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    THÜNGERSHEIM

    Siebener-Treffen in der Reben-Metropole

    In keinem anderen Ehrenamt werden Werte des Miteinander schon so lange hoch gehalten wie in dem der Feldgeschworenen. Und nicht von ungefähr wählten die Grenzwächter rechts des Mains im Landkreis Würzburg für ihr Wirken den Wahlspruch „Tue Recht, fürchte Gott und scheue Niemand“. Für Landtagspräsidentin Barbara Stamm „sind die auch als Siebener bezeichneten Feldgeschworenen eine Besonderheit Frankens. Weil sie das Land, seine Menschen und deren Werte nach wie vor verkörpern, trotz Digitalisierung – seit mehr als 500 Jahren“, wie sie beim Feldgeschworenentag in Thüngersheim betonte.

    Unter die Haut wie selten ging den Teilnehmern der ökumenische Gottesdienst in der St.-Michael-Kirche. Während der katholische Priester Bernd Steigerwald auf Grenzüberschreitungen im positiven und negativen Sinn einging, erinnerte sich der evangelisch-lutherische Geistliche Sebastian Finn Wolfrum an ganz andere, persönliche „Grenz-Erfahrungen“ aus seiner Kindheit „auf der anderen Seite der Grenze.“ Per Handschlag nahm Landrat Eberhard Nuß vor dem Altar den neu ernannten „Siebenern“ das Ja-Wort ab „zur gewissenhaften Ausübung ihres wichtigen und besonderen Ehrenamts.“

    Musikalisch begleitet von der Blaskapelle des Musikvereins Thüngersheim, unter Leitung von Daniel Schnappauf, waren die „Siebener“ und Bürgermeister aus 36 Kommunen rechts des Mains im Landkreis Würzburg nach dem gemeinsamen Frühschoppen in der Raiffeisen-Sporthalle durch den Ort zum Gottesdienst gezogen. Zuletzt war die Gemeinde Thüngersheim im Jahr 1999 Gastgeber des jährlichen Siebener-Treffens. Voller Euphorie über die prächtige Entwicklung der Weinberge rundum, hatte der örtliche Obmann Thomas Schwab seine Kollegen und Ehrengäste willkommen geheißen in der „Reben-Metropole“. Denn: Immerhin 1,2 Millionen Reben werden auf Thüngersheims Gemarkung bewirtschaftet, neben 280 Hektar Wald und 300 Hektar Ackerbau, verdeutlichte Schwab.

    Nachdenklich, ja fast mahnend, äußerten sich allerdings die Festredner bei ihren Ansprachen im Anschluss an den Gottesdienst auf dem Kirchplatz, im Schatten der historischen WeinKulturGaden. Erinnerungen wurden wach bei Bürgermeister Markus Höfling (Bürgerbewegung, BüBew) an seine frühere berufliche Tätigkeit beim Amt für Ländliche Entwicklung in Zusammenarbeit mit den „Siebenern“. Die Ausübung der Feldgeschworenen, Recht und Eigentum zu wahren, habe nach Überzeugung des Vorsitzenden der Vereinigung rechts des Mains, Lothar Wild (Unterpleichfeld), Frieden stiftende Bedeutung. Gleichzeitig appellierte Wild an seine Kollegen: „Ladet die Bevölkerung, und vor allem die Jugend ein, bei Grenzgängen die Heimat kennen zu lernen. Das ist besser als Facebook.“

    „Respekt zollte“ MdL Manfred Ländner (CSU) „all jenen, die sich um Grenzen kümmern.“ Jedoch bedauerte Ländner auch „den Verlust von Grenzen im gesellschaftlichen und menschlichen Miteinander.“ Landrat Eberhard Nuß bezeichnete die Feldgeschworenen als Garanten für Ehrlichkeit und Rechtmäßigkeit seit dem 13. Jahrhundert und als unverzichtbar im Zusammenwirken von Bürgern und Behörden. Der jungen, bestens ausgebildeten Generation der Landwirtschaft als Basis der Feldgeschworenen sprach Nuß Mut zu, in einer globalisierten, überregulierten Welt. „Die gute alte Zeit ist vorbei. Aber wer den Kopf in den sand steckt, braucht sich nicht zu wundern, wenn's dunkel ist“, mahnet Nuß.

    Bestens versorgt wurden die Siebener rechts des Mains durch die örtliche Rentner AG und den Faschingsclub Thüngersheim beim gemeinsamen Mittagessen und der anschließenden Fachtagung in der Raiffeisen-Sporthalle.

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