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    WÜRZBURG

    Radeln gegen die Einbahnstraße

    Bereits erlaubt: Radfahren in Gegenrichtung in der Karmelitenstraße.
    Bereits erlaubt: Radfahren in Gegenrichtung in der Karmelitenstraße.

    So viele Einbahnstraßen wie möglich in Gegenrichtung für den Radverkehr freigeben: Auch das ist einer der zentralen Punkte im Radverkehrskonzept (RVK) der Stadt, durch das Würzburg künftig deutlich fahrradfreundlicher werden soll – und das Thema des sechsten Teils unserer Serie „Mit dem Rad durch Würzburg“.

    „Radfahrer sind umwegempfindlich“, sagt Matias Schwabenländer von der Arbeitsgemeinschaft Radverkehr der lokalen Agenda 21. Soll heißen: Sind die legalen Wege mit dem Fahrrad durch die Stadt zu umständlich und mit Umwegen verbunden, dann bleibt der Drahtesel häufig im Fahrradkeller stehen. Eine der am einfachsten umzusetzenden Lösungen ist der Zweirichtungsverkehr für Radfahrer in dafür geeigneten Einbahnstraßen, der deshalb im Radverkehrskonzept einen hohen Stellenwert hat.

    Rund 50 Einbahnstraßen sind schon freigegeben

    Die Bestandsanalyse für das RVK hat ergeben, dass es allein im Innenstadtbereich rund 50 Einbahnstraßen gibt, von denen etwa die Hälfte bereits für den Radverkehr auch in Gegenrichtung freigegeben ist – zum Beispiel die Hofstraße und die Karmelitenstraße, wo der Gegenverkehr trotz gefühlter Enge gut funktioniert.

    Die rechtlichen Voraussetzungen sind einfach: Jede Einbahnstraße mit Tempo 30 als zulässiger Höchstgeschwindigkeit und ausreichender Fahrbahnbreite für die Begegnungen – bei regelmäßigem Bus- und Lastwagenverkehr mindestens 3,50 Meter – kann für Radfahrer in Gegenrichtung freigegeben werden. „Man kann sogar soweit gehen und sagen, dass Einbahnstraßen im Regelfall freigegeben werden müssen“, betont Schwabenländer, der auch Vorstandsmitglied im Würzburger ADFC und VCD ist. Verboten werden könne der Radverkehr in Gegenrichtung nur, wenn eine „besondere, das allgemeine Verkehrsrisiko übersteigende Gefahrenlage“ vorliege.

    Tendenziell ehrer weniger Unfälle

    Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen hat ergeben, dass die Unfallzahlen mit Radfahrern in Einbahnstraßen nach der Öffnung in beide Richtungen in der Regel leicht zurückgehen und die Unfälle auch nicht schwerer ausfallen als vorher. „Tendenziell sind also eher positive Wirkungen zu verzeichnen“, so Schwabenländer.

    Im Radverkehrskonzept sind 29 Einbahnstraßenabschnitte im Innenstadtbereich aufgezählt, die noch einzeln auf die Tauglichkeit für den Zweirichtungsradverkehr überprüft werden müssen. Sieben davon liegen im Bereich des geplanten und in der Umsetzung befindlichen Hauptroutennetzes für den Radverkehr. Keine Probleme dürfte es nach den Analysen des Planungsbüros in der Kaiserstraße, Theaterstraße und der Jehuda-Amichai-Straße geben. Auch die Münz- und die Peterstraße, in der bereits jetzt regelmäßig Radfahrer in Gegenrichtung unterwegs sind, ist laut RVK breit genug, um freigegeben zu werden. „Damit wird eine fast schon Jahrzehnte lange Forderung der Würzburger Radfahrer bestätigt“, sagt Hans-Jürgen Beck, Mitglied im Radverkehrsbeirat der Stadt.

    Getrennter Radweg am Kranenkai empfohlen

    Anders sieht es am Kranenkai aus, für den aus Sicherheitsgründen ein getrennter Radweg empfohlen wird. In der Sanderstraße, wo die Gleisanlagen der Straßenbahn immer wieder gerne als Radweg in beide Richtungen genutzt werden, reicht die Fahrbahnbreite nicht aus. Nach einer Freigabe der Münz- und Peterstraße gäbe es aus Sicht der Radverkehrsverbände dafür aber eine alternative Hauptverbindung: „Ein weiteres Argument für die Öffnung dieses Straßenzugs in Gegenrichtung“, betont Beck.

    (Noch) nicht erlaubt: Radfahren in Gegenrichtung in der Münzstraße.
    (Noch) nicht erlaubt: Radfahren in Gegenrichtung in der Münzstraße. Foto: Patrick Wötzel
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    Von unserem Mitarbeiter Patrick Wötzel

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