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    Würzburg

    Querelen um Video zum Hanf-Bürgerstammtisch der CSU

    Eine Veranstaltung zum Thema Hanf mit Stadträtin Sabine Wolfinger wurde wie mit ihr vereinbart aufgezeichnet. Dann soll sie mit einer Unterlassungsklage gedroht haben.
    Mehrere dieser Plakate zur Veranstaltung mit dem Thema "Hanf" von CSU-Stadträtin Sabine Wolfinger waren in der Stadt verteilt. Foto: Torsten Schleicher

    Ende vergangenen Jahres hat das Thema Cannabis in Würzburg zweimal Schlagzeilen gemacht. Einmal als Ende Oktober ausgerechnet die CSU-Stadtmitte I einen Bürgerstammtisch zum Thema Hanf organisiert hat. Dabei sollte es um den medizinischen Gebrauch der Pflanze gehen. Eine Legalisierung des Rauschmittels Cannabis wird von der CSU, im Gegensatz zu anderen Parteien, strikt abgelehnt. Ein zweites Mal Schlagzeilen machte wenige Wochen später eine Razzia in dem Cannabis-Shop, dessen Inhaber Lukas Schwarz bei der CSU-Stadtmitte I auf dem Podium gewesen war.  

    Mit Plakaten hatte Stadträtin Sabine Wolfinger (CSU) für den Bürgerstammtisch des CSU-Ortsverbandes Stadtmitte I geworben, der am 23. Oktober stattfand. Thema der Veranstaltung war "Hanf - Heilpflanze aus der Region für die Region". Es ging um die medizinische Nutzung der Pflanze. Zu Gast war auch Lukas Schwarz von der Cannameleon GmbH. 

    Sollte ein Video der Veranstaltung verhindert werden? 

    Jetzt kündigt Schwarz an, ein Video über die Hanf-Diskussion mit CSU-Stadträtin Sabine Wolfinger zu veröffentlichen. Wie er gegenüber der Redaktion erklärt, habe er mit Wolfinger seinerzeit vereinbart, die Veranstaltung in Bild und Ton aufzuzeichnen und zu veröffentlichen. Als Termin dafür sei der 11. Januar abgesprochen gewesen.

    In den Wochen nach der Razzia habe Wolfinger aber versucht, die Veröffentlichung des Videos zu verhindern und soll mit einer Unterlassungsklage gedroht haben. "Wir sehen das Video als sehr gelungen an und empfinden das Podiumsgespräch als aufschlussreich, respektvoll und informativ", heißt es in der Pressemitteilung von Cannameleon. Marcel Apostolov, Verantwortlicher der Facebookseite des CSU-Kreisverbandes Würzburg, betont später, dass der Kreisverband nicht Veranstalter des Bürgerstammtisches gewesen sei.

    Bürgerstammtisch zum Thema Hanf mit Lukas Schwarz (links) und Sabine Wolfinger (rechts). Foto: Cannameleon GmbH

    Stadträtin fürchtet Verunglimpfung 

    Auf die Anfrage dieser Redaktion bestreitet Sabine Wolfinger die Vorwürfe. Mit einer Unterlassungsklage hätte sie niemals gedroht, vielmehr habe sie gegenüber Cannameleon erklärt, sich rechtliche Schritte vorzubehalten. Das habe schlicht den Grund, dass sie nicht wisse, wie das Video gestaltet sei. Aufgrund einer Ankündigung über das soziale Netzwerk Instagram fürchte sie eine "reißerische Aufmachung" des Mediums.

    Dort sei auf das Video mit ihrem Namen - verziert mit Flammen - hingewiesen worden. "Wenn es wirklich nur das Video der Podiumsdiskussion ist, so wie sie stattgefunden hat, habe ich kein Problem mit einer Veröffentlichung", erklärt Wolfinger. 

    Erlaubnis zur Veröffentlichung nun doch erteilt 

    Wenige Wochen nach der Pressemitteilung von Cannameleon erteilt Sabine Wolfinger dann doch ihre Erlaubnis, das Video zu veröffentlichen. "Ich wollte langsam, aber sicher mal die Kuh vom Eis bringen", erklärt sie. Das habe nichts mit ihrem CSU-Kreisverband zu tun, der sich zuvor von der Veranstaltung der Stadträtin distanzierte: "Hanf ist in der Schmerztherapie ein wichtiges Mittel, darüber sollte man reden. Da ist nichts negatives dabei."

    Vielmehr soll Schwarz die Aktion zu Werbezwecken für seine neuen Geschäfte missbraucht haben, so Wolfinger. Außerdem stehe er der grünen Jugend nahe, weshalb der Zeitpunkt der Veröffentlichung vermutlich während des Wahlkampfes gewählt worden sei, vermutet Wolfinger. 

    "Ich wollte langsam, aber sicher mal die Kuh vom Eis bringen."
    Sabine Wolfinger, CSU-Stadträtin

    Die CSU zu diffamieren sei nicht sein Anliegen gewesen, beteuert hingegen Schwarz. Zudem sei er unpolitisch und habe keinen Kontakt zur grünen Jugend. Diese hätten ihm lediglich nach der Razzia in seinem Geschäft den Rücken gestärkt: "Wir hätten uns über jede Unterstützung gefreut. Auch von den anderen Parteien", erklärt Lukas Schwarz.

    Dass bis zur Veröffentlichung des Videos mehrere Wochen verstreichen, liege daran, dass hier ein professionelles Filmteam beauftragt wurde. Das Filmmaterial musste gesichtet, geschnitten, vertont und bearbeitet werden: "Das braucht seine Zeit." Außerdem wolle er das Video noch einmal von seinem Anwalt prüfen lassen, da er sich nach der Razzia noch immer in einem laufenden Verfahren befinde, so Schwarz. Als neuen Veröffentlichungstermin plant Cannameleon nun den 23. Februar.

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