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    Würzburg

    Semesterstart: Gebrauchsanweisung für Würzburg

    Studieren in Würzburg: Ein Einsteiger-Guide für Erstsemester. Foto: Silvia Gralla

    Das erste Mal eine eigene Wohnung und weg von den Eltern. Eine neue Stadt wartet darauf, entdeckt zu werden! Für Tausende junger Menschen beginnt mit dem Start des Sommersemesters ein neuer Lebensabschnitt. Wie heißen die Stadtteile, wo sind die beliebtesten Studentenkneipen und was tun, wenn die Eltern anrücken? Diese Gebrauchsanweisung liefert die Antworten.

    Studieren in Würzburg

    Die Alte Uni am Sanderring. Foto: Patty Varasano

    Würzburg gilt als Studentenstadt. So leben hier circa 126.000 Einwohner. Etwa 28.000 Studierende sind an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU) eingeschrieben, hinzu kommen circa 6300 Studierende der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) und etwa 600 Studentinnen und Studenten der Hochschule für Musik. Die vielen Studierende machen Würzburg zu einer der jüngsten Städte in Deutschland, das Durchschnittsalter beträgt etwa 41 Jahre.

    Die Hochschulen, ihre Fakultäten und Bibliotheken sind über die ganze Stadt verteilt. Hauptstandort der Universität und der FHWS sind jedoch am Hubland. Sportliche fahren dort wegen des steilen Anstiegs mit dem Fahrrad hin, alle anderen nehmen die Bus-Linie 10.

    Die wichtigsten Stadtviertel

     

    • Innenstadt: Hier ballen sich Geschäfte, Restaurants, Kneipen, Büros und Wohnungen zwischen Main, Rathaus, Dom, Marktplatz, Residenz und Bahnhof. Das Gebiet der Altstadt wird in Würzburg auch Bischofshut genannt, da die Form der ehemaligen Stadtmauer in etwa den Umrissen dieser Kopfbedeckung entspricht. Wer mehr Fakten will, klickt hier: die Innenstadt in Zahlen.
    • Sanderau: Eine beliebte Wohngegend für Studenten mit Straßenbahnanbindung. Der Stadtteil ist zudem mit Supermärkten versorgt und in wenigen Gehminuten erreicht man das Main-Ufer, das vor allem im Sommer als Naherholungsgebiet genutzt wird.
    • Grombühl: Wird von den Einwohner auch liebevoll "Crimebühl" genannt, was aber dramatischer klingt als es ist. Die Mieten sind vergleichsweise günstig und auch hier fährt die Straßenbahn durch. Bei Studenten besonders beliebt: der Grombühl Kiosk hat täglich bis 22 Uhr geöffnet und hat schon die ein oder andere WG-Feier mit Nachschub an Pizza gerettet.
    • Zellerau: Ähnlich wie Grombühl sagen böse Zungen der Zellerau (in Würzburg ausgesprochen als "Zeller-rau" und nicht "Zeller-Au") gerne ein verruchtes Image nach. Aber keine Sorge, wer einmal durch Berlin-Kreuzberg gelaufen und unbeschadet geblieben ist, dem wird die Zellerau wie ein Ponyhof vorkommen. Für das eigene Sicherheitsgefühl und zur Beruhigung der Eltern sorgt sicher der große Standort der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Wie in den anderen Stadtteilen gibt es in der Zellerau Straßenbahn, Geschäfte und viele Wohnungen. Der Main ist von dort ebenfalls fußläufig erreichbar, im Sommer wird dort oft gegrillt und sogar ein Skateplatz ist da zu finden.
    • Frauenland: Keine Straßenbahn (eine Anbindung ist noch in der Planphase), relativ wenige Geschäfte, dafür viele Wohnungen. Studenten schätzen den Stadtteil aufgrund der Nähe zur Uni.

    Etwas weniger schön für Studenten sind die aktuellen Mietpreise. Zwar ist Würzburg noch weit vom Niveau Münchens oder anderer Metropolen entfernt, doch ist der Kampf und die besten Buden längst entbrannt. Immerhin hat jeder zehnte Studierende einen günstigen Platz im Wohnheim, auch wenn es manchmal etwas Geduld erfordert, bis ein Zimmer frei wird. Wie schwer die Zimmersuche sein kann, haben uns Studenten hier berichtet.

    Abseits der oben genannten Stadtteile wird die Wohnungssuche etwas leichter. So sind die folgenden ebenfalls nicht allzu weit von der Innenstadt entfernt, aber stehen nicht ganz so im Fokus bei den meisten Studierenden: Versbach, Lindleinsmühle, Lengfeld, Heidingsfeld, Heuchelhof, Rottenbauer. Auch die Gemeinde Gerbrunn beherbergt viele Studenten, aufgrund der Nähe zur Uni am Hubland.

    Freizeit

    Würzburg hat für die Zeit nach dem Hörsaal viel für Studierende zu bieten. Eine kleine Auswahl, wie man seine Freizeit abseits von Netflix und Co. verbringen kann, findet ihr hier.

    Die Promenade am Main beim Alten Kranen wird vor allem an warmen Tagen dicht bevölkert. Foto: Silvia Gralla

    Mainkai: An besonders sonnigen Tagen kann es schon mal vorkommen, dass die Uferpromenade am Alten Kranen bis auf den letzten Fleck besetzt ist. Verständlich, dass dieser Ort so beliebt ist, denn hat man von dort einen super Blick auf Alte Mainbrücke, Festung und Sonnenuntergang.

    Theater-Flatrate: Seit Wintersemester 2018/19 gibt es im Mainfrankentheater (Würzburgerisch: Stadttheater) ein Semesterticket für Studierende. Der Beitrag von zwei Euro pro Semester wird über das Studentenwerk mit den Studiengebühren erhoben. Reserviert ist ein Kontingent von fünf Prozent der angebotenen Plätze einer Vorstellung. Karten aus dem Kontingent können ab vier Wochen bis fünf Tage vor dem Vorstellungstermin reserviert werden.

    Das Kiliani verabschiedet sich alljährlich mit einem großen Feuerwerk. Foto: Ulises Ruiz

    Volksfeste: Was in Stuttgart die Wasen, in München das Oktoberfest oder in Düsseldorf die Rheinkirmes ist, heißt in Würzburg Kiliani. Jeden Sommer im Juli wird die Talavera, sonst ein großer Parkplatz in der Zellerau, mit Riesenrad, Achterbahn, Bierzelt und vielen weiteren Buden zugestellt. Am Ende gibt's ein großes Feuerwerk, das sich am besten von den Weinbergen an der Steinburg oder vom Main aus betrachten lässt. Ein etwas kleineres Volksfest findet am gleichen Ort stets Anfang April statt, bekannt unter dem Namen Frühjahrsvolksfest.

    Festivals: Für eine kleine Großstadt hat Würzburg überraschend viel für Festival-Liebhaber zu bieten. So findet alljährlich Anfang Juni das Africa Festival auf den innenstadtnahen Mainwiesen statt, laut Veranstalter das größte Festival für afrikanische Musik und Kultur in Europa. Bei Würzburgern noch beliebter ist jedoch das "Umsonst & Draussen" Ende Juni am selben Ort. Das Festival kostet keinen Eintritt und hat mehrere Bühnen für Musiker aus der Region aber auch von weiter weg. Mehr Konzerte gibt es beim Hafensommer im Juli, Liebhaber von klassischer Musik kommen beim berühmten Mozartfest auf ihre Kosten. Und Cineasten bevorzugen das Internationale Filmwochenende im Programmkino Central. Geheimtipp zum Schluss: Das Ringparkfest wird nicht groß beworben, da dies ein Fest für die Bürger bleiben soll. Neben einigen Weinfesten gilt es als eines der schönsten Feste in Würzburg, bei dem Jung und Alt in entspannter Atmosphäre im Park feiern.

    Das Hofgartenweinfest hat mit der Residenz als Kulisse im Hintergrund ein ganz besonderes Flair. Foto: Silvia Gralla

    Weinfeste: Die Region ist bekannt für ihre fränkischen Weißweine. Besonders beliebt sind die Rebsorten Müller-Thurgau, Silvaner, Bacchus, Scheurebe und Riesling. Rotwein-Trinker schauen mit Domina, Spätburgunder oder Schwarzriesling immerhin nicht komplett in die Röhre. Im Sommer gibt es in und um Würzburg zahlreiche Weinfeste. Einen Überblick für alle Feste gibt es im Fränkischen Weinfestkalender. Bei Studenten besonders beliebt sind das Weinfest am Stein (toller Blick auf Würzburg), das Hofgartenweinfest (die Residenz als Kulisse) oder das Würzburger Weindorf (mitten in der Stadt).

    Sportveranstaltungen: Würzburg kann gleich mit drei Profi-Mannschaften in verschiedenen Sportarten aufwarten. Die meisten Zuschauer ziehen die Fußballer der Würzburger Kickers an. Die spielen aktuell in der Dritten Liga und haben ihre Heimat in der flyeralarm-Arena am Dallenberg (Würzburgerisch: am Dalle). Wer Basketball bevorzugt, kann ein Spiel der s.Oliver Baskets Würzburg in der s.Oliver-Arena (Würzburgerisch: Carl-Diem-Halle) verfolgen. Die Mannschaft spielt seit Jahren in der Basketball-Bundesliga. In der gleichen Halle tragen auch die Rimparer Wölfe ihre Heimspiele aus. Die Mannschaft spielt in der 2. Handball-Bundesliga. Zu allen Partien gibt es auf mainpost.de stets Liveticker.

    Volles Haus: Mehrere tausend Menschen suchen bei heißen Tagen im Schatten Erfrischung im Dallenbergbad. Foto: Daniel Peter

    Schwimmbäder: Aktuell wird das Erlebnisbad "Nautliland" in der Zellerau neu gebaut. Viele Schwimmer nutzen daher das Sandermare in der Sanderau für die kalten Monate. Im Sommer geht's ins "Dalle" (Dallenbergbad), das mit seinen weitläufigen Liegewiesen, einem Zehn-Meter-Brett und mehreren Rutschen an heißen Tagen immer viele Besucher anzieht.

    Nachtleben

    • Bars & Kneipen: Die Innenstadt ist voller Kneipen und Bars, die in den Abendstunden die Nachtschwärmer anziehen. Die meisten gibt es in der Sanderstraße, doch auch an der unteren Juliuspromenade oder in der Semmelstraße wird man rasch fündig. Beliebte Ort für Studenten sind beispielsweise der Biertümpel (lange Öffnungszeiten und günstige Preise), das Wohnzimmer (Studentenbar mit wechselnden Specials), das Loma (zeigt auch Fußball) oder das Kult (selbstverwaltete Kneipe mit vegetarischem Essen). Eine Auflistung aller Kneipen und Bars findet ihr hier.
    • Clubs: Auch clubtechnisch gibt es in Würzburg ein breites Angebot von Großraumdisko (Airport) bis hin zu Ein-Raum-Club wie die MS Zufriedenheit. Dazwischen gibt es natürlich noch das Dornheim, die Katze, das Kurt & Komisch, die Bombe und und und... Eine gute Übersicht findet ihr hier.

    Unnützes Wissen

    Rund zwei Wochen nach dem Gewinn des Titels in NBA im Jahr 2011 wurde Deutschlands Basketballspieler in seiner Heimatstadt Würzburg von tausenden Menschen auf dem Residenzplatz empfangen. Foto: Frank Rumpenhorst

    Ihr braucht noch ein paar Fakten über euren neuen Wohnort, um vor euren Freunden in der Heimat anzugeben? Hier sind sie:

    • Würzburger Basketballer: Gleich zwei Söhne der Stadt sind oder waren in der amerikanischen Basketball-Liga NBA erfolgreich. Dirk Nowitzki spielte über 20 Jahre lang in Übersee. Auch der Würzburger Maximilian Kleber ist dann bei den Dallas Mavericks gelandet.
    • Residenz aus Lego: Ein Kitzinger hat die Würzburger Residenz aus zwei Millionen Lego-Steinen nachgebaut
    • Mitte der EU: Wenn die Briten aus der EU ausgetreten sind, liegt der Mittelpunkt der Staatengemeinschaft fast in Würzburg, genauer in Gadheim (Ortsteil von Veitshöchheim).
    • Würzburger Satelliten: Die Uni Würzburg forscht an Satelliten, einige kreisen bereits um die Erde. Zuletzt wurde der kleine "Uwe 4" in die Umlaufbahn geschossen.
    • Diddl-Maus: Kennt ihr noch die Cartoonfigur Diddl? Der Erfinder der einst bei Kindern sehr beliebten Maus, Thomas Goletz, stammt aus der Nähe von Würzburg und hat lange in der Stadt gelebt.
    • Röntgen-Strahlen: Der Entdecker der Röntgen-Strahlen, Wilhelm Conrad Röntgen, hat diese in Würzburg erforscht. 
    • Bäcken & Weinstuben: In Würzburger Bäcken und Weinstuben darf nach alter Tradition mitgebrachtes Essen verzehrt werden.
    • Würzburg-Wiki: Viele, viele Informationen über die Stadt findet ihr im Würzburg-Wiki, eines der größten Stadt-Wikis überhaupt.
    • Pizza: Die älteste Pizzeria Deutschlands hat in Würzburg eröffnet - und sie gibt es bis heute! Seit 1952 gibt es das "Da Capri" (Würzburgerisch: Blaue Grotte) in der Elefantengasse. Ihr Gründer Nick di Camillo gilt zudem als der Mann, der die Pizza nach Deutschland brachte.
    • Varieté-Weltrekord: Die längste Varieté-Show der Welt wurde 2017 in Würzburg durchgeführt. Das WÜRVAR dauerte sechs Tage und fünf Nächte lang und hat den vorherigen Rekord aus Indien weit übertroffen.

    Sightseeing

    Am Abend lässt sich gut ein fränkischer Wein auf der Festung mit Blick auf die Stadt genießen. Foto: Dita Vollmond

    Die Eltern kommen zu Besuch und ihr wisst nicht wohin? Hier findet ihr einen Tagesablauf, der eure Eltern garantiert zufriedenstellen wird:

    • Frühstück: Besucht zusammen eines der vielen Cafés, beliebt sind beispielsweise das Wunschlos Glücklich, das Café Fred oder das Café Michel am Marktplatz. Eine Rangliste mit weiteren Empfehlungen gibt es auf Tripadvisor.
    • Vormittag: Besucht das Barockschloss und UNESCO-Weltkulturerbe Würzburger Residenz. Besonders sehenswert sind der Hofgarten, das Spiegelkabinett und das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt von Giovanni Battista Tiepolo.
    • Mittag: Schlendert von der Residenz durch die Fußgängerzone etwas durch die Stadt mit ihren vielen Geschäften zum Marktplatz. Dort ist eine "Gecknickte mit" Pflicht, also eine Würzburger Bratwurst im Kipf mit Senf.
    • Nachmittag: Jetzt geht's hoch zur Festung Marienberg! Entweder zu Fuß über die Tellsteige ab der Alten Mainbrücke oder mit der Buslinie 9.  Die Ursprünge des Festung reichen bis um 1000 vor Christus zurück, die heutige Form entstand ab dem 8. Jahrhundert. Eine Übersicht zu Führungen gibt es auf der Homepage der Stadt. Idealerweise habt ihr einen Bocksbeutel dabei, um mit Blick auf Würzburg das Abendrot zu genießen.
    • Abendessen: Nach diesem vollen Tag habt ihr sicher Heißhunger auf die zünftige fränkische Küche. Bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist etwa das Backöfele in der Ursulinengasse, doch auch das Wirtshaus Lämmle, der Brauerei-Gasthof am Alten Kranen oder die Alte Mainmühle sind beliebte Restaurants für Fränkisches. Mehr Empfehlungen gibt es wieder auf Tripadvisor.

    Wollt ihr weiter über die Region informiert bleiben? Wir haben für euch ein kostenfreies Studenten-Probe-Abo gestrickt.

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