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    AUB / BAMBERG

    Rundwanderung: Wo Kunigundes Schleier hängen blieb

    Wie gut, dass Ostwind wehte, als Kunigunde in Bamberg eines Tages drei Schleier aus der Hand ließ. Die später Heiliggesprochene hatte gelobt, jeweils dort eine Kapelle bauen zu lassen, wo die vom Winde verwehten Schleier auf die Erde niedergehen. So kam es, dass sich einer dieser Schleier in einer Linde zwischen den Dörfern Burgerroth und Buch im Kreis Würzburg verfing. Weit weg von Bamberg. Vom Ostwind getragen. Vor ungefähr 1000 Jahren.

    Kurios, wie die Kapelle entstanden ist

    Jene Linde steht heute noch. Sie ist im Zusammenhang mit dem Schleier Nährboden geworden für eine dieser zauberhaften, versteckten Geschichten, denen man auf Wanderungen im fränkischen Niemandsland immer wieder begegnet. Die in Bamberg residierende Kaiserin Kunigunde hielt im Übrigen ihr Wort: Sie ließ die nach ihr benannte Kapelle auf dem Altenberg bei Burgerroth bauen.

    Damit nicht genug der Mystik: Die Sage will es, dass auch die Menschen im benachbarten Buch zu jener Zeit eine kleine Kirche wollten. Also schleppten sie die Steine für die geplante Kapelle kurzerhand in ihren Ort. Doch wie von Zauberhand waren die Steine am nächsten Tag wieder auf dem Altenberg bei Burgerroth. Ein zweiter Versuch der Bucher blieb auch erfolglos, weshalb sie aufgaben und die Kunigundenkapelle dort errichtet wurde, wo sie heute noch steht.

    Zugegeben, das Kirchlein allein ist innen und außen nicht gerade pompös. Aber seine Lage im wunderschönen Nichts hoch über dem Flüsschen Gollach ist ähnlich betörend wie die Sage. Gesteigert wird das durch einen Felsen, der 150 Meter von der Kapelle entfernt in der Wiese liegt: Kleine Mulden in ihm sollen die Fuß- und Handabdrücke von Kunigunde sein, die einst zum Gebet auf dem Felsen kniete.

    Von einem Schmied, der seine Seele ließ

    Jene Mystik, diese Ruhe und die Natur rund um Kapelle und Linde – das macht diesen Ort zu einem Höhepunkt einer Wanderung im hintersten Zipfel des Landkreises Würzburg. Wer die etwa 15 Kilometer lange Tour in Aub beginnt (GPS-Daten zum Herunterladen), erreicht die Kapelle auf halbem Weg. Ideal also für eine Rast. Der Rundweg endet dann wieder in Aub, wo es Gastwirtschaften für den Ausklang gibt.

    An der Kapelle hat man einen herrlichen Blick hinab ins Gollachtal und bis hinüber zum Tal der Tauber, wo die aus dem Rand des Steigerwaldes kommende Gollach ihre Mündung hat. Dass die Tauber so nah ist, führt dazu, dass die Wanderung streckenweise entlang der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg führt. So finden sich im Abschnitt bei Waldmannshofen im Wald die alten Grenzsteine mit der Inschrift „KB“ für Königreich Bayern.

    Schauriges mit dem Teufel

    Viel älter als diese Zeit der Monarchen ist eine Sage, deren steinerne Reste direkt an der Gollach liegen: die Teufelsschmiede. Es gibt mehrere Varianten, was sich dort einst zugetragen haben soll. Die schaurigste: Mitten im Wald soll einst ein außerordentlich guter Schmied gearbeitet haben. Als im Bauernkrieg 1525 den Aufständischen die Waffen ausgingen, bestellten sie welche beim Schmied in großer Zahl. Der schuftete wie verrückt, wurde aber dennoch nicht fertig. Da kam der Teufel vorbei und bot sich als Gehilfe an. Sein Preis: Er wollte hernach die Seele des Schmieds. So kam es nur zum Teil zum Happy End: Der Schmied wurde mit Hilfe des Teufels zwar mit all den Waffen fertig – doch seine Seele war beim Teufel.

    Sagenumwobene Schmiede liegt mitten im Wald

    Auf die Schmiede weist nur ein kleines Schild am Wegesrand auf halber Strecke zwischen der Reichelsburg und der Kunigundenkapelle hin. Wer die wenigen Meter abzweigt, findet mitten im Wald Reste eines Mühlgrabens und von Mauern. Zugegeben, man braucht viel Fantasie, um sich auszumalen, was hier einmal stand. Aber die Sage allein reicht ja schon. . .

    Nicht minder schaurig: Auf der Reichelsburg bei Aub soll irgendwo ein Hund mit feurigen Augen leben. Er bewacht der Überlieferung nach einen Schatz. Wer ihn holen will, darf dabei kein Wort sprechen. Ansonsten verschwinden Hund und Schatz für immer. Den Schatz geholt hat bislang noch niemand – sagt man so. Wer Kinder auf die Wanderung mitnimmt, sollte sich die 1230 zum ersten Mal erwähnte Burg mit ihrem eleganten Turm nicht entgehen lassen. Denn Burggraben, Brücke, zwei Keller und der Innenhof der Ruine sind wie gemacht für Versteck- oder Ritterspiele. Wer zwischen Anfang Mai und Ende September auf den Turm will: Den Schlüssel dazu hat Michael Neckermann (Tel. 093 35–14 17). Außerhalb der genannten Zeit ist der Zugang nur ausnahmsweise und erst recht nach Anmeldung möglich.

    Auf der Reichelsburg ist es ruhig - meistens

    Ist die Reichelsburg ansonsten ein ruhiger Ort, so ist immer im Juni dort viel los: Das Reichelsburgfest zieht Gäste aus der Region an. Ähnlich ist das jedes Jahr an Pfingsten, wenn zum Kunigundenfest Hunderte Pilger und Besucher an der Kapelle weilen.

    Es muss nicht nur Wanderung sein

    Wer mit dem Fahrrad kommen will, für den sind Burg, Kapelle, Aub und Gollach gut zu erreichen. Denn der Gaubahnradweg von Ochsenfurt ins Taubertal führt in der Nähe vorbei. Insofern lassen sich Radtour und Wanderung problemlos verbinden. Und wer dann noch Muse und Puste hat, kann nach Waldmannshofen hinüber, um das Feuerwehrmuseum im Schloss zu besuchen – geöffnet von Anfang April bis Ende Oktober, nur nach Anmeldung (Tel. 093 35–674 oder Tel. 079 31–26 77). Wer die ganz große Nummer will, der läuft von der Kunigundenkapelle hinüber nach Aub, wo der beschilderte Kunigundenweg beginnt. Er führt 100 Kilometer auf den Spuren der Kunigunde durch den Steigerwald nach Bamberg. Dort befindet sich im Dom die letzte Ruhestätte der Heiligen, die die Gemahlin von Kaiser Heinrich II. war.

    Wanderung bis Bamberg möglich

    Zurück zur Rundwanderung: Zwar ist der Weg von Aub zur Kunigundenkapelle mit kleinen Schildern ausgewiesen, verlaufen kann man sich in den Wäldern trotzdem. Was aber nicht schlimm ist, denn fast alle Wege führen irgendwie zueinander, so dass man bald wieder Orientierung bekommt. Irrwege haben auch Gutes: Es kann sein, dass man dort auf einen scheuen Zeitgenossen trifft: den Biber. Er ist in der Gollach heimisch.

    Und das hat ausnahmsweise nichts mit Kunigunde und ihrem Schleier zu tun.



    Tipps zur Wanderung:

    Die schmucke Stadt Aub ist idealer Start- und Endpunkt dieser 15 Kilometer langen Wanderung. Für unterwegs sollte Proviant mitgenommen werden, da es außer in Aub keine Gaststätten oder Einkaufsmöglichkeiten gibt. Die Rundwanderung ist auch für Familien geeignet.

    Sehenswürdigkeiten gibt es im mittelalterlichen Aub gleich mehrfach: das Fränkische Spitalmuseum, die historische Altstadt, Stadtmauer mit Türmen, Schloss sowie Stadtpfarrkirche mit einer Kreuzigungsgruppe von Tilman Riemenschneider.

    Details: www.stadt-aub.de Das Innere der Kunigundenkapelle kann nach Anmeldung besichtigt werden, das Areal ist frei zugänglich: Manfred Deppisch, Tel. (0 93 35) 652. www.kunigundenkapelle.de

    Die Reichelsburg-Ruine ist auch frei zugänglich. Unterhalb liegt ein Weiher mit Sitzbänken – ebenfalls ein schöner Ort zum Verweilen.

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