• aktualisiert:

    Würzburg

    Revolutionäre und Rebellen: Würzburgs wilde Seite

    Im Juli 1990 demonstrierten rund 1000 Menschen dafür, dass das Autonome Kulturzentrum (AKW)  einen Mietvertrag für Räume in der ehemaligen Patrizier-Brauerei bekommt. Foto: Ruppert

    Barockes Würzburg? Weinseliges Würzburg? Ja, dieses Würzburg gab und gibt es natürlich. Aber  wenn es nach dem Journalisten und Stadtführer Wolfgang Jung geht, dann konnte auch Würzburg das sein, was man zunächst wohl eher mit Paris oder Berlin verbindet – nämlich wild. "Wildes Würzburg!" heißt folgerichtig auch die Reihe, in der Jung zurzeit heimische Revolutionäre, Nazi-Gegner und Rebellen aus dem 20. Jahrhundert vorstellt.

    "Ihre Geschichten finden sich alten Zeitungen, Akten, Autobiografien und in der Fachliteratur, aber zum Kulturgut und zum Selbstverständnis der Würzburgerinnen und Würzburger gehören sie nicht", lässt der Autor in einer Pressemitteilung wissen – und diesen Zustand will er ändern. 

    Wolfgang Jung, der als freier Journalist auch für diese Redaktion arbeitet, findet die Geschichten von den Kämpfen und Träumen der alten Würzburger inspirierend. „Sie sind ein Ansporn für jene, die heute gegen die antidemokratische Rechte auf die Straße gehen und an den Stammtischen und in den Parlamenten gegen sie antreten“, sagt er. Auch Würzburg habe eine "Tradition im Streit um eine gerechte, solidarische Welt“. Am vergangenen Montag beschäftigte sich Jung zum Auftakt seiner Reihe bereits mit der Würzburger Räterepublik von  1919

    Am Montag, 15. April, stellt er nun Würzburger vor, die in den 1930er und 1940er Jahren gegen die Nationalsozialisten und mit den Internationalen Brigaden gegen die spanischen Faschisten kämpften. Im Mittelpunkt stehen Karl Weller und die Familien Hornung und Kehrle. Jung erzählt ihre Geschichten und präsentiert Ton- und Videoaufnahmen.

    Um die Geschichte des in den 1960er Jahren international bekannten, heute vergessenen Würzburger Nazi-Jägers Elmar Herterich geht es am Montag, 22. April. Anhand der weltweiten Berichterstattung aus über 100 Medien zeigt Jung Herterichs Kampf gegen ehemalige Nazi-Richter in der Würzburger Justiz. Im Zentrum steht ein 15-minütiger Beitrag des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1963 über die NS-Verstrickungen prominenter Würzburger.

    Die Reihe endet am Montag, 29. April, mit der wilden und bunten Geschichte des Autonomen Kulturzentrums Würzburg (AKW) in den 1980er Jahren. Jung erzählt sie mit Bild- und Tondokumenten und als Zeitzeuge –als AKW-Mitarbeiter war er mittendrin.

    "Wildes Würzburg!" findet jeweils statt im Theater am Neunerplatz, Adelgundenweg 2a, immer um 20 Uhr.  Der Eintritt kostet 8 Euro. Leute ohne oder mit geringem Einkommen zahlen nach ihren Möglichkeiten. Reservierung im Theater am Neunerplatz: Telefon (0931) 415443. 

    Bearbeitet von Torsten Schleicher

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!