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    Würzburg / Schweinfurt

    Schwanger in der Corona-Krise: Was werdende Mütter wissen müssen

    Die Corona-Pandemie verunsichert viele Schwangere. Wie gefährlich ist das Virus für Babys? Sind Kliniken in der Region überlastet? Und dürfen Väter noch mit zur Geburt?
    Für Schwangere bedeutet die Corona-Pandemie extreme Belastungen: Sie fürchten nicht nur eine Ansteckung, sondern auch, bei der Geburt alleine dazustehen. Foto: Caroline Seidel, dpa

    Für werdenden Mütter ist eine Schwangerschaft meist ein monatelanger Ausnahmezustand. Eine emotionale und körperliche Achterbahnfahrt. Auch ohne Coronavirus. Was aber, wenn Krankenhäuser im Notfallmodus arbeiten? Wenn in ganz Bayern der Katastrophenfall herrscht und Ausgangsbeschränkungen gelten? Was, wenn man ausgerechnet jetzt schwanger ist?

    "Ich passe natürlich auf, dass ich mich nicht anstecke – aber Panik habe ich nicht", sagt Anna Weidner. "Das bringt ja nichts, man muss es auf sich zukommen lassen." Die 30-Jährige ist hochschwanger. Ihr Baby soll Mitte Mai in Würzburg auf die Welt kommen. Im Moment sei sie viel zuhause, es ist "keine schöne Situation – aber das ist es für keinen".

    Wie gefährlich ist das Coronavirus für Schwangere und Babys?

    Er erlebe viele schwangere Frauen, die extrem besorgt seien, sagt Prof. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik der Würzburger Uniklinik. Dafür bestehe aber nach bisheriger Datenlage kein Grund: "Schwangerschaften sind nicht gefährlich."

    Nach Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass das Coronavirus für werdende Mütter gefährlicher ist als für den Rest der Bevölkerung. Auch Belege für ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Anomalien oder eine Übertragung des Virus auf das Baby fehlen. Allerdings existieren bisher nur wenige Studien zu schwangeren Covid-19-Patientinnen. 

    Frauenärzte empfehlen infizierten Schwangeren, sich telefonisch mit ihrer Ärztin zu besprechen und Vorkehrungen zu treffen, falls sich der Zustand in der Isolation verschlechtert. Als Vorsichtsmaßnahme sollten Infizierte generell zur Geburt eine Klinik aufsuchen. Dort könne das Baby elektronisch überwacht werden. Ein Kaiserschnitt sei aber nicht zwingend notwendig.

    In den großen Kliniken und Krankenhäusern Unterfrankens finden Geburten trotz Corona-Krise ganz normal statt. Foto: Mascha Brichta, dpa

    Grundsätzlich gilt: Trotz Corona-Pandemie muss keine werdende Mutter in Unterfranken Angst um einen Platz im Kreißsaal haben. Geburten werden ganz normal betreut, heißt es aus den großen Kliniken der Region unisono.

    Wie werden in Unterfranken Schwangere mit Corona-Infektion bei der Geburt betreut?

    Beispiel Uniklinik. Keine Schwangere müsse sich Sorgen machen, bei der Entbindung in Krisenzeiten nicht gut von Hebammen und Ärzten versorgt zu werden, sagt Frauenklinik-Direktor Wöckel. Es sei genügend Personal da und alle eingesetzten Mitarbeiter seien gesund.

    Absehbar aber ist, dass bei den steigenden Infektionszahlen bald auch Corona-Patientinnen bei der Geburt begleitet werden müssen. Deshalb werde aktuell ein eigener Kreißsaal mit zwei Entbindungszimmern und einem Kaiserschnitt-Operationssaal für Corona-Infizierte an der Uniklinik aufgebaut, erläutert Wöckel. Zusätzlich wird eine Station mit 16 Betten zur Isolierstation umfunktioniert. Dort könnten die werdenden Mütter in Schutzausstattung behandelt werden. Ab der kommenden Woche soll der neue Kreißsaal nutzbar sein. 

    "Geburten werden immer betreut. Schwangere müssen keine Angst haben."
    Prof. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik der Würzburger Uniklinik

    Ähnlich sieht es im Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt aus. "Geburten finden ganz normal statt", sagt Prof. Michael Weigel, Chefarzt der dortigen Frauenklinik. Personal sei weder aus dem Kreißsaal noch von der Geburtsstation abgezogen worden. Gesunde Schwangere würden wie immer behandelt, sagt Weigel. Zeigen werdende Mütter Symptome, würden Ärzte, Hebammen und Pfleger entsprechend geschützt. Noch werde in der Frauenklinik keine infizierte Schwangere betreut, es sei aber möglich. Die Geburt fände dann in einem separaten Kreißsaalbereich statt.

    Väter dürfen sowohl in der Würzburger Uniklinik als auch im Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt und in der Missioklinik in Würzburg weiter mit bei der Geburt dabei sein. Foto: Waltraud Grubitzsch, dpa

    Auch die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums Würzburg Mitte (Standort Missioklinik) bereitet sich auf Corona-Patientinnen vor, auch hier steht eine spezielle Schutzausrüstung bereit. Schon jetzt würden alle Mitarbeiter einen Mund-Nasen-Schutz tragen, sagt Chefarzt Dr. Hanns-Jörg Grimminger. Und: "Wir haben bewusst die Operationen im Bereich Gynäkologie eingeschränkt, um uns vollumfänglich auf die Geburtshilfe konzentrieren zu können".

    Dürfen Väter trotz des Besuchsverbots bei der Geburt dabei sein?

    Überall – in den Kliniken wie im Alltag – geht es jetzt darum, Ansteckungen zu verhindern. Deshalb gilt in allen bayerischen Krankenhäusern ein Besuchsverbot. Für Schwangere ist das hart. Weder stolze Großeltern noch andere Verwandte können Mutter und Kind besuchen. Einzige Ausnahme: Die Väter dürfen sowohl in der Würzburger Uniklinik als auch im Leopoldina und in der Missioklinik weiter bei der Geburt dabei sein - sofern sie keine Erkältungssymptome zeigen.

    Um die Betreuung von Schwangeren und Müttern aufrecht zu halten, können Hebammen ab sofort per Videotelefonie beraten. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

    Für Anna Weidner ist das enorm wichtig. Wenn ihr Mann nicht dabei sein dürfte, "das wäre schlimm", sagt die 30-Jährige. Dass Besuche danach nicht erlaubt sind, sei schade. "Aber wenn nur so die Sicherheit gewährleistet werden kann, ist das zwar ein großes Übel, aber dann ist es so." Bis zu ihrem Geburtstermin Mitte Mai hofft sie, dass "die Beschränkungen wieder gelockert werden". Und dass es dabei bleibt, dass ihre Hebamme sie nach der Entbindung zuhause betreuen kann.

    Findet die Vor- und Nachsorge durch Hebammen weiterhin statt?

    Sicher ist das nicht. Weder die Vor- noch die Nachsorge ist für Hebammen momentan einfach zu bewerkstelligen. "Abstand halten funktioniert in der Nachsorge nicht gut", sagt Ramona Kühlmann, Leitende Hebamme am Leopoldina Krankenhaus. Zudem hätten freiberuflich arbeitende Kolleginnen "große Schwierigkeiten an Schutzkittel, Mundschutz oder Desinfektionsmittel" zu kommen. Die Folge: Kurse werden abgesagt.

    Hebammenverbände und der GKV-Spitzenverband haben jetzt reagiert. Um die Betreuung aufrecht zu halten, dürfen Hebammen ab sofort per Videotelefonie beraten. Die Vereinbarung gilt bis Mitte Juni, betroffen sind beispielsweise Vor- oder Aufklärungsgespräche, aber auch Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse. Denn gerade kurz nach der Entbindung, in den ersten Tagen und Wochen zuhause, suchen junge Mütter Rat und Anleitung. Viele Fragen quälen, etwa die, ob Stillen in Corona-Zeiten möglich ist?

    Kann das Coroavirus mit der Muttermilch übertragen werden?

    Wer nicht infiziert sei, könne ganz normal stillen, sagt Leopoldina-Chefarzt Weigel. Das bestätigt der Berufsverband der Frauenärzte: Es gebe keine Hinweise, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werden könne. Auch infizierte Mütter könnten stillen, sie sollten allerdings Hygiene-Maßnahmen beachten. Dazu gehört das Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind und das Tragen eines Mundschutzes.

    Wie aber geht es weiter, wenn die Infektionszahlen noch weiter steigen? Der Direktor der Uni-Frauenklinik beruhigt: Grund zur Panik gebe es nicht. "Geburten werden immer betreut", sagt Wöckel. "Schwangere müssen keine Angst haben."

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