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    BERGTHEIM

    Polizei warnt vor dubiosen Handwerkern

    Die Polizei warnt vor falschen Handwerkern (Symbolbild). Foto: kadmy (iStockphoto)

    Laut den aktuell kursierenden Prospekten ist das Unternehmen extrem vielseitig, das in Opferbaum im Landkreis Würzburg sitzen soll: Man verspricht Steinreinigung an Hausfassaden und Treppen, „Reinigung ihres Hauses“, „Malerarbeiten aller Art“, aber auch „Garten- und Landschaftsbau zum kleinen Preis“.

    Offenbar falsche Adresse

    Man muss auch nicht lange auf Handwerker warten: Das Ganze gibt es (laut Prospekt) fast rund um die Uhr, „schnell, gut und günstig“ und „kostenlose Beratung bis 100 Kilometer“. Was so toll klingt, hat nur einen Schönheitsfehler: Unter der im Prospekt angegebenen Adresse in der Augustinerstraße in dem Ortsteil von Bergtheim (Lkr. Würzburg) existiert keine Firma dieses Namens.

    Echte Firma sorgt sich um ihren Ruf

    Tatsächlich ist dort die Firma Mainfrankenlager zuhause, deren Chef ausdrücklich öffentlich vor dem Steinreiniger warnt: „Diese Firma hat weder ein Büro oder Lagerraum bei uns angemietet“, heißt es im Internet und bestätigt man auch auf unsere Anfrage. Man will nicht für die Unbekannten irgendwie in Haftung genommen werden und fürchtet um seinen guten Ruf: „Geschädigte bitten wir, sich direkt an die Polizei zu wenden.“

    Dorthin haben sich bereits erste verunsicherte Hausbesitzer aus Unterfranken gewandt: Zahlreiche Geschichten über Abzocker mit dubiosen Zahlungsbedingungen (angeblich aus der Dachdecker oder Steinreiniger-Branche) haben den Ruf der Branche geschädigt. Da gehen Kunden erkennbar lieber auf Nummer sicher, ehe sie einen Auftrag erteilen.

    Anrufer werden abgewimmelt

    Im Prospekt des Steinreinigers ist nur eine Handynummer und eine Service-Nummer unter 0800-Vorwahl angegeben, die nicht verrät, wo der Standort der Firma ist. Was ist, wenn man einen Beratungstermin im Büro in Opferbaum ausmachen will? „Wir haben gerade so viel zu tun, wir sind da kaum“, heißt es zunächst abwimmelnd. Beim nächsten Mal wird gleich aufgelegt. Dann – als bei zwei weiteren Testanrufen die Adresse ins Spiel kommt – heißt es plötzlich: „Das ist ein Druckfehler!“

    Immer wieder falsche Angaben

    Nun will das Unternehmen plötzlich seinen Sitz nicht in Opferbaum, sondern in Würzburg haben, mal in der Augustinerstraße, mal in der Schweinfurter Straße. Aber auch an diesen beiden Adressen trifft man keine Firma dieses Namens an. Auch sonst hinterlässt sie kaum Spuren: Anzeigen zahlt das Unternehmen in bar – und gibt dabei die Adresse in Opferbaum an.

    Bei der Handwerkskammer nicht bekannt

    Kunden, die auf Nummer sicher gehen wollen, können bei der Handwerkskammer Unterfranken anrufen und sich erkundigen, ob eine Handwerksfirma dort als seriös bekannt ist. Pressesprecherin Daniela Hartmann sagt, dass in der Handwerksrolle für Unterfranken die betreffende Firma nicht eingetragen sei. Und auch bei der Gemeinde Bergtheim ist kein Gewerbebetrieb fest dort angemeldet, erfahren wir.

    Das Metier der „Klingler“

    Schon gab es besorgte Anrufe von Bürgern bei der Polizei, die sich erkundigen, wie seriös das Angebot in der Hochglanz-Werbung ist. Schließlich ist der Ruf der Branche durch schwarze Schafe schwer geschädigt, die in Fachkreisen „Klingler“ heißen. Sie zocken ahnungslose Kunden mit überteuerten Handwerkerpreisen und dubiosen Haustürgeschäften ab – wie vor kurzem in Mecklenburg-Vorpommern.

    Auch Fälle in anderen Bundesländern

    Auch dort kam man gleich vor Ort und machte ein scheinbar günstiges Angebot: „Das Dubiose ist dann, dass sie über Lederjacken und Goldschmuck das Gespräch suchten,“ berichtete ein Kunde der Zeitung „Nordkurier“. Seltsam kam einem Hausbesitzer dort vor, dass die zwei Handwerker gezielt fragten, ob der Hausbesitzer 500 Euro in kleine Scheine wechseln könne. Auch da gab es eine falsche Büroadresse und keine Gewerbe-Anmeldung.

    Verbraucherschützer und Seniorenverbände warnen – wie die Polizei – ständig vor ähnlichen Abzockereien: Am bekanntesten ist die Masche der „Dach-Haie“, die billige Reparaturen versprechen, schlechte Arbeit liefern und dafür viel Geld verlangen – in bar und sofort.

    Echt von falsch schwer zu unterscheiden

    „Es ist schwierig, seriöse Betriebe von Gaunern zu unterschieden“, räumt die Polizei ein. Selbst Firmenausweise können gefälscht sein, die Masche reicht von Gartenarbeiten über Teppichreinigung bis zur Rohrsanierung. „Es gibt betrügerische Handwerksdienste, die täuschen Ortsnähe nur vor“, weiß das Forum „pfiffige Senioren“ ebenso wie die Dachdecker-Innung, die sich um den Ruf seriöser Betriebe vor Ort sorgt. Man warnt vor Firmen, die nur per Handy oder mit Telefonnummern mit der nichtssagenden Vorwahl 0800 erreichbar sind – wie der Steinreiniger, der angeblich in Opferbaum zu Hause ist.

    Telefonnummer ist nicht mehr erreichbar

    Der soll zuvor schon in den Haßbergen und in Bad Kissingen tätig gewesen sein. Ist sein Angebot seriös oder Abzocke unter einer Tarnadresse? Wir rufen drei Tage später erneut bei der Handynummer des Unternehmens an. Wir wollen eine echte Büroadresse, um eine Erklärung für unsere Recherche-Ergebnisse zu bekommen. Doch am anderen Ende wird kommentarlos aufgelegt. Dann ist die Handy-Nummer nicht mehr erreichbar, die 0800-Nummer auch nicht.

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