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    Kürnach

    Rechtsextreme Schmierereien: Ein Dorf zieht die Lehren

    Rechtsextreme Schmierereien wie diese prangten an vielen Wänden in Kürnach. Foto: Matthias Demel

    Hakenkreuze, "Sieg-Heil"-Schmierereien, oder Sprüche, wie "Asylanten raus": Jede Menge solcher  rechtsextremer Graffiti prangten an Wänden und auf Brückenpfeiler in Kürnach. Antja Schrader-Dorner, die Leiterin des Familienstützpunktes, ist geschockt. Es ist nicht das erste Mal, dass Kürnach durch rechtsextreme Umtriebe auffällt. Im August 2004 trafen sich etwa 600 Skinheads zu einer angeblich privaten Geburtstagsfeier auf einem Aussiedlerhof.

    "Das es so etwas quasi direkt in der Nachbarschaft gibt, ist für mich schon sehr erschreckend", sagt Schrader-Dorner. Bisher seien zwar vereinzelt Jugendliche mit rechten Parolen und seltsamem Verhalten aufgefallen, aber dieses Ausmaß, hat die Fachfrau in der Jugend- und Familienarbeit völlig überrascht.

    Verstöße gegen des Waffengesetz

    Wie berichtet, gab es in Kürnach eine Serie von zum Teil rechtsmotivierten Straftaten, überwiegend Sachbeschädigungen durch Graffiti. Die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren stehen im dringenden Verdacht, in wechselnder Besetzung an insgesamt 16 Straftaten beteiligt gewesen zu sein, hatte das Polizeipräsidium Unterfranken mitgeteilt. Abgesehen von den Sachbeschädigungen wird gegen einige aus der Gruppe auch wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt. Sie sollen zum Teil unberechtigt Schreckschuss- und sogenannte Softairwaffen mitgeführt und damit auch geschossen haben. Bisher seien die jungen Leute noch nicht wegen politisch motivierter Straftaten in Erscheinung getreten. Die Betroffenen seien umfassend geständig, teilt die Polizei mit. 

    Leiter des Jugendzentrums will externe Berater

    Tief getroffen von den Vorkommnissen zeigt sich auch Oliver Bartula, der noch bis 1. August das  Jugendzentrum leitet. Mehr als sieben Jahre hat er die Jugendarbeit im Jugendtreffpunkt gestaltet und dort großen Wert auf rassismuskritische und demokratiefördernde Bildungsarbeit und Strukturen gelegt. Immer wieder habe er zusammen mit den Jugendlichen thematisiert, warum es wichtig sei, alle Menschen gleich zu behandeln, warum Rassismus keinen Platz haben darf.

    ""Das es so etwas direkt in der Nachbarschaft gibt, ist für mich schon sehr erschreckend."
    Antja Schrader-Dorner, Leiterin des Familienstützpunktes,

    "Ich weiß nicht, wer jetzt genau zu der betreffenden Gruppe gehört. Aber allein durch die Tatsache, dass es Jugendliche waren und ich im Ort mit Jugendlichen arbeite, fühle ich mich sehr betroffen." Bisher seien im JUZ zwar keine Jugendlichen aufgefallen, die zum Rechtsextremismus neigen, trotzdem steht für ihn und seine Nachfolger fest: "Wir müssen in dieser Richtung noch genauer hinsehen, noch besser zuhören und noch intensivere Gespräche darüber führen, was die Jugendlichen denken und fühlen. Dazu werden wir uns in jedem Fall auch Berater von außerhalb ins JUZ holen."

    Dumme-Jungen-Streich oder rechtsextremes Gedankengut?

    Antja Schrader-Dorner betreut in ihrer Funktion auch das Team für das Kürnacher Jugendzentrum. Auch sie bestätigt, dass die neuen Mitarbeiter fürs JUZ gezielt geschult werden sollen, um ganz sicher zu gehen und eventuellen Sympathisanten der Gruppe frühzeitig entgegenzutreten. "Wir haben schon immer einen guten Draht zum Jugendamt, arbeiten thematisch und präventiv eng mit Kreisjugendpfleger Stephan Junghans zusammen. Das werden wir in jedem Fall künftig noch mehr zur Prävention nutzen." Einfach über die Sache hinweggehen, werde man auf keinen Fall, auch wenn es derzeit keine Hinweise darauf gebe, dass Rechtsextremismus in Kürnach weiter verbreitet ist.

    Bürgermeister Thomas Eberth bestätigt, dass die Kommune in der Sache frühzeitig mit der Polizei zusammenarbeitete. Angesichts des jugendlichen Alters der Betroffenen, warnt er davor, die Sache zu groß aufzublasen. "Man muss schon genau hinschauen, bei wem es sich schlicht um sinnlose Dumme-Jungen-Streiche handelte und bei wem nicht. Generell kann man das Verhalten aber natürlich nicht kommentarlos durchgehen lassen." Darum habe sich die Gemeinde beispielsweise auch entschieden, wegen der Sachbeschädigung Strafanzeige zu stellen.

    Radikalisierung soll künftig frühzeitig erkannt werden

    Um der im Ort entstandenen Verunsicherung unter Eltern zu begegnen, soll das Personal im Jugendzentrum wie auch im Familienstützpunkt noch besser fürs Thema sensibilisiert werden. "Auch wenn ich nicht glaube, dass die rechtsextremen Ansichten der Betroffenen in Kürnach große Kreise gezogen haben. Die Fachleute in der Kommune müssen wissen und weitervermitteln können, was erste Anzeichen für Radikalisierung sind, wie man diese erkennen und ihnen begegnen kann."

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