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    Würzburg

    Pogrom-Gedenken: Zur Vergangenheit bekennen

    Bei einer Gedenkveranstaltung am Platz der ehemaligen Synagoge in Würzburg wurde an die Pogromnacht vom 9. November 1938 erinnert. Foto: Thomas Obermeier

    Vor 81 Jahren, in der Nacht vom 8. zum 9. November, wurde die Synagoge in der Domerschulstraße überfallen und in ein Parteibüro der NSDAP verwandelt. In der Würzburger Pogromnacht wurden – wie überall in Deutschland – jüdische Geschäfte zerstört und Gotteshäuser zerschlagen.  Die Synagoge war bis dahin der Sitz des Würzburger Rabbinats gewesen und wurde später, beim Bombenangriff am 16. März 1945, zerstört.

    Gedenkfeier an der ehemaligen Synagoge

    In Erinnerung an die Verbrechen und die Opfer dieser Zeit fand auf dem Platz der ehemaligen Synagoge eine Gedenkfeier statt. Neben Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, und Oberbürgermeister Christian Schuchardt nahmen unter anderem Repräsentanten der jüdischen, der katholischen und der evangelischen Gemeinde an dem gemeinsamen Gedenken teil. Josef Schuster wies darauf hin, wie bedeutend eine solche Veranstaltung für die Erinnerungskultur und deren Aufrechterhaltung sei. „Es ist wichtig, dass sich Würzburg zu seiner Vergangenheit bekennt – denn wir schulden es den Opfern, an die Shoah zu erinnern“, so der Schuster.

    OB zieht Parallelen zu Halle-Attentat

    Wie relevant die Erinnerungen an die Pogrome während des Krieges für unsere heutige Gesellschaft sind, betonte auch Christian Schuchardt. Der Oberbürgermeister wies in diesem Zusammenhang auf die jüngsten Vorkommnisse in Halle hin: Dort versuchte ein Attentäter am 9. Oktober diesen Jahres, dem jüdischen Feiertag Jom Kippur, zahlreiche Juden zu töten . „Es darf nicht sein, dass sich Menschen in Deutschland wegen ihrer Abstammung bedroht fühlen“ mahnte der Oberbürgermeister. Er forderte zu einem „gesellschaftlichen Klimawandel“ auf, zu dem jeder seinen Beitrag zu leisten habe. Eugen Ehmann, Regierungspräsident von Unterfranken, griff diesen Gedanken in seiner Rede auf und verdeutlichte, dass das Gedenken an die Pogromnacht zugleich ein Aufruf sei: Es liege an jedem von uns, zu handeln und antisemitischen Äußerungen entgegenzutreten.

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