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    Würzburg

    Sachbearbeiter soll Geflüchtete um Geld betrogen haben

    Sachbearbeiter soll Geflüchtete um Geld betrogen haben
    Das Justizzentrum in Würzburg (Symbolfoto). Foto: Thomas Obermeier

    Erst war die Beute über ein Jahr lang spurlos verschwunden, dann tauchte sie wie durch ein Wunder ausgerechnet am Tag der Verhandlung wieder auf: Nach einem ziemlich skurrilen Prozess hat das Amtsgericht Würzburg am Montag einen ehemaligen Verwaltungsfachangestellten der Würzburger Ausländerbehörde wegen Betrugs zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

    Dem 53-jährigen ehemaligen städtischen Mitarbeiter wird vorgeworfen, im April 2017 in seiner Eigenschaft als Sachbearbeiter der Ausländerbehörde zwei Geflüchtete aus Aserbaidschan mit falschen Angaben um insgesamt 275 Euro gebracht zu haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, daher gilt der Mann weiterhin als unschuldig. Oberstaatsanwalt Torsten Seebach und Strafrichter Thomas Behl hatten nach der Beweisaufnahme allerdings keinerlei Zweifel daran, dass sich die Tat so abgespielt hat, wie sie angeklagt wurde.

    Gebühren verlangt, obwohl überhaupt keine fällig waren

    Demnach soll der Sachbearbeiter von dem Paar aus Aserbaidschan insgesamt 275 Euro als Gebühren für die Eintragung elektronischer Aufenthaltstitel für den Mann, die Frau und ihre kleine Tochter verlangt und auch bekommen haben – dabei werden für diese Amtshandlung gar keine Gebühren fällig. Das hat der 53-Jährige auch selbst zugegeben: Er habe das Geld vereinnahmt, um es für eventuell später im Verfahren anfallende Gebühren zu verwenden. Dadurch habe er vor allem der psychisch angeschlagenen Frau weitere Besuche seiner Behörde ersparen wollen: "Ich bin auch nur ein Mensch und wollte helfen. Für die Frau war es eine Qual, bei mir vorzusprechen", gab der Verwaltungsfachangestellte zu Protokoll.

    Der vereinnahmte Betrag – jeweils 110 Euro für die beiden Erwachsenen und 55 Euro für die Tochter – taucht aber weder im Kassenbuch der Ausländerbehörde auf, noch ist der Vorgang in den Akten vermerkt. Und für die Quittungen verwendete der Angeklagte Formulare, die gar nicht mehr hätten verwendet werden dürfen – für Anklagevertreter und Richter ausreichende Indizien dafür, dass es sich um vorsätzlichen Betrug handelt.

    "Ich habe das Geld in einem Umschlag verwahrt und die Namen und das Datum draufgeschrieben", beteuerte dagegen der Angeklagte. Den Vorwurf, er habe die 275 Euro für sich behalten wollen, wies er zurück.

    Die Tat fiel durch einem Mitarbeiterwechsel in der Behörde auf

    Aufgefallen ist Tat erst, nachdem der 53-Jährige in die Bauverwaltung einer Gemeinde im Landkreis Würzburg gewechselt war. Im Mai 2018 kam das Paar aus Aserbaidschan erneut zur Ausländerbehörde, um nach dem Stand der Dinge und dem Geld zu fragen – da saß dann ein anderer Sachbearbeiter am ehemaligen Schreibtisch des Angeklagten. Die Räumlichkeiten in der Veitshöchheimer Straße wurden im Anschluss von Mitarbeitern der Behörde und später auch von der Polizei nach dem vom Angeklagten erwähnten Geldkuvert durchsucht.

    Der Umschlag blieb verschwunden – bis zur Verhandlung am Montag: Im Verlauf des Prozesses bestand der Angeklagte darauf, die Polizei noch einmal hinter dem Tresor im ehemaligen Büro nachsehen zu lassen, was dann während einer Verhandlungspause auch geschah. Und ausgerechnet an einer Stelle, die sich derselbe Polizeibeamte bereits vor einem halben Jahr mit Hilfe einer Taschenlampe genau betrachtet hatte, fand er einen verknitterten Umschlag mit Geldscheinen.

    "Ich muss mir zwar alles anhören, aber ich muss nicht alles glauben. Ich bin überzeugt davon, dass das Geld dort nachträglich platziert wurde", sagte Behl, der bei der Urteilsverkündung kein Blatt vor den Mund nahm: "Die Ärmsten der Armen wurden um Geld gebracht, das sie gar nicht haben. Das finde ich richtig übel." Obwohl der 53-Jährige zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, wurde die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt. Und damit, wie der Umschlag hinter den Tresor gekommen ist, wird sich jetzt wohl im Rahmen eines weiteren Ermittlungsverfahrens die Staatsanwaltschaft beschäftigen.

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