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    EßFELD

    Rückschlag für die Bildungsschmiede

    Sandra Leist (links) und Silke Sponsel haben alle Hände voll zu tun, um die künftigen Schulräume ihrer „Bildungsschmiede... Foto: Gerhard Meißner

    Für die Gründerinnen der „Bildungsschmiede Eßfeld“ ist es ein herber Rückschlag. Auch im zweiten Anlauf verweigerte der Giebelstadter Gemeinderat dem privaten Schulprojekt die gewünschte Starthilfe in Form eines zinslosen Kredits in Höhe von 150 000 Euro. Der Trägerverein „Insel der Bildung“ hat nun nur noch wenige Tage Zeit, um eine gesicherte Finanzierung auf die Beine zu stellen.

    Eine Schule ohne Leistungsdruck, ohne Noten und ohne feste Klassen soll es werden.Über 100 solcher „freien und demokratischen“ Schule gebe es inzwischen in Deutschland, sagen Silke Sponsel und Sandra Leist, die den Trägerverein im Frühjahr 2017 gegründet haben.

    Den natürlichen Wissensdurst stillen

    Die Lerninhalte orientieren sich zwar an den staatlichen Lehrplänen der Grund- und Mittelschulen, und auch die Abschlussprüfungen finden an einer staatlichen Kooperationsschule statt. Die Schüler sollen aber weitgehend frei entscheiden können, wie sie gemeinsam mit ihren Lehrern diesen Lernstoff erarbeiten wollen. Das Konzept setzt dabei auf den natürlichen Wissensdurst der Kinder.

    Zum Schuljahresbeginn in wenigen Wochen will die „Bildungsschmiede Eßfeld“ in einem privaten Wohnhaus an den Start gehen. 22 Kinder in den Jahrgangsstufen eins bis zehn der Grund- und Mittelschule seien angemeldet, so Sandra Leist. Unterrichtet und betreut werden sie von zwei Lehrern und einer Erzieherin.

    Zweijährige Startphase

    Mindestens 14 Schüler sind nötig, damit die Schule in den Genuss des staatlichen Personalkostenzuschusses kommt. Allerdings zahlt der Staat diesen Zuschuss in den ersten beiden Jahren nur zu 65 Prozent aus. Erst wenn sich die Schule nach zwei Jahren etabliert hat, gibt es zu den Personalkosten sogar noch eine Sachkostenpauschale. Um diese Startphase zu überbrücken, hat der Trägerverein die Gemeinde um ein zinsloses Darlehen ersucht.

    Von dieser Startfinanzierung hängt auch die Genehmigung der Privatschule durch die Regierung von Unterfranken ab. Noch ist diese Genehmigung nicht erteilt. Erst Anfang September findet der entscheidende Ortstermin statt, sagt Silke Sponsel. Bis dahin müssen die Schulräume fertig sein.

    Zu wenig Sicherheiten

    Ende Juli hatte der Gemeinderat bereits zum ersten Mal über den Kreditantrag beraten und ihn abgelehnt. Das Gremium berief sich dabei auf einen Hinweis der Rechtsaufsicht am Landratsamts, die vor der Vergabe eines nicht ausreichend besicherten Darlehens gewarnt hatte. Nur ein kleiner Teil der Kreditsumme war damals durch Sicherheiten gedeckt.

    Der Trägerverein hat daraufhin nachgearbeitet und 30 Personen benannt, die mit jeweils 5000 Euro für die Kreditsumme bürgen würden. Aber auch damit konnte der Trägerverein den Gemeinderat nicht überzeugen. Bei der neuerlichen Beratung kamen auch grundsätzliche Zweifel am privaten Schulprojekt zur Sprache.

    Grundsätzliche Zweifel

    Dierk Bresler (BBO), von Beruf Rechtsanwalt, hält das angebotene Bürgschaftsmodell für zu kompliziert. Ernst Merz (UWG) und Erni Aumüller (BBG) sehen in der Kreditvergabe ein typisches Bankgeschäft, keine Aufgabe der Gemeinde, und Richard Reiter (BBG) äußerte generelle Zweifel an dem Vorhaben. Einen Fürsprecher fand die „Insel der Bildung“ lediglich in Ulrich Pabst (BBG). „Das Konzept ist innovativ, ich finde, dass die Gemeinde einen Teil des Risikos übernehmen sollte“, so Pabst in der Sitzung.

    Am Ende lehnte eine große Mehrheit den Kreditantrag erneut ab. Und auch der Kompromissvorschlag von Bürgermeister Helmut Krämer, den gemeinnützigen Trägerverein auf Basis der Vereinsförderung mit einem Zuschuss von 15 000 Euro zu unterstützen, fand nicht die erforderliche Zustimmung.

    Höhere Kosten

    Den Glauben an ihr Projekt haben Sandra Leist und Silke Sponsel durch diesen Rückschlag nicht verloren. Nur werde es jetzt eben darauf ankommen, in wenigen Tagen andere Geldgeber zu finden, oder das erforderliche Startkapital über ein Bankdarlehen zu finanzieren, so Leist. Jährliche Mehrkosten von 9000 Euro würden dadurch auf dem Projekt lasten.

    Dass sich die Privatschule nach der zweijährigen Startphase wirtschaftlich trägt, daran haben Sandra Leist und Silke Sponsel keinen Zweifel. Bis ins Jahr 2023 lägen bereits weitere Anmeldungen für die „Bildungsschmiede Eßfeld“ vor. „Das ist ein Indiz, dass der Bedarf da ist, aber die ersten beiden Jahre sind entscheidend“, so Leist.

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