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    Würzburg / Kist

    So lief der Stautag rund um Würzburg

    Die Region ist nach mehreren Unfällen und dem anstehenden Pfingstreiseverkehr staugeplagt. Unser Archivfoto entstand auf der A3 bei Kist (Lkr. Würzburg). Foto: Berthold Diem

    Auch nach Aufhebung der Sperrung der A3 nach einem Unfall, in dessen Folge am Donnerstag mehrere Lkw komplett ausgebrannt waren, sowie einem Stau auf der A7, herrschte am Freitagmorgen weiterhin Verkehrschaos in Würzburg. Neben einem kilometerlangen Stau auf der A3 vor dem Dreieck Würzburg West in Richtung Nürnberg, waren auch die Umleitungsstraßen überlastet. Die Fahrt auf die Arbeit geriet für viele zur Geduldsprobe.

    Betroffen war vor allem der westliche Landkreis Würzburg rund um Kist, Eisingen und Waldbüttelbrunn sowie die Nordtangente und die Höchberger Straße. Dazu fiel noch die Bahnverbindung zwischen Veitshöchheim und Würzburg wegen einer Oberleitungsstörung aus.

    Stau baute sich nur langsam ab

    Durch die große Hitzeentwicklung bei dem Unfall auf der A3 war auch die Fahrbahndecke in Mitleidenschaft gezogen worden. Zur Instandsetzung war es notwendig, dass die Fahrbahn in Richtung Nürnberg bis Freitagmorgen gesperrt blieb. Gegen 7.30 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben.

    "Nach der Freigabe der Strecke auf der Autobahn baut sich der Stau langsam ab, allerdings wird es sich nach Schulschluss zum Nachmittag hin wieder verdichten. Die Pfingstferien sind die Ferien mit den meisten Staus", befürchtete der leitende Polizeidirektor der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt, Klaus Böhm, am Freitagvormittag. Dass es nach dem Verkehrskollaps am Dienstag nun am Donnerstag und Freitag gerade so weiterging mit Verspätungen und Geduldsproben für die Verkehrsteilnehmer in und um Würzburg, ärgerte viele Menschen in der Region. Warum greift die Polizei nicht stärker in den Verkehr ein? Warum sieht man keine Verkehrspolizisten, die den Verkehr per Hand regeln?

    "So einfach wie man sich das oft vorstellt, ist es nicht", so Böhm. "Wenn man einen Knotenpunkt entlastet, staut es sich woanders. Die Ampelschaltung ist so getaktet, dass der Verkehr fließt. Da überall einzugreifen, wäre kontraproduktiv." Das Wichtigste sei, dass der Verkehr nicht komplett zum Erliegen komme. Man habe am Donnerstag "doppelt so lange gebraucht, es war mehr als zäh, aber es ging voran. Das weiß ich, weil ich selbst unterwegs war quer durch die Stadt".

    Natürlich gebe es Pläne und Verkehrsleitkonzepte und auch Verkehrsposten, die genau die fraglichen Stellen und Knotenpunkte überprüfen. Polizisten seien auch auf Motorrädern unterwegs gewesen, um den Verkehr zu beobachten. "Es ist immer ein Abwägen", so Böhm. Dass es aufgrund der Unfälle auf der Autobahn und der Umleitungen in Folge vermehrt zu Unfällen im Stadtgebiet gekommen sei, auch aufgrund ortsunkundiger Verkehrsteilnehmer, kann Böhm nicht bestätigen. "Das wäre ja schlimm. Nein, das kann man nicht sagen."

    Gehupe und Geschrei auf Autobahn

    Dennoch waren viele Verkehrsteilnehmer genervt. "Die Nerven liegen bei vielen blank, aber ein Mindestmaß an Fairness sollte drin sein", findet eine Autofahrerin aus dem Landkreis Würzburg im Gespräch mit dieser Redaktion. Sie stand am Dienstag, Donnerstag und am Freitagmorgen sowohl auf der A3 als auch im Stadtgebiet Würzburg für mehrere Stunden im Stau. "Wenn niemand mehr  Rücksicht nimmt, keinen reinlässt, kommt der Verkehr doch erst recht zum Erliegen", sagt sie. "Da standen Laster an Laster auf der rechten Spur, die haben dicht gemacht. Die Autofahrer hatten keine Chance, auf die rechte Spur zu kommen, um die Abfahrt zu nehmen. Es gab ein Gehupe und Geschrei und schräg stehende Wagen, das ist einfach unmöglich." Ob Reißverschluss-System oder Bildung einer Rettungsgasse, hier bestehe extremer Nachholbedarf an Fahrschulwissen.

    Auch der Einsatz von Verkehrspolizisten, die den Verkehr im Fall eines Staus auch mal per Hand regeln müssen, führt regelmäßig zu Verunsicherungen, bestätigt der Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, Björn Schmitt. "Das habe ich selber schon erlebt, dass Autofahrer lieber der Ampel vertraut haben, als dem Polizisten und seinen Handzeichen."

    "Brust und Rücken – Bremse drücken" 

    Dabei regelt die Straßenverkehrsordnung eindeutig, dass die Zeichen und Weisungen der Polizeibeamten allen anderen Anordnungen und sonstigen Regeln vorrangig sind. Zeigt also beispielsweise ein Polizist per Hand an, dass der Verkehr in einer Richtung gesperrt ist, müssen Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer anhalten – auch wenn die Ampel grün zeigt.

    Oberstes Gebot: Der Polizist steht in der Rangfolge ganz oben. "Brust und Rücken, Bremse drücken" – dieser Satz  gehört zu den Eselsbrücken im Fahrunterricht. Streckt der Polizist einen oder beide Arme quer zur Fahrtrichtung, bedeutet das: Halt vor der Kreuzung, der Querverkehr ist freigegeben. Und zwar so lange, wie der Polizist in dieser Richtung winkt.

    Ferienverkehr startete entspannt

    Die gute Nachricht kam am Freitagabend. Ein neues Verkehrschaos aufgrund des einsetzenden Reiseverkehrs zu Ferienbeginn blieb entgegen aller Erwartungen vorerst aus, wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte. Was das Pfingstwochenende bringt, bleibt abzuwarten. Böhm riet Autofahrern zu Gelassenheit.

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