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    WÜRZBURG

    Sauerei und Reinlichkeit in einer Gasse

    Die Badergasse Foto: THERESA MÜLLER

    Eigentlich denkt man sich nichts, wenn man das Schild „Badergasse“ in der Würzburger Innenstadt passiert. Es ist schließlich eine Straße wie jede andere. Aber woher hat sie ihren Namen? Ein Bad, zumindest eines, das über die Privatbadezimmer in den Wohnhäusern hinausgeht, sucht man hier vergeblich. Das war aber nicht immer so: „Hier befand sich im Mittelalter eine Badestube“, sagt Stadtführerin Monika Kania-Doerck. Und da ging es nicht nur um Reinlichkeit, sondern auch um Sauereien. Wie das?

    „Die erste schriftlich erwähnte Badestube 'Zum Löwen‘ gab es bereits 1298“, erzählt Monika Kania-Doerck. „Wo genau sie sich befand, wissen wir nicht. Und es wurde dort nicht nur gebadet, sondern es waren Orte der Geselligkeit.“ Trotz Geselligkeit, sagt Monika Kania-Doerck, sei es damals noch recht gesittet zugegangen. Erst im 16. Jahrhundert, genauer 1514, wurde das anders. Ab dieser Zeit gab es viele nicht verheiratete und „verlewnte frawen“, die einen schlechten Ruf hatten, verleumdet wurden: Prostituierte. Sie gaben einer anderen Badestube mit dem Namen „Zum Becken“ eine sehr eigene Note. „Die Abtrennungen zwischen den einzelnen Bädern waren mangelhaft und es kam zu unziemlichen Handlungen.“

    Und irgendwann wurde dann gar nicht mehr abgetrennt, „man badete zusammen, amüsierte sich, spielte, trank und trieb Allotria (Unfug) nach Herzenslust.“ Nun erfolgte die Bedienung durch Bademägde, „und ihre Liebreize waren käuflich“, sagt Kania-Doerck. „Anfang des 16. Jahrhunderts sind manche Badestuben zu förmlichen Hurenhäusern geworden und das nicht nur in Würzburg!“ Allerdings waren das Ausnahmen: die meisten Badehäuser blieben „anständige“ Orte, in denen dem ursprünglichen Zweck nachgegangen wurde.

    Sauerei und Reinlichkeit

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