unterfranken

    Wo verläuft die umstrittene Stromtrasse SuedLink? Das wollte die Bundesnetzagentur zum Jahreswechsel entscheiden. Für die Region allerdings wird daraus nichts.
    Die Entscheidung über den Verlauf der umstrittenen Stromtrasse SuedLink in Unterfranken verzögert sich. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa

    Der Verlauf des SuedLink bleibt in Unterfranken länger als geplant unklar. Eigentlich wollte die Bundesnetzagentur zum Jahreswechsel über den vorgeschlagenen Korridor der Netzbetreiber entscheiden. Im sogenannten Trassenabschnitt D, in den die Region fällt, wird daraus jedoch "schätzungsweise Mitte des Jahres 2020", sagt Tobias Landwehr, Sprecher der Behörde, auf Anfrage dieser Redaktion. Grund für die Verzögerung: Es "fehlen noch Informationen". Diese sollen nun von den Kommunen oder Netzbetreibern nachgefordert werden – und das könne dauern.

    Warum aber mangelt es der Bundesbehörde an Daten? "Das kann passieren, wenn zum Beispiel bei den Erörterungsterminen spät eine Alternative eingereicht wurde", sagt Landwehr. Sprich ein Entwurf für den Weg des SuedLink, der von dem 1000 Meter breiten Korridor der Netzbetreiber abweicht. Und der bislang nicht untersucht wurde. Die Bundesnetzagentur könne diesen ohne Kartierungszahlen – etwa zur Vegetation oder zu Tierbeständen – nicht bewerten. Folglich müssen "Informationen nachgefordert werden". Genau das sei jetzt in Abschnitt D und damit in Unterfranken der Fall.

    Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hadert weiter mit Stromtrassen. Foto: Nicolas Armer, dpa

    "Das zeigt, dass die Planungen noch nicht in Stein gemeißelt sind", sagt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Für den Freie-Wähler-Chef sind die "neuen Prüfungen und weitere Verzögerungen" ein Beleg dafür, dass "wir nicht allein auf die Stromtrassen setzen können". Bereits bei der Landesversammlung seiner Partei im Oktober in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) hatte Aiwanger mit den Trassenplänen gehadert. Aus seiner Sicht ist der Freistaat "mit einer dezentralen Energiewende und der Versorgungssicherung durch Gaskraftwerke auf dem richtigen Weg".

    Netzbetreiber beginnen Kartierungen, obwohl der Verlauf des SuedLink noch nicht feststeht

    In Unterfranken gab es von Anfang an massive Proteste gegen SuedLink. Dass sich das Milliardenprojekt nun "nach hinten verschiebt, das war zu erwarten", sagt Norbert Kolb, Sprecher der Bürgerinitiative "Bergrheinfeld sagt Nein zu SuedLink". "Dem Projekt laufen nicht nur die Kosten davon, sondern vor allem die Zeit." 

    SuedLink soll 2026 den Betrieb starten – ein Jahr später als ursprünglich geplant. Per Erdkabel wird dann Windstrom von der Nordsee in den Süden Deutschlands transportiert. Im Februar haben die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW ihren Korridor für den Verlauf der Trasse vorgeschlagen und bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Von Schleswig-Holstein zieht sich dieser westlich an Hannover vorbei über Nordhessen und Südthüringen nach Unterfranken und Baden-Württemberg.

    Im Norden soll die Entscheidung über den Vorschlag laut Bundesnetzagentur wie vorgesehen Anfang 2020 fallen. Anders im Süden. Hier schlängelt sich der Korridor von Gerstungen (Thüringen) in zwei Zweigen durch Unterfranken – der eine zum Netzverknüpfungspunkt Bergrheinfeld bei Schweinfurt, der andere Richtung Arnstein (Lkr. Main-Spessart). Dann schließt sich Abschnitt E an. Für diesen "werden die Daten noch geprüft", sagt Tobias Landwehr. Ob es auch hier zu Verspätungen komme, sei offen.

    Ungeachtet dessen beginnen die Netzbetreiber Ende Januar/Anfang Februar mit Kartierungen in der Region. In den Landkreisen Würzburg und Schweinfurt werde es in 18 Gemeinden Arbeiten geben, sagt TransnetBW-Sprecher David Moser. Die Kommunen seien bereits informiert.

    Bei den Kartierungen handle es sich um Vorarbeiten für das spätere Planfeststellungsverfahren, so Moser. Ziel sei es, "mit der genauen Erfassung der Tier- und Pflanzenwelt" einen natur- und umweltverträglichen Leitungsverlauf zu finden. Dafür müssten teils private Grundstücke betreten werden, Bohrungen oder Grabungen gebe es keine. Die Kartierungen dauern das gesamte Jahr 2020.

    Die Netzbetreiber agierten dabei "auf eigenes Risiko", sagt Tobias Landwehr. Noch wurde nicht über den endgültigen Trassenverlauf entschieden. Berücksichtigt die Bundesnetzagentur eine Alternative zum Vorschlag der Netzbetreiber, war die Kartierung umsonst. Warum dann die Eile? "Fristen können sonst nicht eingehalten werden", sagt Landwehr. Der Zeitdruck bei dem Projekt sei immens.

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