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    Würzburg

    Sinn & Religion: Ende August

    Domvikar Paul Weismantel Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß/pow

    Ende August geht der Hochsommer allmählich zur Neige und in den Spätsommer über. Für den Spätsommer oder Frühherbst, wie man auch sagen könnte, gibt es ja bekanntlich einen besonders charmanten Namen; darin klingt für mich an, dass nicht nur das Junge und Frische, sondern auch das Späte und Ältere seinen je eigenen Reiz und seine Schönheit hat.

    In einer Welt, in der allerdings alles möglichst schnell oder immer noch schneller gehen muss, hat es das Langsamere schwer. Obwohl wir von der Weisheit des Sprichworts doch genau wissen, dass „gut Ding Weile braucht“, um zu gedeihen, zu reifen und zu gelingen.

    In einer Gesellschaft, wie der unsrigen, in der viele einem Jugendlichkeitswahn huldigen, haben Alte und Ältere und das Altern schlechte Karten. Gleichzeitig werden die Menschen hierzulande immer älter. Um die Kunst des eigenen Alterns zu pflegen, braucht es, wie bei der Kunst des Liebens Konzentration, Disziplin, Übung und sehr viel Geduld. Dabei meint Disziplin keinen militärischen Drill, sondern die Bereitschaft weiter zu lernen und ein lernender Mensch zu bleiben, auch im Alter.

    Man soll das Alter nicht schöner reden, als es ist, aber auch nicht schlechter. Es kommt wohl sehr darauf an, wie wohlwollend ein alter Mensch mit sich und seinen Nächsten umgeht, auch wenn es mitunter mühsam ist.

    Entscheidend ist, wie versöhnt und dankbar jemand im Alter ist, auch wenn nicht alle Lebenswünsche in Erfüllung gegangen sind; ob jemand wohlgemut und frohgemut durchs Leben geht. Auf mich wirken manche Alte sehr wohltuend, entspannend und ermutigend; andere eher nervig und rechthaberisch, besserwisserisch und anstrengend, oder sogar griesgrämig und grantig. Manchmal lässt sich das schon an den Gesichtszügen oder Mundwinkeln ablesen.

    Ich mag die große Verschiedenheit der vier Jahreszeiten, wie wir sie hier in unseren Breitengraden erleben. Dabei haben auch die Übergangszeiten ihren je eigenen Charakter.

    Ein großes Kompliment will ich heute all denen aussprechen, die dem besonderen Namen des Spätsommers durch ihre Lebensart Ehre erweisen und ihren Mitmenschen viel Freude bereiten. Ein herzliches Danke Schön all jenen Älteren und Alten, durch deren Lebensmelodie ein Loblied auf den Schöpfer und seine Geschöpfe erklingt.

    Paul Weismantel ist Domvikar, Spiritual am Priesterseminar und leitet das Referat und den Bereich Geistliches Leben

    Bearbeitet von Lena Berger

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