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    Würzburg / München

    Polit-Treffen: Würzburgs Ex-OB Pia Beckmann bei Nancy Pelosi

    Seit zehn Jahren ist ein "Frauenfrühstück" Bestandteil der Münchner Sicherheitskonferenz. Würzburgs frühere OB Pia Beckmann war eingeladen. Was nimmt sie aus München mit?
    Beim Frauenfrühstück auf der Münchner Sicherheitskonferenz: Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses (links), mit Würzburgs früherer Oberbürgermeisterin Pia Beckmann. Foto: Margarethe Stadlbauer

    Sie ist die mächtigste Frau der USA und nicht erst seit der Szene mit der zerrissenen Trump-Rede auch in Deutschland im Bewusstsein der politischen Öffentlichkeit angekommen: Nancy Pelosi. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses war am Wochenende Gast auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Zum  "Frauenfrühstück", das es seit zehn Jahren gibt, wurden am  Samstagmorgen 160 Frauen aus allen gesellschaftlichen Bereichen eingeladen – darunter auch Pia Beckmann, die frühere Würzburger Oberbürgermeisterin. Diese Redaktion sprach mit Pia Beckmann über ihre Begegnung mit der ranghöchsten Frau Amerikas.

    Frage: Wie kommt man auf die Gästeliste beim Frauenfrühstück der Münchner Sicherheitskonferenz?

    Pia Beckmann: Unsere Initiative pics4peace plant ein transatlantisches Projekt zur Präsidentschaftswahl in den USA, das den deutsch-amerikanischen Titel "besser together" trägt. Von dem Projekt hatte auch die frühere CSU-Politikerin Ursula Männle erfahren, die das Frauenfrühstück mit organisiert. Von ihr kam die Idee, dass ich teilnehmen sollte.

    Haben Sie mit Nancy Pelosi persönlich sprechen können? 

    Beckmann: Meine Hoffnung war, ein paar persönliche Worte von Nancy Pelosi für die jungen Leute von pics4peace mitzubringen – und es ist mir tatsächlich gelungen, sie anzusprechen. Ich habe ihr von unserem Projekt berichtet. Sie war super aufmerksam, hat sich das Logo unserer Initiative angesehen, mir dann fest in die Augen geschaut und ganz knapp gesagt:  "Stay confident. You are powerful", frei übersetzt "Vertraut auf euch. Ihr habt die Kraft, etwas zu verändern." Ich bin sehr dankbar, dass ich allen, die sich in unserer Initiative für Frieden und bessere Beziehungen zu den USA einsetzen, diese Botschaft mitgeben kann.

    Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, auf der 56. Münchner Sicherheitskonferenz. Foto: Sven Hoppe, dpa
    Nancy Pelosi gilt als der öffentlichkeitswirksame Gegenpol zum amtierenden US-Präsidenten, erst recht, seit sie Trumps Rede vor laufender Kamera zerrissen hat. Wie haben Sie Nancy Pelosi aus der Nähe erlebt?

    Beckmann: Ich hatte mir zur Vorbereitung einige Sendungen im amerikanischen Fernsehen angeschaut, um sie etwas besser kennenzulernen. Mein Eindruck hat sich in der direkten Begegnung bestätigt. Sie ist sehr empathisch, sehr auf den Punkt und engagiert in ihren Aussagen. Sie hat ein sehr hohes Gerechtigkeitsgefühl. Und zugleich ist sie als Mensch immer auch dem Menschen zugewandt.

    Wie lief das Frühstück ab?

    Beckmann: Es wurden mehrere Themen angesprochen, dann gab es jeweils einen Austausch. Es war eine sehr offene und angenehme Diskussion, und es gab schnell so eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Stimmung war nicht nur gut, sondern inspirierend. Es hat sich gezeigt, dass Sicherheitspolitik ein weiter Begriff ist. Gerade diejenigen Politiker und Vertreter von Organisationen, die in ihren Ländern unter undemokratischen Verhältnissen zu leiden haben, sehen jetzt, dass die westliche Welt ins Wanken gerät. Für mich ist eine Erkenntnis aus dieser Sicherheitskonferenz: Wir haben im Westen die verdammte Pflicht, auch für die Sicherheit unserer Verfassungen zu kämpfen! Und nicht nur in der Politik, sondern auch zivilgesellschaftlich. Mich hat das in dem bestätigt, was wir 2017 mit pics4peace begonnen haben.

    Sie waren mit 160 Frauen zu Gast auf dem Frühstück. Gibt es einen spezifischen weiblichen Blick auf die Sicherheitspolitik? 

    Beckmann: Als ich am Samstag um 5.30 Uhr aus dem Haus ging, da habe ich am Himmel einen exakten Halbmond gesehen. Das Bild blieb mir im Kopf, nachdem ich losgegangen war. Wenn wir die Welt in Richtung mehr Demokratie verändern wollen, dann brauchen wir die Frauen mit am Tisch – denn das ist die andere Hälfte! Egal ob in der Wirtschaft, in der Sicherheits- oder Umweltpolitik, das betrifft jedes Thema. Vielleicht bekommen wir dann auch eine andere Qualität in dem, was getan wird, und nicht nur immer diese "Ich schieß' dich tot"-Politik. Möglicherweise ginge es dann auch nicht nur darum, die Rüstungsausgaben zu erhöhen, sondern man würde eventuell mehr Geld investieren, um Konflikte friedlich beizulegen, Ausbildung in anderen Ländern zu unterstützen  oder Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Auch das sind ja alles Mittel, den Frieden zu sichern, sie sind eben auch Sicherheitspolitik. Wie Libyen oder der Irak zeigen, ist der Krieg eben nicht die Ultima ratio, dort ist alles viel schlimmer geworden. Das Geld, das in diesen Ländern verbrannt wurde, wäre in humanitären, pazifistischen Investitionen besser eingesetzt gewesen.

    Sie waren sechs Jahre lang Würzburger Oberbürgermeisterin. Müssen sich Frauen in der Politik anders aufstellen als Männer?

    Beckmann: Die Dinge gelten immer für beiderlei Geschlechter. Aber man sollte im Blick behalten, dass Frauen ja unter Umständen intelligentere Lösungen in petto haben. Deswegen finde ich den Diskurs zwischen Frauen und Männern so wichtig, dass man sich austauscht und gemeinsam nach dem besten Weg sucht. Die Botschaft lautet: Es braucht gleich viel Frauen wie Männer in der Politik. Nur dann ist gewährleistet, dass sich beide Sichtweisen gegenseitig bereichern.

    Initiative pics4peace
    Pia Beckmann, von 2002 bis 2008 Würzburger Oberbürgermeisterin, hat 2017 die bundesweite Initiative "pics4peace" gegründet. Ziel ist es, junge Menschen mit Workshops und Kunstaktionen dazu zu bewegen, sich für die Demokratie einzusetzen. Zugleich will pics4peace jungen Menschen Gehör in der Politik verschaffen.

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