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    Würzburg

    SBW: Diözese sieht Anlass zu "gründlicher Aufarbeitung"

    Derzeit viel im Gespräch:die Firma SBW in der Würzburger Rotkreuzstraße. Foto: Thomas Obermeier

    Bisher war lediglich von einer "Entflechtung" einzelner kirchlicher Rechtsträger die Rede gewesen, jetzt zeigt sich aber, dass die Diözese Würzburg offenbar ein größeres Problem mit ihrer Firma SBW Bauträger- und Verwaltungs-GmbH hat. Auf Anfrage dieser Redaktion bezieht die Diözese erstmals konkret Stellung zu den Vorgängen um den bisherigen SBW-Geschäftsführer Otmar Finger, der von  seinem Geschäftsführer-Posten entbunden und zugleich von seiner Funktion als Leiter der Liegenschaftsabteilung des Bischöflichen Ordinariats freigestellt wurde. 

    Es gibt Sachverhalte, die der Klärung bedürfen

    Für Fingers plötzliches Karriere-Aus nach immerhin 24 Jahren an der Spitze der SBW, einer Schwesterfirma des St. Bruno-Werks, gibt es laut Auskunft von Bistumssprecher Bernhard Schweßinger wohl einen konkreten Anlass: "Grund hierfür sind Sachverhalte, die einer Klärung bedürfen." Zugleich weist der Pressesprecher darauf hin, dass entgegen der Darstellung Fingers sehr wohl Gespräche mit ihm geführt worden seien, und zwar bereits im Vorfeld der Auflösung des Aufsichtsrates der SBW. 

    Derzeit würden "die Fragen nach Compliance, guter Verwaltungsführung (Good Governance), Kontrolle und Transparenz bezüglich der SBW-Bauträger- und Verwaltungs-GmbH überprüft", so Schweßinger. Diese bedürften "einer gründlichen Aufarbeitung". 

    Wer federführend beim Aufräumen in der SBW ist, wird aus der Stellungnahme auch deutlich: Generalvikar Thomas Keßler. Dieser vertritt den Bischöflichen Stuhl, der Alleingesellschafter der SBW ist. In dieser Rolle habe Keßler den Aufsichtsrat der SBW aufgelöst und die Aufsicht an sich gezogen. 

    Ämterhäufung im Bistum?

    Die Diözese nimmt auch zu den bisher lediglich angedeuteten "Verflechtungen" Stellung. "In der Vergangenheit wurden Funktionen bei unterschiedlichen Rechtsträgern durch die gleichen Personen wahrgenommen. Dies entspricht nicht heutigen Vorstellungen von Compliance und Kontrolle", heißt es. Als Beispiele für unterschiedliche Rechtsträger nennt Schweßinger die Diözese als Körperschaft öffentlichen Rechts und eben die SBW als eine GmbH. 

    Im Bistum sieht man offenbar selbst ein Problem mit der Transparenz im Inneren: "Die Diözese sieht Kontrollmechanismen wie etwa ein Vier- oder Mehraugenprinzip als wesentlich an, um verantwortungsvoll mit dem ihr anvertrauten Finanzmitteln umgehen zu können." Dies bedeute laut Schweßinger keinen Vorwurf an die bisher verantwortlichen Personen, vielmehr wolle man sicherstellen, "dass schon der böse Anschein einer Interessenskollision vermieden wird".

    Bischof Franz Jung war informiert

    Schweßinger ordnet das jetzige Geschehen bei der SBW in die seit 2014 laufende Transparenzoffensive der Deutschen Bischofskonferenz ein, die "unter anderem eine regelmäßige Prüfung und Kontrolle von kirchlichen Rechtsträgern" beinhalte.

    Laut Schweßinger war Würzburgs neuer Bischof Franz Jung in die Entscheidungen rund um die SBW eingebunden. Unbeantwortet bleibt die Frage nach der Zukunft des Finanzdirektors der Diözese, Albrecht Siedler. Dieser war Vorsitzender des SBW-Aufsichtsrates gewesen.

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