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    RÖTTINGEN

    Schräger Auftakt der Frankenfestspiele

    Überschwänglich fällt der Dank aus, den Intendant Knut Weber bei der Premierenfeier an sein Team auf und hinter der Bühne richtet. Mit langem Applaus und stehenden Ovationen hatte das Publikum die Inszenierung des Monty-Python-Musicals „Spamalot“ bedacht.

    Ein zweieinhalbstündiges, ebenso schräges wie opulentes Spektakel aus Gesang, Tanz und Comedy hatte ihnen das Ensemble geboten. Die Parodie auf König Artus und die Ritter der Tafelrunde hat auch Zuschauer begeistert, denen die bekannte Filmvorlage „Die Ritter der Kokosnuss“ bis dahin fremd war. Ein gelungener Auftakt für die 35. Röttinger Frankenfestspiele.

    Dank an die Gründerväter

    Beim Empfang für die Ehrengäste vor der Premiere im Paracelsus-Garten neben der Burg führten die Gedanken zurück in diese lange Vergangenheit. Altbürgermeister Günther Rudolf war da, der die Festspiele einst zusammen mit dem ehemaligen Prinzipal des Sommerhäuser Torturmtheaters Veit Relin aus der Taufe gehoben hatte. Die herzliche Begrüßung seines Nachfolgers Martin Umscheid hat Symbolcharakter.

    In Röttingen ist es kein Geheimnis, dass es vor langer Zeit schon zum Bruch zwischen Umscheid und Rudolf gekommen war. Es ging dabei auch und vor allem um die Festspiele. Umscheid hatte sich von der vormaligen Intendantin Renate Kastelik getrennt, mit mancher Tradition gebrochen und damit einen Konflikt mit der traditionsbewussten Festspielegemeinde um ihren Gründervater heraufbeschworen. Ob Günther Rudolfs Erscheinen nach jahrelanger Abstinenz als Friedenschluss zu deuten sei? „Waffenstillstand“, beantwortet der die Frage mit einem verschmitzten Lächeln.

    Markenzeichen Theaterpädagogik

    Seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2000 zählt Regierungspräsident Paul Beinhofer zu den Premierengästen. „Die Hälfte der Zeit, die es die Festspiele gibt, hab ich schon miterlebt“, meint er in seinem Grußwort und betont, wie wertvoll das kulturelle Angebot auf dem flachen Land sei. Besonders die theaterpädagogische Arbeit, die sich die Frankenfestspiele zum Markenzeichen gemacht haben, lobt Beinhofer. „Wer jung an die Kultur herangeführt wird, bleibt den schönen Künsten auch später gewogen.“

    Auf die Gewogenheit Beinhofers und des von ihm vertretenen Freistaats kommt Bürgermeister Martin Umscheid zu sprechen. Mit 140 000 Euro jährlich fördert der das Röttinger Sommertheater, 28 000 Euro gibt der Landkreis Würzburg hinzu und 25 000 Euro der Bezirks Unterfranken. „Ohne diese Unterstützung gäbe es die Frankenfestspiele nicht“, so Umscheid. Trotzdem bleibt das hochklassige Kulturangebot für das 1700-Seelen-Städtchen ein finanzieller Kraftakt in sechsstelliger Höhe. Umscheid denkt deshalb an einen „Theaterpakt“ mit Wirtschaftsunternehmen und privaten Förderern in der Region nach.

    Professionelle Spielstätte

    Gewogenen Förderern ist es auch zu verdanken, dass der Burghof seine Gästen heuer in veränderter Form empfängt. Der Ostflügel der Burg Brattenstein, der 1971 bei einem tragischen Unglück in sich zusammenstürzte, war in den vergangenen zehn Monaten in moderner Form wiederaufgebaut worden. Die Tribüne, die unter der offenen Halle aus Stahl und Stein Platz findet, lässt das frühere Provisorium kaum noch erahnen. Die Spielstätte hat sichtbar an Professionalität gewonnen, nicht nur durch die neue Ton- und Beleuchtungstechnik.

    Knut Webers letzte Saison in Röttingen findet damit einen angemessenen Rahmen. Nach nur zwei Jahren beendet der Intendant des Stadttheaters Ingolstadt sein Sommerengagement in Röttingen, weil dem heimischen Haus eine Generalsanierung bevorsteht. Als sein Nachfolger steht Lars Wernecke fest, bis dato Oberspielleiter am Staatstheater in Meiningen.

    Neuer Intendant

    Wernecke zählt ebenfalls zu den Premierengästen und zeigt sich beeindruckt von der Arbeit, die Knut Weber und sein Team geleistet haben. Ob sich diese Arbeit in einen wirtschaftlichen Erfolg ummünzen lässt, entscheidet sich aber an der Theaterkasse. Im Vorverkauf zumindest hat das Musical „Spamalot“ noch Nachholbedarf. Der Bürgermeister hofft deshalb, dass nach der gelungenen Premiere die Mundpropaganda das Ihre tut, um die übrigen neun Vorstellungen zu füllen.

    Nach der ersten Staffel der Musical-Parodie „Spamalot“ steht am 5. Juli mit dem musikalischen Schauspiel „Die Drei von der Tankstelle“ die zweite Premiere bevor, gefolgt vom „Weißen Rössl“ (Premiere 12. Juli).

    Karten: Tel. (0 93 38) 97 28-55, www.frankenfestspiele.de

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