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    Würzburg

    Polizeischüler erschießt versehentlich Stubenkameraden

    Die neue Dienstpistole der bayerischen Polizei SFP9 von Heckler & KOch soll bis Ende 2019 in allen Einheiten eingeführt sein Foto: dpa

    Zwei junge Polizeischüler machten sich am Donnerstagabend fertig, um Wache zu schieben. Dann fiel im Zimmer der beiden in der Kaserne der Bereitschaftspolizei in Würzburg ein Schuss. Die Kugel aus der Dienstpistole des einen Auszubildenden verletzte den anderen so schwer, dass er im Krankenhaus verstarb.

    Unbeabsichtigter Schuss in der alten Kaserne in der Zellerau

    Nachdem die Angehörigen verständigt worden waren, bestätigte am Freitagmorgen eine gemeinsame Pressemitteilung von Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft den Vorfall. Das Präsidium der Bereitschaftspolizei in Bamberg äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Vorfall.

    Zu dem Präsidium gehört die III. Bereitschaftspolizeiabteilung in Würzburg. In einer alten Kaserne in der Sedanstrasse im Würzburger Stadtteil Zellerau sind sowohl Auszubildende als auch bereits im Einsatz befindliche Einheiten der Bereitschaftspolizei untergebracht. Der neue Jahrgang soll heute mit der Ausbildung beginnen.

    Notarzt konnte nicht mehr helfen

    In einem der Unterkunfts-Gebäude soll es „durch einen Beamten zu einer unbeabsichtigten Schussabgabe gekommen“ sein, „die seinen Kollegen erfasste“, heißt es in der Erklärung von Polizeisprecher Michael Zimmer und Boris Raufeisen, dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg. Um 21.32 Uhr ging bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Unterfranken ein Notruf aus der Bereitschaftspolizeiabteilung ein.

    Nach ersten Erkenntnissen befanden sich zwei Auszubildende kurz vor ihrem Wachantritt zu zweit in einem Zimmer eines der Unterkunftsgebäude. Da hörte ein weiterer Beamter einen Schuss. Er schaute nach. Er fand im Zimmer einen seiner beiden Kollegen lebensgefährlich verletzt, den anderen im Schockzustand, vor. „Durch den sofort verständigten Rettungsdienst samt Notarzt wurden Erste Hilfe Maßnahmen eingeleitet,“ heißt es in der Presseerklärung. „Der ältere der beiden Auszubildenden wurde in eine Klinik eingeliefert, wo er kurz darauf verstarb.“

    In der Kaserne in der Sedanstraße in Würzburg (hier bei einem Besuch von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann) werden angehende Polizisten ausgebildet. Foto: Polizei

    Dies ist bereits der zweite Vorfall dieser Art binnen kurzer Zeit. Bereits vor einer Woche hatte sich – ebenfalls in der Bepo-Kaserne – unbeabsichtigt ein Schuss aus der Pistole eines Beamten gelöst.

    Schon der zweite Vorfall

    Dem aktuellen Sachstand nach war der Polizist davon ausgegangen, seine Waffe sei ungeladen. Auf der Seite zur Ysenburgstraße hin beschädigte das Projektil eine Bürofensterscheibe im zweiten Obergeschoss des Dienstgebäudes. Menschen kamen nicht zu Schaden.

    Der Vorfall fällt in eine Zeit, in der die bayerische Polizei gerade neue Pistolen bekommt. Sie rüstet bis Ende 2019 auf das neue Modell ‚SFP9‘ von Heckler & Koch um. Bei der Bereitschaftspolizei in Würzburg hat sie nach Informationen der Redaktion schon die seit 1979 eingesetzte P7 von Heckler & Koch ersetzt.

    Polizei kriegt neues Pistolen-Modell

    Wie das Vorgängermodell kommt die Pistole vom Hersteller Heckler & Koch. 15 Patronen vom Kaliber 9 Millimeter passen hinein statt wie bisher acht. Neu ist aber vor allem das Handling. Es gibt nicht mehr die so genannte Handballensicherung oder einen Sicherungshebel. Stattdessen soll der Abzugshebel mit einem stärkeren Widerstand eine versehentliche Schussabgabe vermeiden. Die Griffe lassen sich kleinen beziehungsweise großen Händen anpassen.

    Im Juli 2018 hatte Ausbilder der Berliner Polizei über erhebliche Mängel an der neuen Polizeiwaffe SFP 9 vom Hersteller Heckler & Koch geklagt. Die Waffen könnten so nicht für den Dienstgebrauch zugelassen werden. Die Berliner Polizei hat 24.000 Pistolen bestellt.

    Klagen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

    Kurz darauf beschwerten sich auch die Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern. Wie der NDR berichtet, waren die Gründe dieselben wie in Berlin - demnach treffe die Waffe schlecht und Magazine würden gelegentlich herausfallen: "Die Waffen lägen außerhalb der "Qualitäts-Toleranz", so Innen-Staatssekretär Thomas Lenz von der CDU auf eine Anfrage im Landtag.

    Doch dann zeigte sich: Die Probleme mit der neuen Waffe waren zumindest in Berlin auf Extra-Wünsche der dortigen Polizei zurückzuführen. Zum einen wurde demnach der Magazinauswurf verändert, zum anderen der Abzug. „Die bayerische Polizei bestellte hingegen die SFP 9 von Heckler & Koch wie vom Hersteller entwickelt und hatte keinerlei Probleme,“ nach umfangreichen Tests, wie ein Insider betont.

    Keine Probleme in Bayern

    Das weiß auch Harald Schneider, Ehrenvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Bayern. Hier sei man auch bei der Ausbildung sehr sorgfältig, sagt Schneider (SPD), der frühere Landtagsabgeordnete, der einst selbst Polizist war. Es gebe reichlich „Trockenübungen“, um mit der neuen Waffe vertraut zu werden. Darüber werde auch genau Buch geführt.

    Die Polizeischüler haben zwar eigene Waffen. Aber in der Ausbildung sei es üblich, dass sie erst dann Munition dazu ausgehändigt bekommen, wenn sie auf Wache gehen. Sie müssen die Patronen danach auch wieder abgeben, sagt ein Polizist.

    LKA ermittelt

    Die ersten Maßnahmen vor Ort übernahmen am Donnerstagabend Beamte der Kripo Würzburg. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen führt, wie in solchen Fällen üblich, das Bayerische Landeskriminalamt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Würzburg. Es besteht der Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung.

    Waffe falsch entladen?

    Wie es zu dem tragischen Vorfall kommen konnte, war zunächst völlig unklar. Hauptkommissar Zimmer sagte: "Das ist einer der zentralen Punkte der Ermittlungen: Was sind die genauen Umstände, die dazu geführt haben, dass es zu dieser nach jetzigem Stand unbeabsichtigten Schussabgabe gekommen ist?"

    Die genaue Ursache des tödlichen Vorfalls am Donnerstagabend sei zwar noch nicht aufgeklärt. Aber vermutlich habe ein Polizeischüler beim Entladen eine Kugel im Lauf der Waffe vergessen und nur das Magazin entnommen, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Freitag bei der Begrüßung neuer Polizisten in München. "Das war wahrscheinlich die Ursache." An die jungen Polizisten appellierte Herrmann: "Nehmen Sie alles, was Sie in ihrer Ausbildung zum Entladen ihrer Waffe gelernt haben, sehr sehr ernst."

    Betreuung für Betroffene

    „Natürlich sind die anderen Kollegen erheblich betroffen von dem Vorfall“ sagte Polizeisprecher Zimmer. Seitens der Bereitschaftspolizei und des Polizeipräsidiums Unterfranken wurden unverzüglich Betreuungsmaßnahmen für die Kolleginnen und Kollegen des Ausbildungsstandortes, sowie für die Angehörigen, organisiert.

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