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    Würzburg

    Singen im Kunstwirtshaus: Alles andere als tierisch ernst

    Das K.L.E.K.S. in Grombühl bietet seit Mai einen offenen Singkreis für alle an. Dem Kunsthaus geht es um den Spaß am gemeinsamen Singen, doch  es gibt auch Probleme.
    Umgeben von Kinderkunst wird an jedem Dienstag im K.L.E.K.S.-Haus gesungen. Foto: Pat Christ

    Vor allem in den Ferienzeiten wird das Kunsthaus K.L.E.K.S. in Grombühl von den Jungs und Mädels gestürmt. "Manchmal sind 30 Kinder am Tag da", sagt K.L.E.K.S.-Vorsitzender Peter Baumann. Zu Schulzeiten hingegen ist es zuweilen mau. Was daran liegt, dass in den vergangenen sechs Jahren, seit es K.L.E.K.S. gibt, in Grombühl immer mehr Nachmittagsbetreuung angeboten wurde. K.L.E.K.S. reagiert darauf mit dem Ausbau der Sparte "Erwachsenenkultur". So trifft sich an jedem Dienstag ein offener Singkreis.

    Umgeben von dem, was Kinder im K.L.E.K.S. an Kunst fabriziert haben, kommen seit Mai sangesfreudige Menschen zusammen, die ein Wunsch verbindet: Sie wollen gemeinsam ihrer Lust am Liederträllern frönen. "Es macht nichts, wenn man mal nicht den richtigen Ton trifft", sagt Baumann. Denn es wird auf keinen Profi-Auftritt hin trainiert. Allenfalls beim monatlichen K.L.E.K.S.-Sonntagsbrunch wird das draufgeschaffte Repertoire zum Besten geboten.

    Singen bei K.L.E.K.S. ohne Vorgaben und ohne Druck

    "Kein Druck" lautet die Devise. Etwas anderes würde auch kaum zum K.L.E.K.S. passen. Denn auch die Kinderkurse werden vom Motto durchzogen: "Keine Vorgaben, kein Druck!" Das K.L.E.K.S. soll ein Freiraum sein. Für Kinder und zunehmend auch für Erwachsene.

    Dass die Singstunde mit einer Übung beginnt, die zur Lockerung der Gliedmaßen beiträgt, erinnert zwar an klassischen Chor. Doch das liegt daran, dass Marion Neuendorf zu Gast ist. Sie ist ausgebildete Sängerin und stößt bei jedem zweiten Treffen dazu. Beim Abschlusssingen 2018, das am 18. Dezember um 19 Uhr in der Grombühler Matterstockstraße veranstaltet wird, ist sie nicht dabei. Doch das Singkreisjahr 2019 wird am 8. Januar mit ihr eröffnet.

    "Es macht nichts, wenn man mal nicht den richtigen Ton trifft."
    Peter Baumann, K.L.E.K.S.-Vorsitzender

    Zu merken, dass man mit ein bisschen Stimmbildung mehr aus seiner Stimme herausholen kann als man für möglich gehalten hätte, ist interessant. Es bedeutet aber keineswegs, dass die Singstunden mit Neuendorf "tierisch ernster" wären. Das gemeinsame Singen beginnt, wie üblich, an einer Gruppe golden lackierter Tische. Es hat also Wirtshauscharakter. Oder vielleicht sollte man besser sagen: "Kunstwirtshauscharakter". Denn es riecht nicht nach Stammtisch, verschüttetem Bier und Tresen. Sondern nach Farben, Lacken und Holz. Auf dem Tisch steht eine Kanne Tee, es gibt Wasser und Saft.

    Jedes Lieblingslied kann gemeinsam geprobt werden

    Sangesfrohe, die Probenstress vermeiden wollen, finden im K.L.E.K.S. eine Nische, die es so nirgendwo sonst in Würzburg gibt. "Ich singe so gern, aber daheim kann ich es nicht, denn unser Haus ist furchtbar schlecht gedämmt", sagt eine Dame, die regelmäßig dienstags kommt. Anderen ist es einfach wichtig, nicht alleine vor sich hinzusingen. Vor allem bietet der Singkreis an, dass jede Art von Lieblingslied gemeinsam geprobt wird. "Dazu bringt man entweder Noten mit, die dann verteilt werden, oder wir kümmern uns darum, dass die Noten beim nächsten Mal da sind", sagt Baumann.

    Im besten Fall spricht der Chor den Opa eines keinen K.L.E.K.S.-Künstlers, die Oma, den Papa oder die Mama an. Das würde sich Baumann wünschen, denn ihm geht es mit dem Kunsthaus darum, Menschen zu vernetzen. In der Nachbarschaft. Im Stadtteil. Und darüber hinaus. Es braucht aber auch viele, sagt er, um ein freies Kunsthaus, das speziell die Talente von Kindern aus benachteiligten Elternhäusern fördern will, am Leben zu erhalten. Die finanzielle Situation, gibt der Vorstand zu, ist schwierig: "Eigentlich krebsen wir immer herum." Dennoch soll alles dafür getan werden, dass die Kinderkurse kostenlos bleiben. Nur in den Ferien wird ein kleiner Betrag verlangt.

    Finanziell hat der Verein immer wieder zu kämpfen

    Die wenigsten Eltern wissen, dass das K.L.E.K.S. latent immer mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat. So flatterte Baumann soeben eine Heizkostennachzahlung im fast vierstelligen Bereich ins Haus. Außerdem muss dringend ein Dunstabzug installiert werden, denn seit kurzem wird im K.L.E.K.S. international gekocht. Studierende organisieren dieses neue Angebot. Was sie kreieren, ist köstlich. Doch der Duft muss auch wieder aus den Räumen verschwinden: "Denn am nächsten Tag trifft sich bei uns eine Yoga-Gruppe."

    Eine Quelle, aus der Gelder sprudeln, ist die Stadt Würzburg. 5100 Euro erhielt das K.L.E.K.S. heuer: "Wir hoffen sehr, dass wir diesen Betrag auch 2019 bekommen." Rund 100 Vereinsmitglieder tragen dazu bei, dass das K.L.E.K.S. ein freier Raum zum Ausprobieren bleibt. Aber auch die Erwachsenen, die das Kulturhaus nutzen, unterstützen damit das Gesamtprojekt. So wurde beschlossen, dass jeder Singkreisteilnehmer pro Abend fünf Euro in die K.L.E.K.S.-Kasse wirft. Wobei Menschen, die dieses Geld nicht aufbringen können, natürlich dennoch mitmachen dürfen. 

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