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    Würzburg

    Sinn und Religion: Der perfekte Urlaub

    Matthias Lotz, Pfarrer in Höchberg Foto: Matthias Lotz

    Für viele ist es jetzt wieder so weit - die „schönsten Wochen des Jahres" stehen bevor. Die Urlaubskataloge sind voller Bilder, was die wichtigsten Wochen des Jahres ausmacht: Blaues Wasser, grüne Wälder, tolle Städte. Ganz gezielt werden Sehnsüchte geweckt.

    Schön, wenn die Erwartungen sich erfüllen. Denn da gibt es auch die Leute, die unzufrieden aus dem Urlaub zurückkommen: Das Hotel und das Essen waren nicht gut, der Strand war nicht sauber, es hat geregnet und die Kinder haben auch noch gequengelt! Nein, es war keine Erholung!

    Ob es daran liegt, dass manche in diese wenigen Wochen des Jahres zu viel Erwartung reinpacken? Dass sie in vollen Zügen das auskosten wollen, was uns in den übrigen Wochen des Jahres vorenthalten wird? Der perfekte Urlaub als ideale, geradezu paradiesische Zeit gegen die Erfahrungen des grauen Alltags? Wir haben unser Leben eingeteilt in Phasen, die uns grau erscheinen - Alltag - und Phasen, die wir in hellen Farben zeichnen - Urlaub. Je grauer und unbefriedigender der Alltag, um so spektakulärer muss der Urlaub sein.

    Aber grundsätzlich galt und gilt: Zu einer richtigen Entspannung, zum richtigen Urlaub gehört, nicht auch noch die freie Zeit mit Stress zu füllen, gehört die Fähigkeit, in die freie Zeit nicht all das reinzupacken, wozu sonst keine Zeit und Gelegenheit ist. Zu verlockend sind die Angebote, die sich die Tourismusbranche einfallen lässt, um auch noch die letzte Minute zu füllen. Wenn man vor lauter Urlaubsstress nach dem Urlaub eigentlich erst mal erholungsbedürftig ist, dann ist etwas schief gelaufen. Es mag vielleicht etwas abgedroschen klingen, aber bei der Beantwortung der Frage, wie man es besser machen könnte, auch darin ist Jesus für uns Christen ein guter Lehrmeister. Jesus hat natürlich keinen Urlaub im Sinne des modernen Tourismus gemacht. Wenn Jesus sich entspannen wollte, dann machte er die Augen, die Ohren und Nase auf und nahm wahr, was sich ihm in der Schöpfung rundherum an Großartigem bot. Jesus wusste um die Schönheit seiner Heimat, er schätzte den See Gennesaret,  die Olivenhaine und die Weinberge, die sich am Ufer erstreckten. Er wusste, wie schön es ist, im Kreis von Gleichgesinnten zu sitzen und miteinander zu leben. Mit einem Wort: Jesus nahm die Schöpfung Gottes und die Geschöpfe wahr und erfreute sich an ihnen.

    Urlaub, das bedeutet nicht allein, die Sehnsucht nach blauem Wasser, grünen Wäldern und tollen Städten zu stillen, sondern sich selber zu finden, zur Ruhe zu kommen, um wahrzunehmen, was wirklich zählt: Sich als Geschöpf Gottes und damit Teil der Schöpfung wahrzunehmen. Das heißt nicht, dass Urlaub nicht auch mit ein bisschen Anstrengung verbunden sein darf. Nicht in dem Sinne, neue persönliche Rekorde aufzustellen, was man alles in den zwei, drei Wochen gemacht und erlebt hat, eher in dem Sinne, den Weg durch die Wunder der Schöpfung zu sich zu suchen. Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich in diesem Sinne einen schönen Urlaub.

    Matthias Lotz

    Pfarrer in Höchberg

    Matthias Lotz, Pfarrer in Höchberg

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