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    Thüngersheim

    Raser-Vorwürfe: Kommandant der Feuerwehr meldet sich zu Wort

    Seit Jahren kritisieren die Thüngersheimer, dass die Feuerwehr Thüngersheim bei Einsätzen durch den Ort rasen würde. Nun meldet sich der Erste Kommandant zu Wort. Foto: Carolin Lemuth
    Sandro Saccavino, der Erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Thüngersheim. Foto: Sandro Saccavino

    Seit Jahren kritisieren die Thüngersheimer, dass die Feuerwehr bei Einsätzen durch den Ort rasen würde - so auch bei der diesjährigen Bürgerversammlung im Oktober (wir berichteten). Der Erste Kommandant der Thüngersheimer Feuerwehr, Sandro Saccavino, sieht seine Truppe in ein falsches Licht gerückt und erklärt in unserem Interview, warum es bei der Problematik gar nicht um die Feuerwehr gehe, sondern um einzelne Rettungskräfte der "Helfer vor Ort".

    Frage: Herr Saccavino, Sie haben sich über den Bericht der Bürgerversammlung, dass die Feuerwehr durch den Thüngersheimer Altort rase, geärgert.

    Sandro Saccavino: Ja, weil es mir wichtig ist, die Verantwortlichen für unangemessene Fahrweisen konkret zu unterscheiden. Als Erster Kommandant der Feuerwehr kann ich versichern, dass es nicht die Feuerwehrleute sind, die durch den Ort rasen. Außerdem ist es mir persönlich sehr wichtig, dass wir im Rahmen unserer lebensrettenden Hilfeleistung nicht andere gefährden.

    Wer rast dann?

    Saccavino: Seit 2014 betreibt die Feuerwehr Thüngersheim mit der Wasserwacht Thüngersheim einen gemeinsamen "Helfer vor Ort"-Standort. Dies hat zur Folge, dass Einsatzkräfte beider Organisationen bei Notfällen zu Ersthelfer-Einsätzen ausrücken. Um festzustellen, wer genau rast, benötigen wir nähere Angaben. Im Übrigen wird die Feuerwehr immer per Sirene alarmiert, von daher kann schon festgestellt werden, ob es ein reiner Feuerwehr-Einsatz ist.

    Wie werden dann die "Helfer vor Ort" (HVO), also Ersthelfer, alarmiert?

    Saccavino: Die First Responder werden immer per Funkmeldeempfänger über die Rettungsleitstelle alarmiert. Also immer ohne Sirene. Alle First Responder von Wasserwacht und Feuerwehr kommen bei einer Alarmierung zum Feuerwehrhaus und fahren von dort mit dem HVO-Fahrzeug zum jeweiligen Einsatzort. Bekannt ist uns, dass sich Beschwerden auf den Weg vom Wohnort des jeweiligen Helfers zum Feuerwehrhaus beziehen. Aus meiner bisherigen Erfahrung waren nie Feuerwehrleute Grund zu Beschwerden.

    Wie können Sie sich da sicher sein?

    Saccavino: Zum einen lassen sich Wohnort, Fahrzeug und Weg sehr genau einzelnen Hilfskräften zuordnen. Zum anderen unterweisen wir regelmäßig mindestens einmal im Jahr alle Feuerwehrleute über den angemessenen Einsatz von Sonder- und Wegerechten ("Blaulichtbelehrung"). Darüber hinaus habe ich schon vor langer Zeit angeordnet, dass diese Rechte ausschließlich angemessen angewendet werden dürfen.

    Wo können sich die Bürger dann beschweren, wenn unangemessen gefahren wird?

    Saccavino: Gerne beim Bürgermeister, beim Ersten Kommandanten der Feuerwehr oder beim Leiter der Wasserwacht. Ich bitte darum, möglichst genaue Angaben zu machen - zum Beispiel, welche Uhrzeit, welcher Fahrzeugtyp mit oder ohne Blaulicht und Martinshorn. So kann ich nachvollziehen, welcher Helfer von welcher Organisation anzusprechen ist. Bürgermeister und Kommandant haben nur auf Feuerwehrleute disziplinarischen Einfluss. Nach unserer Erfahrung handelt es sich nicht um Feuerwehrleute und wir geben die notwendigen Informationen an die Leitung der Wasserwacht weiter.

    In näherer Zukunft wird sich am HVO-Standort in Thüngersheim auch etwas ändern, oder?

    Saccavino: Ja, richtig. Wie bekannt ist, baut die Wasserwacht derzeit eine neue Unterkunft am Straßacker und hat bereits mitgeteilt, dass das HVO-Fahrzeug dann dort stationiert wird.

    Was Einsatzkräfte im Straßenverkehr dürfen
    Einsatz- und Rettungskräfte genießen Sonderrechte im Straßenverkehr, die in § 35 und § 38 der StVO genau geregelt sind. Sie dürfen etwa Sirene und Martinshorn benutzen und genießen das sogenannte Wegerecht, wodurch ihnen alle Verkehrsteilnehmer unverzüglich Platz zu machen haben.
    Auch dürfen Einsatzkräfte beispielsweise gegen die Fahrtrichtung fahren, rote Ampeln und Tempolimits missachten. Wichtig: Sonderrechte entbinden nicht von der Sorgfaltspflicht im Straßenverkehr; die öffentliche Sicherheit und Ordnung muss berücksichtigt und darf dabei nicht gefährdet werden.

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