• aktualisiert:

    Winterhausen

    Rauschgift in der Windel

    Dass ein Baby ein kleiner Mensch ist, der mit Milch und frischen Windeln versorgt werden muss, weiß heutzutage wahrscheinlich auch der letzte Mann. Zu den Herren der Schöpfung des Jahres 1985 war diese Erkenntnis wohl noch nicht durchgedrungen. Damals schrieb Regisseurin Coline Serreau das Drehbuch zu dem Film "Drei Männer und ein Baby" - mit jeder Menge Situationskomik und dem augenzwinkernden Hinweis auf die Fragwürdigkeit von konventionellem Rollenverständnis zwischen Mann und Frau.

    Im Theater Sommerhaus in Winterhausen hatte diese französische Komödie eine gelungene Premiere. Unter der routinierten Regie von Brigitte und Mascha Obermeier, die voller Tempo und mit vielen Schnitten und Lichteffekten arbeitet, erleben die Zuschauer, wie es in der Pariser WG der eingefleischten Junggesellen Jacques, Pierre und Michel zugeht. Da geben sich junge Damen die Tür in die Hand, da zählen Parties und schnelle Nummern.

    Ein wichtiges Päckchen wird angekündigt

    Besonders Jacques, ein Macho per Excellence - von Bodo Koch frech und selbstbewusst dargestellt - hat ständig was am Köcheln. Für alle drei gilt das Motto "Frauen ja, Mütter und Ehefrauen nein". Bis zu dem Tag, an dem Pierre und Michel ein Baby in einem Waschkorb vor ihrer Tür finden. Ein Hinweisblatt klärt sie auf, dass die kleine Marie die Tochter von Jacques ist, der seinerzeit ein Verhältnis mit Sylvie hatte, der mit dem Muttermal auf der rechten Hüfte.

    Jacques hatte vor seiner Abreise in den Urlaub nach Thailand ein wichtiges Päckchen angekündigt, auf das die Freunde sorgfältig ein Auge werfen sollten. Doch Pierre und Michel stehen so sehr unter Schock, dass sie das schreiende Kleinkind für das Päckchen halten und das eigentliche, das die Concierge in ihre Männerwirtschaft bringt, völlig übersehen. Das gesamte wildfröhliche Leben der Chauvis steht Kopf, denn was bleibt ihnen anderes übrig, als sich mit Füttern und Wickeln und in-den-Schlaf-singen auseinander zu setzten.

    Polizisten sind hinter Rauschgiftsendung her

    Um das Chaos vollkommen zu machen, mischen noch Gangster und Polizei mit. Die sind hinter einer Rauschgiftsendung her, die sie zu Recht in der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft vermuten, und die die Freunde raffiniert in einer Windel verstecken. In Kojak-Manier mit Lolli im Mund schnüffeln Heiko Schnierer und Bodo Koch im legendären Trenchcoat, der in einer Doppelrolle auch Jacques gibt, als Flics nach den Drogen. Das ergibt Drive und witzige Momente.

    Wenn Raoul Migliosi als Michel eine Szene im Park schildert, in der er die Polizei an der Nase herumführt, bleibt kein Auge trocken. Zu Hochform blüht auch Thomas Mangold als Pierre auf, der gemeinsam mit seinem WG-Genossen Michel Vater Jacques knallhart zur Rede stellt. Dass sich die Männer langsam aber sicher in die Kleine verlieben, bleibt natürlich nicht aus. In kleineren Rollen ergänzen das sich im Verlauf des Stücks immer freier spielende Männertrio Brigitte und Mascha Obermeier.

    Drei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Würzburg-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!