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    REMLINGEN

    Remlinger Eierlauf: Sammler gewinnt Wettstreit mit Läufer

    Beim traditionellen Eierlauf in Remlingen wird manches Maß angelegt – 74 Mal das zwei Fuß messende Maß auf dem Zentberg und in größerer Zahl die vom rohen Ei goldgelb gefärbte Maß Bier an die Lippen. Letztere hatten sich am Montagnachmittag nach ihrer Rennerei auch Sammler Robert Hünlein und Läufer Justus Kachel verdient. Knapp hatte Hünlein beim Wettstreit die Nase vorn und holte unter den Augen von rund 600 Zuschauern den Sieg.

    Natürlich ist der Eierlauf auf dem Zentberg der viel beachtete und bestaunte Höhepunkt des Tages. Doch alleine für sich wäre der Wettbewerb bestenfalls ein Spektakel. Seinen Wert für die Dorfgemeinschaft gewinnt der Eierlauf durch die überlieferte Tradition, die nun schon 280 Jahre trägt.

    Es geht nach festen Regeln

    Seit Gräfin Dorothea Renata von Castell-Remlingen im Jahre 1738 auf ihren Eier-Zehnt verzichtete, haben sich die Remlinger feste Regeln gesetzt: Unbegründet ausfallen darf der Lauf nie – nur während der Weltkriege gab es kurze Pausen. Und teilnehmen dürfen nur unverheiratete und unbescholtene Burschen. Wer läuft, entscheidet erst kurz vorher das Los beim Halt, den der Festzug vom Schafhof hinauf zum Zentberg auf dem Marktplatz macht.

    Hier kamen die rund 50 jungen Männer auch schon am Morgen zusammen. Von „Eierlauf-Bürgermeister“ David Kachel wurden sie von dort zum Eiersammeln in die fünf Ortsbereiche ausgesandt. Wer wo sammelt, entscheidet sich für jeden Burschen bei seiner ersten Teilnahme am Eierlauf. Diesem Quartier bleiben die Neulinge, auch „Hasen“ genannt, dann Zeit ihres Eierlauf-Lebens treu. Wohin es einen verschlägt, entscheidet der Chef. Kachel, im zweiten Jahr „Eierlauf-Bürgermeister“, wies den einzigen diesjährigen „Hasen“ Adrian Stenke dem Quartier Köhler zu. Weitere Remlinger Viertel heißen Yankee, Zamberie, Schwarze und Greußen.

    „Benehmt euch und schaut, dass ihr heute nachmittag in guter Verfassung seid“, verabschiedete Kachel die Truppe, in der neben den Sammelkörben, auch jeder seine individuell geflochtenen und mit bunten Bändern geschmückten Birkenreiser trug. Zuvor hieß es freilich nochmals „1, 2, 3 – Eierlaufschrei“, dem ein durchdringendes Jauchzen folgte.

    Mit den an den Haustüren gesammelten Eiern und angeführt von der Musikkapelle Auftakt Remlingen unter Stabführung von Peter Sebold wurde am Nachmittag durchs Dorf gezogen. Nicht alle Burschen, so schien es, hatten den Appell ihres „Bürgermeisters“ ernst genommen. Das Los meinte es gut mit ihnen. Es fiel auf zwei Sportsmänner, die ihrer Aufgabe tapfer ins Auge sahen und sie unter der warmen Frühlingssonne mit Bravour meisterten.

    75 harte und zwei rohe Eier

    Die Laufbahn auf dem Zentberg legten „Eierlauf-Bürgermeister“ David Kachel, sein Stellvertreter Johannes Wehr und Schriftführer Pascal Pink akkurat an der Schnur entlang mit 75 bunten Eiern aus. Eines nach dem anderen, beginnend an dem am weitest entfernten, trug Sammler Robert Hünlein nach dem Start zum Korb im Ziel, während sich Läufer Justus Kachel mit zwei rohen Eiern zum gut zwei Kilometer entfernten Eierlaufstein machte. Dort zerschlug er eines und eilte zum Zentberg zurück. Nur rund zweihundert Meter fehlten ihm am Schluss. Sammler Robert Hünlein als Sieger musste ihm also nicht allzu weit entgegen laufen.

    Mit Festbetrieb und Tanz wurde dann der Tag beschlossen, wobei die Kapelle Auftakt Remlingen und die FrankenBengel für Musik sorgten.

    Von unserem Redaktionsmitglied Joachim Spies

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