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    Thüngersheim

    Rodungen in Thüngersheim: Was taugt die Aufforstungsfläche?

    Bei Greußenheim befindet sich eine zwei Hektar große Aufforstungsfläche für die Erweiterung des Steinbruchs Benkert in Thüngersheim. Foto: Thomas Fritz

    Für die einen ist es Gestrüpp. Kaum wüchsige Waldbäume, einzelne Buschformen, hier und da mal ein Ahornbaum. Auf einem 2,08 Hektar großen Grundstück in Greußenheim soll ein Wald wachsen. Die Fläche gehört der Gemeinde. Sie hat es wiederum an die Firma Benkert verpachtet. Das Unternehmen ließ hier Bäume anpflanzen - ein Pflichtausgleich für den Thüngersheimer Wald, den die Baustoff-Firma für die Erweiterung ihres Steinbruchs roden ließ. 

    Greußenheims Bürgermeisterin Karin Kuhn zuckt beim Anblick der mickrigen Gewächse mit den Schultern. "Ob hier jemals was wächst?" Denn die mageren Wiesen haben seit 20 Jahren kein Körnchen Dünger mehr gesehen. Die Greußenheimer haben das in ihrem Wasserschutzgebiet verboten. Dafür haben sie beste Nitratwerte. 

    In Reih und Glied gepflanzt

    "Von einem zukünftigen klimatoleranten, stabilen und qualitativ wertigen Laubwald ist hier erstmal nicht viel zu sehen", sagt Karl-Georg Schönmüller, Waldexperte beim Bund Naturschutz. Taugt die Aufforstungsfläche also überhaupt etwas?

    Zuständig ist die Forstabteilung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Forstdirektorin Elfi Raunecker und ihr Referendar Simon Hösch haben sich auch die Aufforstungsfläche in Greußenheim angesehen. Sie sind zufrieden. Am Rand wachsen Sträucher und Hecken, die gut mit der Trockenheit klar kommen. Um die angepflanzten Bäume besser pflegen zu können, wurden sie in Reih und Glied gepflanzt, erklären die Forst-Experten. Freilich gibt es auch eingegangene Bäume, die ersetzt werden müssen. "Etwa 10 Prozent", schätzt Simon Hösch. Im Frühjahr werde sich das zeigen. Dann entdeckt er eine Elsbeere. "Sie hat die Trockenheit des Sommers gut überstanden." Er schätzt, dass das Bäumchen um gut 40 Zentimeter gewachsen ist. 

    Magere Wiesen mit nährstoffreicher Erde

    Dann nehmen die Förster eine Bodenprobe, lassen die Erde durch ihre Finger rieseln und kommen zu dem Ergebnis, dass der Standort für eine Aufforstungsfläche sehr gut sei. "Der Boden ist nährstoffreich und kann das Wasser gut halten", sagt Elfi Raunecker. "Hier kann Wald wachsen." Und ihr junger Kollege ergänzt: "Der Aufwand für eine solche Fläche ist enorm. Jedes Jahr muss gemäht werden." Wenn die Kronen der einzelnen Bäume aneinander stoßen, Förster sprechen von einem Dickungsschluss, dann ist die Aufforstung gelungen.

    Aufforstungsfläche bei Greußenheim: Simon Hösch und Elfi Raunecker von der Abteilung Forsten beim AELF nehmen eine Bodenprobe. Foto: Thomas Fritz

    Auch Karl-Georg Schönmüller ist überzeugt, dass "hier einmal langfristig ein Wald entsteht". Allerdings sagt er auch, dass die Pflanzen gerade mal ein Drittel so hoch gewachsen sind, wie sie eigentlich sein sollten. Nach fünf, sechs Jahren sollten die Bäume mittlerweile zwei Meter hoch sein, sagt er. "Diese kleinen Bäumchen haben richtig zu kämpfen", stellt Schönmüller fest und weiß: "Heutzutage müssen solche Flächen im Frühjahr gewässert werden." Fachleute würden auch so einen Schub empfehlen, damit sich das Wurzelwerk entwickeln kann. Elfi Raunecker und ihr Forst-Kollege sehen dies anders. "Die Wurzel des Baumes muss nach unten, um ans Grundwasser zu kommen", sagen sie.  Gießen sei da kontraproduktiv, weil sich dadurch die Wurzel in der Fläche ausdehnen würde. "Die Wurzel muss erst einmal überleben, damit sie in die Tiefe gehen kann", hält Schönmüller dagegen.

    Nur 19 Prozent Wald im Landkreis Würzburg

    Benkert tut sich schwer, überhaupt Aufforstungsflächen im Landkreis Würzburg zu finden, weiß Elfi Raunecker. Daher versuchte er es kürzlich bei den Nachbarn in Main-Spessart. Kürzlich erst hat der Retzbacher Gemeinderat der Baustoff-Firma eine Abfuhr erteilt. Sie wollte in Retzbach 12,5 Hektar Laubwald auf einem sandigen Boden aufforsten. Der Gemeinderat bezweifelte aber, dass die  Verhältnisse überhaupt dafür geeignet sind. "In Ausnahmefällen gestatten wir auch die Aufforstung in einem anderen Landkreis", sagt Raunecker. "Aber grundsätzlich bestehen wir darauf, dass jede Waldfläche, die im Landkreis Würzburg gerodet wird, auch ausgeglichen wird. Denn im Landkreis Würzburg sind nur 19 Prozent der Fläche mit Wald bedeckt." 

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